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Wer seine Medaillen ausgelassener feiert als die Schweizer

Champagnerduschen, Patriotismus und ein Ehrenteller als Wurfgeschoss: So sehen Medaillenpartys bei anderen Ländern aus.

Medaillenpartys in anderen Landeshäusern. Video: Fabian Sanginés

Ein bisschen scheinen sie sich verzockt zu haben, die Schweizer. In Sotschi und Rio war das House of Switzerland noch ein Partytempel, der «place to be». Dass die Situation in Pyeongchang etwas anders ist, erwähnte ein Kollege bereits in diesem Artikel.

Etwas ernüchternd sind auch die feuchtfröhlich erwarteten Medaillenfeiern. Nach einem anstrengenden Tag mit zahlreichen Medienterminen und Fotoshootings erreichen die Athleten spätabends das Schweizer Haus derart erschöpft, dass mehr als 15 Minuten Winkewinke in der Kälte und der Montage einer Plakette an die Ehrenwand kaum drinliegt.

In die VIP-Lounge, die abends die Öffentlichkeit zu Drinks und Musik einlädt, kamen kaum Athleten. Zu den wenigen gehörten die Slopestyle-Doppelsiegerinnen und auch Pat Burgener, der zwar keine Medaille holte, aber auch keine Berührungsängste mit den Fans kannte. Dazu kommt, dass spätestens um 1 Uhr Schluss ist, weil das Personal am nächsten Tag bereits um 9 Uhr morgens wieder auf der Matte stehen muss – und teilweise fast eine Stunde Arbeitsweg hat.

Partys bis um 5 Uhr

Deutlich wilder werden Medaillen an anderen Orten gefeiert. Beispielsweise die Holländer überbordeten auch schon, verletzten sogar mit dem Wurf ihres Ehrentellers in die Menge zwei Koreaner.

Ansonsten sind vor allem Deutschland (lange Nächte), Tschechien (öffentlich und nahe an der Küste) und Kanada (gleich neben dem olympischen Zentrum) für wilde Feste bekannt.

Besonders die Deutschen geben beim Feiern fast noch mehr Gas als bei den Wettkämpfen. Champagnerduschen und Partys bis um 5 Uhr früh sorgen für legendäre Abende im sonst eher schicken, eigentlichen Golfresort. Das Skisprung-Team, das Silber holte, lud sogar spontan die Norweger ein – weil die bisher im Hotelzimmer feiern mussten, ohne eine einzige Dose Bier.

Bilder: Die anderen Häuser

Nicolas Bideau, Chef von Präsenz Schweiz, eröffnet das House of Switzerland in Pyeongchang.
Nicolas Bideau, Chef von Präsenz Schweiz, eröffnet das House of Switzerland in Pyeongchang.
Urs Jaudas
Die Eröffnung des House of Switzerland in Pyeongchang.
Die Eröffnung des House of Switzerland in Pyeongchang.
Urs Jaudas
Eine kleine Runde Mini-Ping-Pong: Im Tschechen Haus ist auch das möglich.
Eine kleine Runde Mini-Ping-Pong: Im Tschechen Haus ist auch das möglich.
Urs Jaudas
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Hingegen eher emotional und traditionell ging es bei der Bronzemedaille von Karolina Erbanova zu und her. Die Eisschnelllauf-Bronzegewinnerin wurde reich beschenkt, unter anderem mit einem Jahr lang Gratisbier eines Sponsors. Dieses zapfte sie gleich an und verteilte es ebenso wie frisches, tschechisches Brot. Alles vor den Augen des slowenischen Eishockey-Teams, das seinen letzten freien Abend genoss. Nahezu Tränen in den Augen hatte Erbanova, als eine emotionale Botschaft ihres ehemaligen Turnlehrers, mittlerweile ist er 80, vorgelesen wurde.

Feiern in der Drittelspause

Im Canada House, einer der ganz grossen Attraktionen unter Olympia-Fans, bewiesen die Kanadier einmal mehr ihren Patriotismus. Kaum einer trägt nicht irgendwo auf seiner Kleidung ein Ahornblatt oder ist immerhin in Landesfarben gekleidet. Nach Abklatschen, einem Gänsehautvideo über die Leistung der Athletin und viel Applaus sorgte die Nationalhymne für den passenden Abschluss einer patriotischen Zeremonie.

Weil sie in der Drittelspause des Hockey-Halbfinals über die Bühne ging, mussten hier 15 Minuten reichen. Immerhin nahm sich Halfpipe-Olympiasiegerin Cassie Sharpe danach Zeit, um fleissig Selfies zu schiessen – ausserdem schauten zahlreiche Sportler zusammen mit den Fans das Eishockeyspiel gegen Deutschland.

Aber sehen Sie im Video oben selbst, wie es in den drei Landeshäusern zu und her ging.

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