Wie Red Bull verbotenes Wissen vergoldet

Ein Diffusor-Trick hat Sebastian Vettel und Red Bull wieder auf WM-Kurs gebracht. Bernerzeitung.ch/Newsnetz erklärt, wie aus 42 Punkten Rückstand 13 Punkte Vorsprung wurden.

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Noch vor drei Monaten sah es alles andere als rosig aus für Sebastian Vettel. Der Weltmeister lag in der WM-Wertung zwar auf dem zweiten Platz, wies jedoch 42 Punkte Rückstand auf Fernando Alonso auf. Doch in Singapur kam die Wende: Der Deutsche gewann den Nacht-Grand-Prix im kleinen Inselstaat und hat seither alle Rennen gewonnen. In drei Monaten machte er aus 42 Punkten Rückstand auf Alonso 13 Punkte Vorsprung.

Da stellt sich die Frage, was Red Bull so viel besser macht als Ferrari. Die Lösung ist wieder auf Adrian Newey zurückzuführen, den brillanten Kopf bei Red Bull. Der Chefdesigner des österreichisch-britischen Rennstalls hat das Heck seiner Boliden so modifiziert und mit mehr Bodenfreiheit ausgestattet, dass sie der Konkurrenz um die Ohren fahren. Sein Kniff basiert auf zwei verbotenen Systemen: Dem angeblasenen Diffusor und dem Doppeldiffusor. Der Diffusor ist bei den Formel-1-Boliden das hintere Ende des Unterbodens und sorgt, wenn er mit einem Luftstrom angeströmt wird, für einen Teil des Abtriebs des Autos.

Das Umgehen des angeblasenen Diffusors

Wie Newey das umsetzt, erklärt Christian Nimmervoll, Chefredaktor des Fachportals Motorsport-Total.com, gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz: «2011 wurde der auspuffangeströmte Diffusor verboten, doch eigentlich war es die Auspuffposition, die genau festgelegt wurde. So konnten die Auspuffgase nicht mehr beliebig geleitet werden, um aerodynamische Teile anzuströmen und auf diese Weise zusätzlichen Anpressdruck zu erzeugen.» Trotzdem gibt es laut Nimmervoll immer noch Wege, die Abgase so zu leiten, dass ihre Energie die Aerodynamik beeinflusst: «Red Bull leitet die Auspuffgase so zwischen die Hinterräder und den Diffusor, dass das dortige Loch gefüllt und die Saugwirkung des Diffusors erhöht wird.» Durch diese Vorgehensweise erreicht Red Bull einen ähnlichen, wenn auch schwächeren Effekt wie mit dem verbotenen angeblasenen Diffusor.

Das Problem des Luftverlusts, das mit mehr Bodenfreiheit unter dem Heck einhergeht, löst Newey mit einem Trick, der an den verbotenen Doppeldiffusor erinnert. «Red Bull verhindert den Luftverlust mit einem Loch zwischen den beiden Ebenen des Unterbodens, durch das Luft angesaugt werden kann. Durch dieses gelingt es, den Luftdruck unter dem Unterboden auch bei höherer Bodenfreiheit stabil zu halten», sagt Nimmervoll.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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