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«Wenn die Batterien in den roten Bereich kommen...»

Michael Schumacher zieht die Konsequenzen aus seinem Rauswurf bei Mercedes und steigt Ende Saison aus dem Formel-1-Zirkus aus. Der 43-jährige Rekordweltmeister gab vor dem GP Japan eine Erklärung ab.

Sofort umworben: Sein erstes Rennen bestritt Michael Schumacher in Spa für den Rennstall Jordan, er musste jedoch nach wenigen Runden aufgrund technischer Probleme aufgeben. Das Bild zeigt den Deutschen bei seinem zweiten Rennen in Monza, wo er bereits für Benetton an den Start ging. (9. September 1991)
Sofort umworben: Sein erstes Rennen bestritt Michael Schumacher in Spa für den Rennstall Jordan, er musste jedoch nach wenigen Runden aufgrund technischer Probleme aufgeben. Das Bild zeigt den Deutschen bei seinem zweiten Rennen in Monza, wo er bereits für Benetton an den Start ging. (9. September 1991)
Keystone
Erster Formel-1-Sieg: Ein Jahr nach seinem Debüt in Spa siegte Schumacher am GP von Belgien. Im Hintergrund Nigel Mansell. (30. August 1992)
Erster Formel-1-Sieg: Ein Jahr nach seinem Debüt in Spa siegte Schumacher am GP von Belgien. Im Hintergrund Nigel Mansell. (30. August 1992)
Keystone
Der grösste Erfolg nach seiner Rückkehr: In Valencia fuhr der Deutsche auf den dritten Platz. (24. Juni 2012)
Der grösste Erfolg nach seiner Rückkehr: In Valencia fuhr der Deutsche auf den dritten Platz. (24. Juni 2012)
Keystone
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Mit der Ankündigung seines Rücktritts setzt Schumacher auch den seit Wochen währenden Spekulationen über seine sportliche Zukunft ein Ende. Das Rätselraten hatte in den letzten Tagen durch den Entscheid der Teamleitung von Mercedes, Schumacher nicht weiterzubeschäftigen und an seiner Stelle Lewis Hamilton zu verpflichten, zusätzlichen Elan erhalten. Schumacher war unter anderem auch beim Rennstall Sauber zum Thema geworden - als Ersatz für den zu McLaren abwandernden Sergio Perez.

«Seit Monaten nicht mehr sicher»

«Obwohl ich immer noch konkurrenzfähig bin, habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen. Wir haben nicht die Ziele erreicht, die wir uns gesteckt haben. Aber ich kann stolz sein auf das, was ich erreicht habe», sagte Schumacher an einer Pressekonferenz in Suzuka, wo an diesem Wochenende der Grand Prix von Japan ausgetragen wird, und schob den Grund für seinen Entscheid nach. «Ich war mir schon während der letzten Monate nicht mehr sicher, ob ich die nötige Motivation und Energie für ein oder zwei weitere Jahre noch aufbringen kann. Es ist nicht mein Stil, etwas zu tun, wovon ich nicht hundertprozentig überzeugt bin. Deshalb habe ich so lange gezögert, mich festzulegen. Mit meinem heutigen Entscheid fühle ich mich von diesen Zweifeln befreit.»

Zum Entscheid haben auch die unbefriedigenden Resultate seit Schumachers Comeback 2010 in der Formel 1 ihren Teil beigetragen. In dieser zweiten Phase ist er bislang ein einziges Mal unter die ersten drei gefahren - im vergangenen Juni als Drittklassierter im Grand Prix von Europa in Valencia. «Am Ende habe ich den Anspruch, nicht nur mitzufahren, sondern um Siege zu kämpfen. Und Lust am Fahren nährt sich bekanntlich auch durch Wettbewerbsfähigkeit. Aber wenn die Batterie den roten Bereich erreicht, ist es Zeit, aufzuhören.» Bis zum endgültigen Karrierenende dauert es noch knapp zwei Monate. Schumachers Abschiedstournee in der Formel 1 beinhaltet folglich noch sechs Rennen. Nach dem Auftritt in Japan gehts weiter nach Südkorea, Indien, in die Vereinigten Arabischen Emirate, die USA und schliesslich zur Derniere nach Brasilien.

Bei Schumachers spektakulär inszenierter Rückkehr vor gut zweieinhalb Jahren hatte sein Arbeitgeber Mercedes vollmundig den Titel als Ziel ausgegeben. «Ich habe Ende 2009 gesagt, dass ich an meinen Erfolgen gemessen werden möchte. Daher habe ich in den vergangenen drei Jahren viel Kritik eingesteckt, die zum Teil berechtigt war», sagte der 91-malige Grand-Prix-Sieger. «Es ist unbestritten, dass wir unser Ziel, innerhalb von drei Jahren ein Auto mit Titelpotenzial zu entwickeln, nicht erreicht haben. Klar ist für mich aber auch, dass ich nach diesen drei Jahren nicht weniger glücklich sein kann über das, was ich in der Formel 1 erreicht habe.»

Zukunft offen

Was seine Zukunft betrifft, wollte sich Schumacher nicht festlegen. «Ich habe einige Optionen, aber zuerst werde ich mich voll auf die nächsten Rennen fokussieren», sagte Schumacher. «Danach werde ich mich zu gegebener Zeit entscheiden.» Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte zuletzt betont, dass Schumacher weiter für den Konzern tätig sein soll. «Ich persönlich wünsche mir, dass er nach seiner aktiven Zeit im Mercedes-Cockpit Partner unseres Unternehmens bleibt.» Ross Brawn als Chef des Teams Mercedes und langjähriger Weggefährte und der Mercedes-Sportchef Norbert Haug würdigten Schumachers Leistungen. Zwar habe man die erklärten Ziele nicht erreicht. «Trotzdem ist es ein Privileg gewesen, mit ihm zusammenzuarbeiten», sagte Brawn. «Er hat viel für das Team getan und besonders hinter den Kulissen wichtige Arbeit geleistet. Er ist der grösste Rennfahrer dieses Jahrhunderts.» Haug dankte «Michael von ganzem Herzen» für seine Arbeit und Loyalität. Trotz der durchwachsenen Resultate habe sich «das grösste Renntier aller Zeiten» nie hängen lassen, das Team «konstrunktiv gepusht und wichtige Aufbauarbeit geleistet. Davon werden wir in den nächsten Jahren profitieren.»

Mit Michael Schumacher kehrt der Rekordmann schlechthin der Formel 1 den Rücken. Seine sieben WM-Titel oder seine 91 Grand-Prix-Siege stellen Bestmarken dar, die wohl noch für einige Zeit Bestand haben werden.

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