Tom Lüthi: Neues Team, neue Motivation

Nach einem MotoGP-Jahr fährt Tom Lüthi wieder Moto2. Seinen neuen Arbeitsgeber begrüsste er mit den Worten: «Tschou zäme, ich bin der neue Fahrer.»

Tom Lüthis Arbeitsinstrument in der Moto2-Klasse.

Tom Lüthis Arbeitsinstrument in der Moto2-Klasse.

(Bild: Swiss Moto)

Kaum etwas kann frustrierender sein, als Tag für Tag aufzustehen und zu wissen, dass man für einen überforderten Chef zur Arbeit geht. Es ist ein Gefühl, das viele Arbeitnehmer kennen, seit letztem Jahr auch Tom Lüthi. 18-mal nahm der 32-Jährige ­Anlauf in seinem ersten Jahr in der Königsklasse, 18-mal beendete er das Rennen ausserhalb der Punkteränge. Seit der Wettbewerb MotoGP heisst, war noch kein Neuling so erfolglos gewesen. Seine Kurzbilanz: «Es lief so ziemlich alles schief, was schieflaufen konnte.»

Die Umstellung war gross ­gewesen von der Moto2 zu den ganz grossen Maschinen. Seine persönlichen Anlaufschwierigkeiten waren aber nur das eine, zusätzlich fiel auch das Team auseinander: «Ausserhalb der Crew hat das Team nicht mehr funktioniert, ich stand ganz ­allein da mit einer Maschine, mit der es ohnehin schon schwierig war, Achtungserfolge zu erzielen.» Und ja, der Spassfaktor sei schon grösser gewesen als 2018.

Im November ging die Odyssee mit dem GP in Valencia zu Ende, eine Woche später erfolgte gleichenorts die sportliche Wiedergeburt. Wieder eine Stufe weiter unten, wo er schon zweimal WM-Zweiter gewesen war. Lüthi erklärt, wie er die Lust am Job wiederfand: «Ich kam mit meinem Kombi so nach dem Motto: Tschou zäme, ich bin der neue Fahrer. Ich habe sofort ­gemerkt, dass sie sich auf mich gefreut hatten, und bin in jenen drei ­Tagen so richtig aufgeblüht.»

Er sitzt entspannt in der Zürcher Messe und strahlt. Er hat einen langen Tag hinter sich, einen intensiven, mit der Präsentation seines neuen Teams Dynavolt Impact GP. Viele Zuschauer waren zugegen, sehr viele, am frühen Nachmittag gab es kaum mehr ein Durchkommen, seine Autogramme und Selfies waren begehrt wie selten. «Das Interesse war sehr gross, und das ist schön», sagt Lüthi.

Er hatte im Winter das letzte Jahr noch einmal Revue passieren lassen. Allzu lange durfte der Vorgang nicht andauern, wichtig sei er aber dennoch gewesen: «Ich durfte nicht wegschauen und habe auch mit meinem Sportpsychologen darüber geredet. Ich habe extrem viel gelernt, und das wird mich in Zukunft stärker machen. Heute bin ich ein kompletterer Fahrer.»

Zuletzt testete das Team fünf Tage in Jerez, Platz 14 für Lüthi war noch kein Wunschresultat, zu denken gab vor allem der Rückstand von einer halben ­Sekunde. Schliesslich will Lüthi dauerhaft in der Spitzengruppe mitfahren, bei jenem halben Dutzend Fahrer dabei sein, die um den Titel streiten.

Manch einer würde nach diesen Tests die Hände verwerfen, nicht aber der Pilot aus Linden: «Ich bin extrem entspannt, weil ich weiss, welches Potenzial wir haben. Jetzt gilt es, die Puzzleteile zusammenzubringen. Wichtig werden die drei Testtage in ­Katar.»

Ab Freitag wird in Doha auf der Strecke trainiert, wo eine Woche später der WM-Start erfolgt. Lüthi ist vorsichtig optimistisch: «Wir sind auf Kurs, aber vielleicht brauchen wir noch etwas Geduld.» Nach dem letzten Jahr wird es ihm kaum daran fehlen.

Berner Zeitung

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