Ruhen statt rasen

Marcel Brenner wollte in diesem Jahr in der Moto-2-Europameisterschaft um den Titel fahren. Doch nun ist der ­19-Jährige aus Ostermundigen seit Monaten angeschlagen, ans Motorradfahren ist im Moment nicht zu denken.

Marcel Brenner muss sich zurückkämpfen.

Marcel Brenner muss sich zurückkämpfen.

(Bild: Andreas Blatter)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Am letzten Wochenende machte die Moto-2-EM auf dem Circuito do Estoril halt. Ausgerechnet. Auf dem Rundkurs in der Nähe von Lissabon hatte Marcel Brenner anlässlich der Vorsaisontests Topzeiten herausgefahren. Worauf die Erwartungen stiegen, und der Ostermundiger im April gegenüber dieser Zeitung festhielt: «Vor den Tests hatte ich mir einen Platz in den Top 5 in der Gesamtwertung zum Ziel gesetzt. Nun weiss ich, dass wir um den Titel fahren können.»

Die Realität sieht anders aus. Brenner trat die Reise nach Portugal gar nicht erst an. Der Grund: Seit rund drei Monaten kämpft der 19-Jährige mit den Folgen einer Infektion, was die Ärzte erst jetzt herausgefunden haben.

Zusammenbruch beim Joggen

Bereits vor zwei Wochen hatte er für die Rennen in Valencia Forfait erklären müssen. Die freien Trainings und Qualifyings zehrten dermassen an seinen Kräften, dass er sich ausserstande fühlte, weiter zu fahren. «Nach fünf, sechs Runden war ich jeweils kaputt, es wurde jeden Tag schlimmer, ich hatte keine Energie mehr», hält er fest. Letztlich nahm Brenner in Spanien in wenigen Tagen rund fünf Kilogramm ab. «Ich konnte kaum noch etwas essen», sagt er.

Angefangen hat alles nach dem Saisonstart Anfang Mai in Albacete. Zurück in der Schweiz, brach Brenner beim Joggen zusammen, musste schliesslich mit der Ambulanz ins Spital transportiert werden. Nach zweiwöchiger Pause versuchte er es wieder mit einer lockeren Laufeinheit – und wäre beinahe wieder zusammengebrochen. Hinzu kamen Magenprobleme; Brenner liess sich mehrfach untersuchen, doch die Ärzte fanden lange nicht heraus, was ihm fehlt. Obwohl er sich immer noch nicht ganz fit fühlte, absolvierte er Mitte Juni in Barcelona zwei Rennen.

«Doch nach dem zweiten Einsatz musste ich mich eine halbe Stunde hinlegen, hatte wieder einen Zusammenbruch und musste wieder ins Spital», erzählt er. In der Schweiz suchte Brenner nochmals einen Spezialisten für Magenerkrankungen auf, dieser diagnostizierte eine Refluxösophagitis. Dabei handelte es sich um einen übergrossen Ausstoss der Magensäure. Diese Fehlfunktion des Schliessmuskels zwischen dem Magen und der Speiseröhre wurde mit Medikamenten behandelt. Gleichwohl verbesserte sich der Zustand des 19-Jährigen nicht merklich, was schliesslich dazu führte, dass er die letzten vier Rennen der Moto-2-EM auslassen musste.

Bluttests haben nun ergeben, dass Brenner vor längerem an einer Infektion erkrankt ist. Diese ist zwar überwunden, doch weil er seinen Körper überbelastet hat, kämpft er nach wie vor mit den Folgen. Die Magenprobleme sind ebenfalls darauf zurückzuführen. «Es geht mir nun etwas besser», hält er fest, «aber an Sport ist nicht zu denken.» Er sei immer müde, habe Atemprobleme, wenn er sich ein bisschen anstrenge, erklärt er.

«Das kommt nicht infrage»

Im Vordergrund steht nun die Erholung; Brenner muss seinem Körper viel Ruhe gönnen. Was die Frage nach einem vorzeitigen Saisonabbruch aufwirft. «Das kommt nicht infrage», entgegnet er. «Ich war immer voll motiviert, Motorrad fahren ist meine Leidenschaft.» Überdies stehe sein Team hinter ihm, setze keinen Druck auf. Im September finden in Jerez die nächsten Rennen statt. «Ich nehme Schritt für Schritt», sagt der 19-Jährige. Es bleibt ihm nichts anderes übrig.

Berner Zeitung

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