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Regenchaos in Silverstone

Erstmals seit 1980 musste ein kompletter Renntag in der Motorrad-WM abgesagt werden. Schuld daran waren das englische Wetter sowie der neue Asphalt.

Tom Lüthis Maschine blieb unter der Plane: Die Rennen aller Klassen der Motorrad-WM in Silverstone mussten wegen des Regens abgesagt werden.
Tom Lüthis Maschine blieb unter der Plane: Die Rennen aller Klassen der Motorrad-WM in Silverstone mussten wegen des Regens abgesagt werden.
Tim Keeton, Keystone

Ganze 38 Jahre muss man zurückblättern, um in der Motorrad-WM einen komplett gestrichenen Renntag zu finden. 1980 gingen auf dem Salzburgring Ende April 40 Zentimeter Neuschnee nieder. Trainings und Qualifyings konnten damals ebenfalls nicht stattfinden. Eine weitere wetterbedingte Absage gab es 2008. Damals fiel in Indianapolis aber nur das 250-ccm-Rennen starken Winden zum Opfer.

Bereits in den Qualifyings vom Samstag war klar gewesen, was bei starkem Regen das Problem sein würde: der neue Asphalt auf dem Rundkurs von Silverstone. Erst kürzlich war die Strecke für über fünf Millionen Euro neu asphaltiert worden, um die zahlreichen Bodenwellen wegzubringen. Die Bodenwellen sind geblieben und der neue Asphalt nimmt so gut wie kein Wasser auf. Stattdessen bilden sich zwischen den Bodenwellen Pfützen, die zu Aquaplaning führen und damit für die Fahrer extrem gefährlich werden.

Rabats Unfall sorgte für Vorsicht

Wie gefährlich die nasse Strecke in Silverstone ist, erfuhr der Spanier Tito Rabat im letzten freien Training vom Samstag am eigenen Leib. Der Ducati-Fahrer stürzte schwer und zog sich dabei mehrere Brüche am Schien- und Wadenbein sowie am rechten Oberschenkel zu. Rabat wurde bereits erfolgreich operiert, wird aber vermutlich für den Rest der Saison ausfallen.

Rabats Unfall sorgte dafür, dass die Rennleitung am Sonntag eher vorsichtig agierte. Zwar wurde über Nacht alles versucht, um die Rennen noch zu retten. Der Asphalt wurde aufgeschürft, damit er etwas mehr Wasser aufnehmen kann, Drainagen wurden errichtet, aber es nützte alles nichts.

Aus Schweizer Sicht war die Streichung der Rennen für Tom Lüthi schon etwas ärgerlich. Nach seinem besten Qualifying hätte der in der MotoGP-Klasse noch punktelose Emmentaler von Position 15 aus ins Rennen gehen können.

Montag ist Feiertag - aber nur in England

Wegen schlechter Wetterverhältnisse wurden schon einige Trainings oder Qualifyings abgesagt - das Streichen eines MotoGP-Rennens kommt aber eher selten vor. Letztmals war das 2011 der Fall. Ende Oktober 2011 verunfallte der Italiener Marco Simoncelli kurz nach dem Start tödlich - das Rennen wurde danach nicht mehr wiederaufgenommen. 2009 regnete es an Ostern beim Nachtrennen in Katar so stark, dass das Rennen der Königsklasse um einen Tag auf Ostermontag verschoben wurde.

Dieses Szenario schloss die Rennleitung bereits früh aus. Zwar ist am Montag in England ein Feiertag, im Rest der Welt aber nicht. Eine Verschiebung um einen Tag würde die Reichweite der Übertragung massiv senken. Zum anderen fanden sich vor neun Jahren in Katar rund 1500 Zuschauer zum Rennen ein - in Silverstone sind es 70'000 Fans. Sie alle haben während Stunden im Regen ausgeharrt; ein erneuter Aufmarsch rund 18 Stunden später wäre von den sonst so treuen englischen Fans doch etwas zu viel verlangt gewesen.

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