«Mit Plan B befasse ich mich noch nicht»

Der Berner Dominique Aegerter bangt um seine Moto-2-Karriere.

Motorradprofi Dominique Aegerter.

Motorradprofi Dominique Aegerter.

(Bild: Keystone)

Dominique Aegerter, Sie fahren diese Saison hinterher, Ihre Karriere steht auf dem Spiel. Wie gehen Sie damit um?
Ich würde nicht sagen, dass ich hinterherfahre, ich bin im Mittelfeld, aber das ist natürlich nicht das, was ich mir erhofft hatten. Es gibt viele Gründe: Das Gesamtpaket ist nicht gut, die Strukturen im Kiefer-Rennstall sind nicht ideal, was auch mit dem überraschenden Tod von Besitzer Stefan Kiefer vor einem Jahr zu tun hat. Ich bin allein, es gab Unfälle, die Abstimmung passt nicht, wir hatten technische Defekte und sind zu langsam.

Dabei wollten Sie regelmässig in die Top 5 fahren.
Ich besitze die Fähigkeiten dazu. Es gab Anfang Jahr zwei, drei ordentliche Rennen, aber seither sind die Resultate schlecht. Das raubt mir Selbstvertrauen, es ist schwierig, konzentriert und motiviert zu bleiben. Aber es geht jetzt um meine Zukunft.

Sie sagten, es werde schwierig, in der Moto 2 zu bleiben.
Es gibt nicht mehr viele freie Plätze, ich muss selber suchen, mein Bruder hilft mir, aber ich habe keinen Manager mehr. Es ist enorm schwierig, ein Team zu finden, die Situation ist belastend. In den sozialen Medien hat es Fans, die mich attackieren, das tut weh, zudem gibt es Journalisten, die nicht begriffen haben, um was es geht. Dabei bin ich immer nett und offen zu allen. Die meisten kennen die Hintergründe nicht, vielleicht sind einige auch eifersüchtig, weil sie selber gerne Rennfahrer wären.

Tatsache ist: Ihre Resultate sind seit langem ungenügend.
Ich habe Ihnen ein paar Gründe erklärt, warum es nicht läuft, nicht für alles bin ich verantwortlich.

Wie wirkt sich das alles wirtschaftlich für Sie aus?
Schlecht, sehr schlecht, ich werde dieses Jahr nichts verdienen, ich habe alles Geld meiner Sponsoren ins Team gesteckt. Und bei Kiefer kann ich nur bleiben, wenn ich einen Hauptsponsor bringe, der mindestens eine halbe Million Franken bezahlt. Das ist unmöglich. Überall müsste ich mehrere Hunderttausend Franken mitbringen. Leider bin ich keiner dieser Pay-Fahrer, die sich Plätze kaufen können.

Sie hätten zu NTS gehen können. Haben Sie sich verpokert?
Auch diese Geschichte wurde falsch beschrieben. Es gab nie Vereinbarungen, ich hätte 20'000 Franken zahlen müssen. Damals, im Sommer, dachte ich, ich würde mich steigern und attraktiver werden. Und später hätten es auf einmal 30'000 Franken sein sollen. Ich kann das doch nicht einfach aus dem Hosensack ziehen.

Was werfen Sie sich selber vor?
Ich habe viel Pech gehabt. Aber man kann immer Sachen besser machen. Nun muss ich wichtige Entscheide treffen, aber ich bin kein Manager oder Sponsorensucher, ich bin Töfffahrer.

Und warum haben Sie nicht längst einen Manager engagiert?
Das geht nicht so nebenbei, man muss Sprachen beherrschen, Kontakte haben, juristisch im Bilde sein, Freude am Business haben. Ich habe mit vielen gesprochen, mit Amerikanern, Spaniern, Holländern, auch Deutschen, weil die Sprache entscheidend ist. Und ich muss ja auch Vertrauen haben, wie ich es zu meinem langjährigen Manager Robert Siegrist hatte, mit dem ich bis Mitte Jahr zusammenarbeitete.

Wie attraktiv wäre ein Wechsel in eine zweitklassige Kategorie?
Sie können sich vorstellen, dass das nicht mein Ziel ist. Aber es gibt Moto E, Superbike, Supersport. Bei einem Team hätte ich 15'000 Franken mitbringen und Reisen sowie Sturzteile bezahlen müssen. Und diese Klassen werden nicht mal am TV übertragen.

Gibt es einen Plan B, falls alle Stricke reissen?
Ich fahre seit über 15 Jahren Töffrennen, das ist mein Leben, die Hoffnung stirbt zuletzt. Mit Plan B befasse ich mich noch nicht. Ich bin 28 und nicht mehr der jüngste Fahrer, aber vielleicht taucht jemand auf, der an mich glaubt.

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