Keine Lust aufs Hinterherfahren

Nach nur einem Rennwochenende ist Neel Janis Zeit in der Formel E zu Ende. Der Bieler befürchtete einen Imageschaden.

«Für mich und das Team das Beste»: Jani verkündet das Ende.

«Für mich und das Team das Beste»: Jani verkündet das Ende.

(Bild: PD)

Dario Greco@HerrGreco

«Mal schauen.» – «Verhalten optimistisch.» Als Neel Jani im Dezember auf sein Debüt in der Formel E blickte, war da kaum Zuversicht zu erkennen und auch nicht allzu viel Vorfreude. Der Bieler ahnte, dass er in Hongkong im Boliden von Dragon Racing keine Chance haben würde. Er sollte richtig liegen: In den beiden Rennen in den Strassenschluchten der chinesischen Sonderverwaltungszone wurde er zweimal hoffnungslos Letzter.

Zwei Wochen zuvor hatte er in Bahrain auf der Poleposition gestanden, hatte die vier besten Jahre seiner Karriere beschlossen. Mit Porsche feierte er in der Langstreckenweltmeisterschaft grosse Erfolge, im Werksteam war der 34-Jährige rundum versorgt gewesen. Ganz andere Bedingungen erwarteten ihn in der Formel E im Privatteam Dragon Racing, den Amerikanern fehlt es an Ressourcen, vor allem an personellen. Einer der Gründe für Janis Engagement war, dass Dragon Racing und Porsche eine Kooperation eingehen wollten. Die Deutschen hätten so für ihren Einstieg in die Serie 2019 lernen können, und Dragon Racing hätte gleichzeitig über hoch qualifiziertes Personal verfügt.

Plötzlich war Porsche weg

Nach den Vorsaison-Tests im Oktober, bei dem Ingenieure von Porsche dabei waren, hatte sich Jani optimistisch gezeigt. Im November war die Verstärkung aus Deutschland plötzlich weg: Dragon Racing und Porsche hatten die Zusammenarbeit unerwartet beendet. Jani war von nun an fast auf sich alleine gestellt und sah seine Situation vor dem Saisonstart in Hongkong entsprechend hoffnungslos.

Dass sein erstes Formel-E-Rennwochenende auch sein vorerst letztes war, ist deshalb keine Überraschung. «Aufgrund unvorhergesehener Ereignisse ist es für meine eigene Zukunft und die des Teams das Beste, wenn wir unsere Zusammenarbeit beenden», äusserte sich Jani diplomatisch. Mehr wollte und durfte er nicht sagen. Dragon Racing hat sich 24 Stunden später noch immer nicht geäussert.

Als einziges Team keine Punkte

In Hongkong hat sich der amerikanische Rennstall teilweise haarsträubende Fauxpas geleistet und ist als einziges Team nicht in die Punkte gefahren. Jani rechnete offenbar nicht mit einer Verbesserung seiner Bedingungen. Sein Engagement bei Dragon Racing war als Einstieg in die Serie gedacht, eine Saison in der Formel E mit lauter schlechten Resultaten hätte allerdings seine Aussichten auf ein mögliches Porsche-Cockpit in der Elektroserie geschmälert. Weil er in der Langstrecken-WM einer der stärksten Werksfahrer des Herstellers war und einen hervorragenden Ruf geniesst, gehört er zu den Favoriten auf den Sitz.

Und so sieht sich Jani mit etwas ganz Ungewohntem konfrontiert: Er hat plötzlich mehr freie Zeit. Er kann sie gut gebrauchen, im April erwarten seine Frau und er erstmals Nachwuchs. Erst im Mai startet er mit dem Privatteam Rebellion Racing in die Langstrecken-WM, seine Rückkehr zu den Westschweizern ist seit Dezember bekannt. Sein grosses Ziel bleibt der Einstieg mit Porsche in die Formel E Ende des nächsten Jahres. Sein Debüt in Hongkong hat ihm – den Resultaten zum Trotz – Lust auf mehr gemacht. «Die Rennen auf den Stadtkursen sind cool», sagt er.

Berner Zeitung

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