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Jani erwartet weitere Erdbeben im Motorsport

Nach dem Rückzug von Porsche in der Langstrecken-WM und dem Wechsel in die Formel E hat Neel Jani (33) drei Optionen. Der Bieler nimmt zu verschiedenen Themen Stellung.

Aussteigen: Noch fünf Rennen, dann ist das Kapitel mit dem Porsche 919 Hybrid für Neel Jani zu Ende.
Aussteigen: Noch fünf Rennen, dann ist das Kapitel mit dem Porsche 919 Hybrid für Neel Jani zu Ende.
Porsche/zvg

Porsches Verhalten: Im Gegensatz zu Audi, das bei seinem Rückzug Ende 2016 aus der Langstrecken-WM die Teams auflöste, behält Porsche die Teams. Uns sechs Fahrern werden Verträge angeboten. Wir können alle bei Porsche bleiben, das vorgeschlagene Programm für den Wechsel in die Formel E per 2019 akzeptieren und dazu zum Beispiel noch in der GT-Kategorie fahren.

Oder wir können selber aktiv werden und uns auf dem Markt umschauen.Seine Zukunft: Ich habe drei Optionen: Entweder bleibe ich bei Porsche und hoffe, dass ich in zwei Jahren eines der zwei Formel-E-Autos von Porsche fahren darf. In zwei Jahren kann aber bekanntlich viel passieren, und eine Garantie für einen Platz im Cockpit gibt es keine.

Oder die zweite Variante ist, ich verlasse Porsche und versuche ein anderes Team zu finden. Ich bin bereits in Verhandlungen. Klar ist für mich, ich will in die Formel E wechseln. Die dritte Lösung wäre eine Kombination aus beiden. Ich bleibe bei Porsche, fahre aber bis 2019 für ein anderes Team.

Warum Formel E: Ich weiss, dass es Kritiker gibt, die sagen, die Elektroserie sei kein Motorsport. Auch ich gehöre zur Generation, die gern laute Motoren hat, die brachial und beeindruckend wirken. Aber die neue Serie hat ­Zukunft. Sie hat einen globalen Charakter, es gibt eine Weltmeisterschaft. Viele Hersteller zieht es dahin. In zwei Jahren dürften es mit Renault, Jaguar, DS (Citroën, die Red.), BMW, Audi, Mercedes und Porsche mindestens sieben sein.

Klar ist, dass sich damit diese Serie entwickeln wird und die Budgets erhöht werden. Die Formel E geht zu den Leuten, gefahren wird in Städten wie New York, Berlin und vielleicht bald Zürich. Die Rennen dauern rund 40 Minuten, das ist TV-freundlich und in unserer schnelllebigen Zeit entscheidend. Das Konzept ist durchdacht. Diese Art von Mobilität hat Zukunft.

Entwicklung des Motorsports: Mit dem Rückzug von Mercedes aus der DTM und Porsche aus der Langstrecken-WM hat diese Woche ein erstes grosses Erdbeben stattgefunden. Ich bin sicher, dass noch weitere folgen werden. Der Motorsport ist im Umbruch und wird sich stark verändern.

Le Mans: Die 24 Stunden von Le Mans werden immer ein Event bleiben, auch ohne unsere LMP1-Klasse. Ob ich dieses legendäre Rennen noch einmal bestreiten kann, ist offen. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit als Gastfahrer in einem Team. Während Le Mans sicher weiter bestehen bleibt, bin ich mir bei der Langstrecken-WM nicht so sicher. Ich denke, dass auch Toyota, das letzte verbliebene LMP1-Team, noch aussteigen dürfte. Ebenfalls die Zukunft der DTM ist für mich ungewiss.

Formel 1: Wenn man kein Geld mitbringt, ist man in der Königsklasse chancenlos. Zudem wartet die Formel 1 nicht auf den nächsten Fahrer aus England, Deutschland oder aus der Schweiz, sondern vielmehr auf einen aus China. Ich glaube aber, dass sich die F1 wieder den Topstellenwert von früher erarbeitet. Und daneben wird es die Formel E geben.

Vorzeitiges Saisonende: Es ist richtig, dass ich den Titel in der Langstrecken-WM nicht mehr verteidigen kann. Trotzdem freue ich mich auf die letzten fünf Rennen mit dem Hybridauto. Ich will diese unbedingt geniessen, denn dieses Auto hat so viel Dampf und ist ein richtiges Monster. Etwas Vergleichbares werde ich so schnell nicht mehr fahren können. Bestimmt wird der Wechsel auf ein Formel-E-Auto nicht einfach sein. Denn mit dem jetzigen Hybrid würden wir ein solches wohl alle fünf Runden ein- und überholen.

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