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Formel-1-Chef Ecclestone: «Ich wurde abgesetzt»

40 Jahre prägte er als Formel-1-Chef den internationalen Motorsport. Jetzt wurde Bernie Ecclestone eigenen Angaben zufolge zum Rücktritt gezwungen.

«Bin einfach weg»: Bernie Ecclestone am Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel am 21. Januar 2017, einem seiner letzten öffentlichen Auftritte. Die neuen Besitzer der Formula One Group haben den viele Jahre omnipräsenten Chef der Königsklasse von einem Tag auf den nächsten entmachtet.
«Bin einfach weg»: Bernie Ecclestone am Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel am 21. Januar 2017, einem seiner letzten öffentlichen Auftritte. Die neuen Besitzer der Formula One Group haben den viele Jahre omnipräsenten Chef der Königsklasse von einem Tag auf den nächsten entmachtet.
Jure Makovec, AFP
Galt als Napoleon der Formel: Bernie Ecclestone anlässlich der FIA-Generalversammlung in Wien. (2. Dezember 2016)
Galt als Napoleon der Formel: Bernie Ecclestone anlässlich der FIA-Generalversammlung in Wien. (2. Dezember 2016)
Herbert Neubauer, Keystone
In der alljährlichen Liste der reichsten Briten, die von der «Sunday Times» erstellt wird, belegt Ecclestone regelmässig die vorderen Plätze.
In der alljährlichen Liste der reichsten Briten, die von der «Sunday Times» erstellt wird, belegt Ecclestone regelmässig die vorderen Plätze.
Tobias Hase, Keystone
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«Ich führe die Firma nicht mehr», zitierte die Website «auto-motor-und-sport.de» den Briten. Der 86-jährige Ecclestone führte die Formel 1 seit rund vier Jahrzehnten und machte die Serie als Alleinherrscher zu einem Milliarden-Geschäft. Eine offizielle Bestätigung der Absetzung des langjährigen Formel-1-Chefs durch die neuen Besitzer steht noch aus. Ecclestone selber wollte den Bericht der Website auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters nicht kommentieren.

Britische Medien hatten zuvor allerdings auch schon den (erzwungenen) Rücktritt von Ecclestone für diese Woche prophezeit. Neuer starker Mann ist nun offenbar der Amerikaner Chase Carey, ein ehemaliger TV-Direktor. Ecclestone, der Ende der Siebzigerjahre die TV- und Vermarktungsrechte der Formel 1 gekauft und damit für den Grundstein seines milliardenschweren Imperiums gesorgt hatte, ist nach eigenen Angaben nun «eine Art Ehrenpräsident. Ich führe diesen Titel ohne zu wissen, was er bedeutet».

Es hatte sich abgezeichnet und angedeutet. Das, was sich die Formel 1 trotz nicht weniger Skandale Ecclestones praktisch nie hatte vorstellen können. Gut zwei Monate vor dem Saisonauftakt am 26. März im australischen Melbourne gibt es eine Formel 1 ohne Bernie Ecclestone. Schon beim Kauf der ersten Anteile durch den neuen Besitzer sei er nicht gefragt worden, hatte Ecclestone vor Monaten beklagt. Jetzt hat Ecclestone offensichtlich gar nichts mehr zu melden.

«Meine Tage im Büro werden jetzt etwas ruhiger», sagte er «auto-motor-und-sport.de». «Vielleicht komme ich auch mal zu einem Grand Prix. Ich habe immer noch viele Freunde in der Formel 1. Und ich habe noch genug Geld, um mir den Besuch bei einem Rennen leisten zu können.»

In der vergangenen Woche hatten die Aktionäre von Liberty Media dem Kauf der Mehrheitsanteile an der Rennserie zugestimmt. Anschliessend erteilte auch der Weltverband FIA Grünes Licht für die Übernahme. Nur die EU-Wettbewerbshüter könnten das Geschäft noch stoppen.

Bernie herrschte und entschied alleine

Insgesamt soll Liberty Media für die Mehrheit an der Königsklasse des Motorsports 4,4 Milliarden Dollar zahlen. Zudem sollten Schulden von 4,1 Milliarden Dollar übernommen werden. Der Liberty-Anteil soll auf 35,3 Prozent wachsen, das Stimmrecht vollständig beim amerikanischen Konzern liegen. Bisheriger Hauptgesellschafter war seit 2005 das Finanzunternehmen CVC, das Ecclestone als Geschäftsführer eingesetzt hatte.

Ein konkretes Zukunftskonzept der neuen Formel-1-Lenker ist noch nicht bekannt. Auch die meisten anderen Vorstände im Formula One Management (FOM) sollen Medienberichten zufolge ihre Positionen verlieren. Für die Vermarktung ist der ehemalige Chef des US-Sportsenders ESPN, Sean Bratches, im Gespräch, für den Sport soll der einstige Ferrari- und Mercedes-Teamchef Ross Brawn künftig zuständig sein.

Ecclestone nahm zuletzt in erster Linie über die Vermarktung Gelder ein, hinzu kamen die Gebühren von den Rennstreckenbetreibern. Andere Bereiche wie soziale Medien oder den Verkauf von TV-Rechten hatte Ecclestone gar nicht oder nur unzureichend beachtet. Als «dysfunktional» soll der neue starke Mann Carey laut BBC das Modell bezeichnet haben. Auch Ecclestones Führungsstil erscheint anachronistisch. Der Brite herrschte und entschied allein, Demokratie war nicht sein Ding. Nun wurde er selbst offensichtlich ohne zu fragen abgesetzt.

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