«Es ist eine Hassliebe»

Marcel Maurer wurde am Gurnigel-Bergrennen Zweiter. Doch für den Längenbühler sind Resultate längst nicht das Wichtigste.

Rasant: Marcel Maurer am Gurnigel-Bergrennen.

Rasant: Marcel Maurer am Gurnigel-Bergrennen. Bild: Markus Grunder

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Als Marcel Maurer am Sonntag auf dem Gurnigel ins Ziel fährt, fehlen ihm 95 Hundertstel. Eine Kleinigkeit, die er irgendwo während der zwei Läufe auf der 3734 Meter langen Strecke auf seinen Konkurrenten Christian Balmer verloren hat und die ihm nun den Tagessieg in seiner Fahrzeugklasse der Single Seater bis 2000 ccm verwehrt, den er sich zum Ziel gesetzt hatte.

«Es ist eine Hassliebe zwischen mir und dem Gurnigel», sagt Maurer. Denn eigentlich mag der 29-Jährige das traditionsreiche Rennen, das in diesem Jahr zum 49. Mal ausgetragen worden ist. Doch gewinnen konnte es der Längenbühler bisher noch nie. 2013 wurde er schon einmal Zweiter, 2016 Vierter. Doch zweimal fiel er in den letzten vier Jahren auch wegen eines Motorschadens aus.

Maurer hat schon viel erlebt auf der Rennstrecke, und die Faszination für den Motorsport ist ihm in die Wiege gelegt worden. «Ich bin quasi auf der Rennstrecke aufgewachsen», sagt Maurer, der schon im Kindesalter mit seinem Vater mitging, sich bald einmal aber auch selber ans Steuer setzte. Zwischen 1998 und 2003 bestritt er insgesamt 53 Seifenkistenrennen, feierte 24 Siege und wurde sowohl viermal Berner als auch ebenso vielmal Schweizer Meister.

Das Idol

Doch kurz darauf erlitt Maurer einen Rückschlag, der ihn eine ganze Weile von der Rennstrecke fernhielt. Sein Vater, gleichzeitig sein grösstes Idol, erlag einem Krebsleiden. Erst gut sechs Jahre später setzte sich Maurer wieder in einen Rennwagen. Eine Zeit lang fuhr er gar mit dem Auto des Vaters weiter, seit vier Jahren ist er nun in einem Formel-Renault unterwegs.

Der gelernte Dachdecker investiert viel Zeit in sein Hobby, denn es geht schliesslich nicht nur ums Fahren, sondern das Auto muss zudem gepflegt und in Stand gehalten werden. Am Anfang habe er überhaupt nichts selber machen können und sei immer auf die Hilfe von Kollegen angewiesen gewesen, gesteht Maurer. Mittlerweile könne er ­einiges selber erledigen. Dennoch ist für Maurer klar: «Ohne ein gutes Team ginge es nicht.» Neben Kollegen unterstützen ihn seine Frau Marina und die neun Monate alte Tochter Alina.

Der Adrenalinschub

Dass das Team Maurer gut funktioniert, spiegelt sich in den Resultaten. In Massongex hat Maurer im Juli erstmals in einem Bergrennen den klassenübergreifenden Tagessieg gefeiert – neben dem dritten Gesamtrang in der Slalomwertung vor zwei Jahren der grösste Erfolg in seiner Laufbahn. «Ich bin sehr zufrieden mit dieser Saison», sagt Maurer, der natürlich sportliche Ambitionen hegt – den Gesamtsieg in der Slalommeisterschaft beispielsweise oder einen Podestplatz in der Gesamtwertung der Bergmeisterschaft –, der aber auch weiss, dass der Adrenalinschub des Rennens einen bisweilen ganz teuer zu stehen kommen kann.

Martin Wittwer, der im August letzten Jahres in Oberhallau tödlich verunglückt ist, war der Bruder seines besten Freundes. Es sei keine einfache Zeit gewesen, sagt Maurer. «Da rücken die Resultate schnell in den Hintergrund.» Umso glücklicher ist er, am Sonntag heil im Ziel angekommen zu sein – egal, ob als Erster oder als Zweiter seiner Klasse. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.09.2018, 06:41 Uhr

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