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Die Kurve kriegen

Dominique Aegerter steht am Wegweiser seiner Karriere. Der talentierte Fahrer mit dem Hang zum Luftikus will und muss sich in einigen Bereichen verändern.

Ein 4. Rang ist ein ehrenwertes Resultat. Dennoch verbucht Tom Lüthi die Reise an den GP von Aragon als «Rückschlag». Zwar sei das eine Topplatzierung, sagt Lüthi, «doch ich habe 12 Punkte verloren. Nur das zählt in dieser Phase.» 21 Zähler liegt Franco Morbidelli vor den vier letzten Rennen vor dem Emmentaler, der in den von ihm geschätzten Überseerennen in Japan, Australien und Malaysia Druck aufbauen will. «Das Ziel muss sein, dass es im letzten Rennen in Valencia noch um etwas geht», sagt Lüthi. «Dann wird auch Morbidelli mal nervös.»

Zu wenig Geld

Beide Titelkandidaten rücken 2018 in die Moto-GP hoch. Dominique Aegerter wird nächste Saison also einer der besten Fahrer im Moto-2 sein, der Schritt von der Mittelklasse in die Spitzengruppe darf von ihm erwartet werden. Und seit letzter Woche ist bekannt, dass Aegerter im Kiefer-Rennstall bleibt, auf einer Maschine des Schweizer Konstrukteurs Eskil Suter – und nicht zu einem Töffkonzern wechselt. «Kontinuität ist gut», sagt Aegerter, der aber nach dem enttäuschenden Platz 12 im GP von Aragon auch davon spricht, dass sich einiges ändern müsse. Daran ändert der Sieg Anfang Monat im Regenrennen von Misano wenig. WM-Platz 9 ist nicht sein Anspruch. «Ich muss in zu vielen Rennen hinterherfahren und kämpfen, um eine Top-10-Platzierung zu schaffen. Das ist frustrierend. Hier am GP von Aragon hatte ich deswegen wieder Rückenschmerzen.»

Aegerter ist kein Tüftler wie Lüthi. Er nennt die Dinge oft salopp beim Namen, beispielsweise, wenn er sagt: «Es wäre schön, wenn wir Fortschritte in Sachen Abstimmung und Entwicklung machen würden. Ich steige dann auf den Töff, fahre Runden und sage, wie es sich anfühlt.» Seine freche Schnauze hat Aegerter schon den einen oder anderen Rüffel von Arbeitgeber oder Sponsoren eingehandelt. Der Oberaargauer ist ein lockerer Kerl, aber er hat die Lektionen kapiert. Im Gespräch über seine Probleme sagt er immer wieder: «Aber schreibt, alles sei gut. Ich will keinen Ärger.»

Gleichwohl lässt sich zusammenfassen, was die Brennpunkte sind. Die fehlende Entwicklungskraft etwa und im direkten Zusammenhang auch die Wirtschaftlichkeit. Aegerter spricht von rund einer Million Franken, die es benötigt, um oben in der WM mitzufahren. Dazu fehlen ­einige Hunderttausend Franken. Was auch zur Folge hat, dass ­Aegerter von den 10 freien Testtagen 2017 nur vier nutzen konnte. «Diese Zeit fehlt uns, die Topfahrer waren mehr auf der Strecke.» Aber Aegerter ist Profi genug, um Fehler auch bei sich zu suchen. Seit Jahren ein Thema ist, wie es ihm gelingen könnte, den Fokus an den Rennwochenenden zu behalten. Aegerter ist einer, der sich leicht ablenken lässt, das Handy selten weglegt, den Tunnelblick nicht wie Lüthi aufsetzen kann.

Wieso nicht Rat von Lüthi?

Aegerter überlegt sich nun, seine vielen Freunde und Bekannten zu informieren, ihn von Donnerstag bis Sonntag einfach in Ruhe zu lassen. «Aber wie sage ich das, ohne unhöflich zu sein?», fragt der 26-Jährige. Er wird eine Lösung finden müssen, um die nächste Stufe in seiner Entwicklung zu vollziehen. Das Gleiche gilt für das Fitnesstraining, welches Aegerter optimieren will. Er möchte ganzheitlicher trainieren und zwei Kilo Muskelmasse abbauen. Aegerter sagt, viele Athleten im Schweizer Sport würden einen Personal Trainer zur Verfügung gestellt bekommen. «Ich muss das selber bezahlen, das kostet viel Geld.»

Und so hängt vieles zusammen in der Karriere von Aegerter, diesem sehr talentierten Fahrer mit dem Hang zum Luftikus. Es ist ein Teufelskreis, und noch ist es nicht zu spät, diesen zu durchbrechen. Vielleicht wäre es gar nicht schlecht, würden Aegerter und seine Entourage mal nachfragen, wie Tom Lüthi das alles so professionell organisiert. Zumal die beiden ab 2018 keine Konkurrenten mehr sein werden. Aegerter wird endlich die Schweizer Nummer 1 sein im Moto-2. Er sagt: «Wenn ich um Rang 10 herumfahre, wird die Aufmerksamkeit deshalb auch nicht grösser.»

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