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Coronavirus könnte die Formel 1 lahmlegen

Die Königsklasse testet in Spanien ihre neue Boliden – und weiss nicht, wann und wo die Saison startet.

Nicht nur Daniil Kwjat vom Team AlphaTauri schaut verunsichert in die Zukunft.
Nicht nur Daniil Kwjat vom Team AlphaTauri schaut verunsichert in die Zukunft.
Rudy Carezzevoli/Getty Images

Die Formel 1 hat einen neuen Running Gag. Nach den zwei Testwochen, in denen die Boliden der Königsklasse sechs statt wie bislang acht Tage über den Asphalt des Circuit de Barcelona-Catalunya rasten, wurde zum Abschied so gegrüsst: «Bis zum Saisonauftakt - in Zandvoort.» Ein witziger Spruch, dem allerdings mindestens ein Funke Ernst zugrundeliegt.

Der erste Grand Prix der Niederlande nach 35 Jahren ist auf den 3. Mai angesetzt. Es wäre eigentlich die fünfte Station im mit 22 Rennen dichtesten Kalender der 70-jährigen Geschichte. Er könnte sich bald lichten. Der Grand Prix an der Nordsee ist schon mal auf Platz 4 vorgerückt, weil das Rennen in China auf unbestimmte Zeit verschoben wurde – das Coronavirus macht auch vor der Glitzerwelt der Formel 1 nicht Halt.

Aus Melbourne heisst es vorerst, der Auftakt in zwei Wochen sei fest eingeplant. Es kann sich schnell ändern. Australien hat bereits schärfere Einreisebestimmungen angekündigt. Bahrain, Nummer 2 im Kalender, gibt Flugzeugen aus Dubai und Singapur keine Landeerlaubnis – die dortigen Flughäfen sind Dreh- und Angelpunkt der Reisen ins Königreich. Gerade für die Formel-1-Teams, die direkt aus Australien anreisen würden. Mitarbeiter italienischer Formel-2- und Formel-3-Teams, die diese Woche für Tests nach Bahrain flogen, wurden stundenlang am Flughafen festgesetzt und untersucht, ehe sie ins Land gelassen wurden.

Vor allem italienische Angestellte betroffen

Vietnam, dessen Formel-1-Premiere für Anfang April angedacht ist, will niemanden mehr aus einem Land einreisen lassen, in dem es einen Ausbruch gab. Fast das ganze Fahrerlager wäre betroffen. Derzeit vor allem italienische Angestellte etwa von Reifenhersteller Pirelli oder Bremsenexperte Brembo – und natürlich der Teams Ferrari und Alpha Tauri.

Formel-1-Chef Chase Carey sagte dem Wall Street Journal: «Wir planen, das Rennen durchzuführen, bis jetzt haben wir in allen Bereichen grünes Licht.» Er stehe allerdings in ständigem Austausch mit Gesundheitsexperten und Grand-Prix-Organisatoren, sagte der 66-jährige US-Amerikaner. «Länder wie Italien standen vor wenigen Tagen noch nicht im Fokus, es ist also ein fliessender Prozess.» Ferrari hat seine Museen in Maranello und Modena schon einmal geschlossen; Alpha Tauri, ehemals Toro Rosso, lässt gemäss Teamchef Franz Tost keine Angestellten aus den so genannt «roten Zonen» Italiens mehr in sein Werk nach Faenza, 250 km südöstlich von Mailand gelegen. Zudem sagte Tost Gästen aus der Lombardei und Venetien wieder ab, die geplant hatten, an die Testtage nach Montmeló zu reisen.

Bei Krisentreffen am Donnerstag und Freitag besprachen und besprechen Teammanager und Formel-1-Besitzer das weitere Vorgehen, insbesondere, was die komplizierte Logistik betrifft. Tost sagt: «Wir müssen alle Flüge umbuchen, weil wir nicht mehr über Singapur oder Hongkong fliegen dürfen. Das verursacht viel Arbeit.» Ja, was lässt sich bei derart grosser Ungewissheit überhaupt noch planen?

«Bis zum Saisonstart in Zandvoort» – aus einem flapsigen Spruch könnte für die Formel 1 bitterer Ernst werden.

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