Aegerter: «Auf mir lastet mehr Druck»

Dominique ­Aegerter hat am Sonntag in Misano (ITA) überraschend seinen zweiten Sieg in seiner Karriere gefeiert. In dieser ­Woche sollte sich seine Zukunft klären.

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Wie überraschend kam der ­Erfolg in Misano?
Dominique Aegerter: Die Tests vor der Saison waren vielversprechend gewesen, ich peilte Top-5-Ränge an. Als die Saison jedoch anfing, zeigte sich, dass wir ­(Aegerters Kiefer-Team auf Suter-Maschinen) weiter weg von der Spitze sind als erwartet. Im Sommer hatte ich mit einem Sieg nicht gerechnet.

Waren die regnerischen Verhältnisse ein grosser Vorteil für Sie? Sie gelten als Fahrer, der gerne Risiko auf sich nimmt.
Im Regen spielt die Technik weniger eine Rolle als bei trockenen Verhältnissen. Zu 80 bis 90 Prozent entscheidet bei Nässe die Leistung des Fahrers über Erfolg oder Misserfolg. Und ich hatte nichts zu verlieren. Zu viel Risiko darf man aber auch nicht nehmen, schon kleine Fehler führen zum Ausfall. Man muss die Bremspunkte richtig treffen, dies gelang mir.

Zuerst hielt sich die Freude jedoch in Grenzen, als sie aus dem Fenster blickten und sahen, dass es nass sein würde.
Das Motorrad war im Training bei sonnigen Verhältnissen gut gelaufen. Regen hatte ich mir nicht gewünscht. Dann verlief das Warm-up zufriedenstellend, und ich erachtete ein gutes Resultat für möglich. An einen Sieg dachte ich da aber noch nicht.

Sie fuhren gegen Tom Lüthi um den Sieg. Wie speziell war das für Sie?
Sehr speziell. Man hatte eine Ewigkeit darauf gewartet, dass es zwei Schweizer gemeinsam aufs Podest schaffen.

Gab es eine gemeinsame ­Siegesfeier?
Nur kurz an der Strecke. Tom ist schon am Nachmittag nach Hause gefahren, während ich noch in Italien blieb. Es waren zahlreiche Fans vor Ort, mit ihnen und dem Team habe ich dann gefeiert.

Sie befinden sich kurz davor, ­Ihre Zukunft zu klären. Können Sie aus dem Erfolg Profit bei den Vertragsverhandlungen ziehen?
Ich hoffe schon, dass der eine oder andere zusätzliche Batzen noch drinliegt.

Wie ist konkret der Stand ­bezüglich der nächsten Saison?
Ich habe mehrere Optionen, wobei zwei davon im Vordergrund stehen: Ein Verbleib bei Kiefer Racing mit Suter-Maschinen oder eine Rückkehr zum Car-Xpert-Team, das KTM-Maschinen einsetzen will.

Was spricht für oder gegen einen Verbleib im jetzigen Team?
Ich fühle mich im Team sehr wohl, bei Suter erhalte ich als Schweizer guten Support. Bei Kiefer ist jedoch unsicher, wie gross das Budget sein wird, wie viele Mittel für Tests und die Entwicklung des Motorrads zur Verfügung stehen.

Bei Ihrer ehemaligen Equipe wurden Sie in der letzten Saison nicht gerade gut behandelt und vor Saisonende entlassen. Warum prüfen Sie dennoch, wieder für dieses Team zu fahren?
Es war nicht schön, was im letzten Jahr passiert ist. Am Ende entscheidet jedoch das Sportliche. Wenn ich wüsste, dass die KTM-Maschinen extrem schnell sein würden, wäre ein Wechsel ganz klar ein Thema. Das weiss man aber nicht.

Bis wann sollte klar sein, wo Sie in der nächsten Saison fahren werden?
Ich denke, dass bis Ende Woche die Sache finalisiert sein sollte.

Tom Lüthi fährt in Zukunft in der Moto-GP-Kategorie. Was bedeutet das für Sie?
Ich freue mich sehr, dass er diese Möglichkeit erhält. Für mich heisst es, dass auf mir mehr Druck lastet, wenn Tom nicht in der gleichen Kategorie fährt. Bei einem Moto-2-Rennen wird die Aufmerksamkeit der Schweizer Medien auf mich gerichtet sein. Ich muss etwas zeigen.

Noch fünf Rennen stehen in der laufenden Saison auf dem Programm. Welche Ziele verfolgen Sie noch in diesem Jahr?
Ich will weitere Top-5-Ergebnisse erzielen. Gelingt das, bin ich mit dem Saisonabschluss zu­frieden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.09.2017, 21:55 Uhr

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