Zwei Berner glänzen im Regen

Dominique Aegerter aus Rohrbach realisiert in Misano den zweiten GP-Sieg in seiner Karriere. Tom Lüthi aus Linden belegt Platz 2. Nie zuvor haben zwei Schweizer in einem Einzel-WM-Rennen die Ränge 1 und 2 erreicht.

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Dominique Aegerter sollte sich erneut täuschen. Wie schon vor zwei Wochen in Silverstone, als er trotz zweier starker Trainings­tage im Moto-2-Rennen lediglich Zehnter geworden war. Eine grosse Enttäuschung sei das gewesen, befand der 26-jährige Berner, welcher sich gute Chancen auf eine Top-5-Klassierung, wenn nicht sogar auf einen Podestplatz ausgerechnet hatte.

Es folgte Misano und damit die nächste Chance, das Podest nach mehr als zwei Jahren Absenz wieder einmal zu besteigen. Auch das Rennwochenende für den Grand Prix von San Marino lief gut an. In allen Trainings und auch im Qualifying, in welchem er sich Startposition 3 sicherte, hielt ­Aegerter mit der Spitze mit. Dann aber erfolgte am Sonntagmorgen der Wetterumschwung. «Als es zu regnen begann, bekam ich ein schlechtes Gefühl», gab Aegerter im Nachhinein zu.

Für Kiefer auf Suter

Der Oberaargauer schaffte es in den paar Stunden, die ihm bis zum Rennen blieben, alle negativen Gedanken beiseitezuschieben. Nach einwandfreiem Start vermochte er WM-Leader Franco Morbidelli nicht zu folgen. Aber der siebenfache Saisonsieger fuhr über dem Limit; in der vierten Runde war der Heim-GP für ihn beendet. Aegerter, zuvor drei Sekunden zurück, erbte die Führung. Ab diesem Zeitpunkt gab es für ihn keinen Blick mehr zurück. «Ich merkte zwar, dass Tom (Lüthi; die Red.) aufschliessen konnte.» Auch habe es zwei, drei Rutscher gegeben, hielt der Oberaargauer fest. «Doch in den letzten zwei Runden konnte ich die Pace nochmals erhöhen.»

Verdienter Lohn nach nahezu fehlerfreier Fahrt: nicht nur das beste Saisonresultat (zuvor Fünfter in Austin), sondern sogar der zweite GP-Sieg in seiner Karriere. Wie im Juli 2014 auf dem Sachsenring war Aegerter auch in Italien auf einem Suter-Motorrad unterwegs. In den zwei Saisons dazwischen fuhr Aegerter wie Lüthi auf einer Kalex-Maschine, dem seit Jahren dominierenden Produkt aus Deutschland.

Im Gegensatz zum ehemaligen Teamkollegen kam Aegerter mit diesem Motorrad nie zurecht. Er zog daher im Herbst den Schlussstrich, wechselte im Streit den Rennstall. Der Rohrbacher fand beim Kiefer-Team Unterschlupf. In den nächsten Tagen wird sich entscheiden, ob er auch 2018 für die Deutschen fahren wird. Der Vertrag liegt bei Aegerter, der aber auch den Wechsel zurück zum alten Team prüft. Dieses wird im nächsten Jahr mit KTM-Motorrädern antreten.

Beifall für den Landsmann: Lüthi würdigt die Leistung Aegerters. Bild: Keystone

Tom Lüthi, welcher den Grossteil des Rennens hinter Aegerter verbrachte, dachte mit zunehmender Dauer an die Situation in der Moto-2-WM. «Das war ein grosser Tag für die Meisterschaft», liess er verlauten. Er habe mitbekommen, dass Morbidelli gestürzt sei. «Danach war es wichtig, die Ruhe zu bewahren und cool zu bleiben.»

Die 20 Punkte für den zweiten Platz brachten Lüthi bei fünf ausstehenden Rennen bis auf 9 Punkte (214:223) an den WM-Leader heran. Damit ist im Titelkampf gegen seinen nächstjährigen Moto-GP-Teamkollegen Morbidelli weiterhin alles möglich. «Das habe ich aber auch schon bei 29 Punkten Rückstand gesagt», hielt Lüthi schmunzelnd fest. Der 10. September 2017 geht in die helvetische Motorradgeschichte ein.

In der seit 1949 ausgetragenen Strassen-WM hatte es zuvor in einer Solokategorie (ohne Seitenwagen) nie einen Schweizer Doppelsieg gegeben. Vor 34 Jahren kam es letztmals vor, dass zwei Schweizer nach einem Rennen gemeinsam auf dem Podest standen. Am 31. Juli 1983 in Silverstone mussten sich Bruno Kneubühler und Hans Müller in der 125er-Klasse einzig dem unlängst verstorbenen Spanier Angel Nieto geschlagen ­geben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.09.2017, 20:34 Uhr

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