Zwei Berner auf der letzten Runde

Motorrad

Am Sonntag duellieren sich Tom Lüthi und Dominique Aegerter zum letzten Mal als Töffpiloten zweier gegnerischer Teams. Ab Montag schon machen sie gemeinsame Sache. Eine neue Ära beginnt.

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Tom Lüthi oder Dominique Aegerter – am Sonntag fällt in Valencia die Entscheidung, wer der schnellste Berner ist. Lüthi, der 28 Jahre alte Oberdiessbacher, startet im Schweizer Duell auf dem Circuit Ricardo Tormo gewissermassen aus der Pole-Position, steigt er doch mit einem Vorsprung von 7 WM-Punkten ins letzte Moto-2-Rennen der Saison.

Herausforderer Aegerter, 24 Jahre alt und wohnhaft in Rohrbach, macht vor dem Showdown am Sonntag eine erstaunliche Aussage: «Wenn ich jetzt unterschreiben könnte, dass ich gewinne und Lüthi Zweiter wird, würde ich das sofort machen. Ein GP-Sieg bedeutet mir mehr, als Lüthi im WM-Klassement den 4. Platz wegzuschnappen.» Fast im gleichen Atemzug sagt der Gewinner des GP von Deutschland auf dem Sachsenring gleichwohl: «Ich möchte den Schweizer Fight ganz klar gewinnen.»

Lüthi, Sieger des GP von Japan in Motegi, beantwortet die Frage, ob es ihn wurmen würde, wenn ihn Aegerter in der prestigeträchtigen Wertung quasi auf der Ziellinie überholte, diplomatisch: «Für mich ist Aegerter ein Gegner wie jeder andere. Auf der Strecke will ich jeden schlagen. Es ist sicher mein Ziel, den 4. Platz im WM-Klassement zu verteidigen.»

Eine neue Ära beginnt

Am Sonntag werden die Berner Töffpiloten auf ihren Suter-Maschinen also heftig gegeneinander kämpfen, aber schon einen Tag später machen sie gemeinsame Sache. «Wir verreisen am Montagabend nach Jerez, wo das Rollout des neuen Kalex-Motorrads stattfindet. Aegerter und ich werden vom Mittwoch bis am Freitag erste Testfahrten bestreiten. Nach erfolgreichen Jahren bei Suter freue ich mich nun auf die neue Ära», betont Lüthi.

Der 125er-Weltmeister von 2005 und Aegerter rücken in der nächsten Saison näher zusammen. Sie fahren für Partnerteams, die im technischen Bereich kooperieren. Der Wechsel vom Zürcher Konstrukteur Suter zum deutschen Hersteller Kalex könnte den beiden Bernern neue Perspektiven eröffnen. «Ich erhoffe mir von Kalex mehr Konstanz über die ganze Saison», sagt Lüthi. Und Aegerter meint: «Auf einer Kalex-Maschine erhalte ich die Möglichkeit, meine Leistung weiter zu steigern. Ich vermute, dass 2015 bis zu 25 Fahrer auf diesem Produkt unterwegs sein werden.»

Kalex ist heuer der überlegene Hersteller in der Moto-2-Klasse und führt mit Weltmeister Esteve Rabat (Sp), Mika Kallio (Fi) und Maverick Vinales (Sp) die Gesamtwertung unangefochten an. Kalex triumphierte heuer in 14 von 17 Rennen. Fred Corminboeuf, der bisher als Teamchef von Aegerters Rennstall Technomag-Carxpert fungierte, wird das Schweizer Duo unter einem gemeinsamen Dach führen. Sowohl Aegerter als auch Lüthi arbeiten aber weiterhin mit der eigenen Crew zusammen. Das bedeutet: Sie behalten ihre Chefmechaniker, ihre Boxencrew, die eigene Box und die bisherigen Hauptsponsoren.

Lüthis Vergleich mit Hirscher

Noch kann Lüthi nicht richtig abschätzen, was die neue Kooperation bringen wird. «Es muss sich erst einspielen», sagt Lüthi. Um anzufügen: «Während meiner ganzen Karriere hatte ich nie einen Teamkollegen gehabt, der mein Niveau erreichte. Ich habe immer eigenständig gearbeitet.» Es sei aber denkbar, sinniert der Schweizer Sportler des Jahres 2005, dass die Reifenwahl zu einem Meinungsaustausch führen könnte. «Zwischen den Cheftechnikern», präzisiert Lüthi. «Aegerter und ich sind ja durch eine Boxenwand voneinander getrennt.»

Die Informationswege zum perfekten Set-up würden sicher kürzer, ist Lüthi überzeugt. Wird es Geheimnisse geben zwischen ihm und Aegerter, oder werden die wichtigsten Parameter bei der Fahrwerkseinstellung ausgetauscht? «Die Daten werden offengelegt, das ist alles transparent», sagt Lüthi. Das müsse nicht zwingend ein Vorteil sein. «Aegerter und ich haben ganz unterschiedliche Fahrstile. Ein Skirennfahrer kann auch nicht einfach die gleichen Schrauben nehmen wie Marcel Hirscher und meinen, dass er nun automatisch gewinnt.»

Sturz und Podest in Valencia

Die Rückkehr nach Valencia verbinden die Berner Töffpiloten mit gegensätzlichen Erinnerungen. «Nach Valencia komme ich gerne. 2011 schaffte ich hier den ersten Podestplatz in meiner Karriere. Ich wurde Dritter», sagt Aegerter vor seinem 138.Grand-Prix-Rennen (1 Sieg, 6 Podeste). Tom Lüthi machte am Mittelmeer im Februar 2013 schmerzhafte Erfahrungen: «Der Sturz während der Testtage war der schlimmste meiner Karriere.» Lüthi zog sich damals Brüche am Arm, Ellenbogen und Schulter zu. Dennoch hat er mit dem Circuit Ricardo Tormo Frieden geschlossen.

Vor seinem 198. Grand Prix (8 Siege, 36 Podest) sagt Lüthi: «Die Stimmung in Valencia ist grossartig. Nach der Zielgeraden nimmt man die Begeisterung des Publikums wahr. Es hat immer viele Zuschauer hier – viele von ihnen reisen vom Norden her an, um vor dem Winter noch einmal Sonne zu tanken.» Am Freitag war es in Valencia 23 Grad warm.

Berner Zeitung

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