Tom Lüthi fährt unter Flutlicht aufs Podest

Der Moto-2-Pilot Tom Lüthi ist im Nachtrennen auf dem Wüstenkurs in Katar so in die WM-Saison gestartet wie an gleicher Stätte ein Jahr zuvor: Der Oberdiessbacher wurde Dritter.

Kämpfte sich nach einem missratenen Start bis auf Rang 3 vor: Tom Lüthi.

Kämpfte sich nach einem missratenen Start bis auf Rang 3 vor: Tom Lüthi.

(Bild: Keystone)

Tom Lüthi mag den Lebensrhythmus in der Wüste von Katar ganz offensichtlich – bis am Mittag schlafen und am Abend hellwach sein. Der Berner Moto-2-Pilot feierte im Nacht-Grand-Prix von Doha einen ausgezeichneten Start in die WM-Saison. Der 28 Jahre alte Oberdiessbacher profitierte bei seiner Fahrt auf Platz drei erst von den Ausfällen der Topfavoriten Esteve Rabat (Sp) und Sam Lowes (Gb). Der Weltmeister und der Trainingsschnellste hatten sich mit Stürzen frühzeitig abgemeldet.

Drei Runden vor Schluss musste der Führende Johann Zarco (Fr) einen Getriebeschaden hinnehmen, der Franzose wurde auf Platz acht durchgereicht. So konnte Lüthi auf dem Losail-Kurs einen bemerkenswerten Steigerungslauf vollbringen. Gewonnen hat das Rennen der Deutsche Jonas Folger vor dem Belgier Xavier Simeon.

Rins klopft bei Lüthi an

Kontinuierlich arbeitete sich Lüthi nach vorne. Bei Halbzeit des einzigen WM-Rennens, das in diesem Jahr unter Flutlicht ausgetragen wird, befand sich der Schweizer Kalex-Pilot auf dem sechsten Platz.

Auf der letzten Runde erlitt der 9-fache GP-Sieger einen Schreckmoment: «Plötzlich klopfte Alex Rins an meiner Maschine an. Er berührte den Hinterreifen», sagte der Emmentaler. Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass Rins aufgeschlossen habe, meinte Lüthi. Um anzufügen: «Auf der Zielgeraden gab es für mich dann nur noch eine Devise: Kopf unten lassen und kämpfen bis zum Schluss.»

Sturz im Warm-up

Tom Lüthi erlitt an diesem 22 Grad warmen Abend einen Kaltstart. «Ich beging in der ersten Kurve einen Riesenfehler», sagte Lüthi nach seinem 199.GP-Rennen. Er konnte nicht rechtzeitig bremsen und kam von der Ideallinie ab. Die Konsequenz: Der Siebte des Qualifyings musste sich auf Position 14 einreihen. Es sei schwierig gewesen, die vor ihm liegenden Fahrer zu überholen, meinte der 125er-Weltmeister von 2005. Auch, weil ihm noch das Gefühl für das Vorderrad fehle.

Lüthi wollte nicht darüber spekulieren, ob er mit einem besseren Start das Rennen sogar hätte gewinnen können. «Wir haben heute wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Es ist motivierend, mit einem Podestplatz in die Saison zu starten – und ein schöner Lohn für das Team», erzählte der Berner. Es war sein insgesamt 38.Podestplatz.

Im Warm-up war Lüthi gestürzt. «So ein Ausrutscher kann passieren, wenn man das Limit sucht.» Es zeugt von Selbstvertrauen, dass Lüthi den Sturz anscheinend locker wegsteckte. «Ich weiss, was ich kann. An meinen fahrerischen Qualitäten zweifle ich nicht», sagte Lüthi. Er dankte auch seinem Team Derendinger-Interwetten. «Es geht vorwärts. Wir haben an diesem Wochenende brutal aufgeholt und arbeiten immer besser miteinander. Da wächst etwas zusammen.»

Mehr Freude als ein Jahr zuvor

Lüthi reist nun mit einem Vorsprung von 16 Punkten auf Weltmeister Rabat nach Europa zurück. «Die Topfavoriten haben gepatzt, das bin ich mir bewusst. Die Saison ist noch lang. Aber immerhin: Ich habe 16 Punkte auf meinem Konto stehen, Rabat noch keine», meinte Lüthi. Er freue sich nun, die Maschine besser kennen zu lernen.

Die Vorbereitung auf die WM-Saison verlief für die Schweizer Equipe wegen schlechter Witterung bekanntermassen miserabel. Zwischen 2000 und 3000 Trainingskilometer fehlen Lüthi, Dominique Aegerter und Robin Mulhauser. «Wir haben in Doha viel gelernt», sagte Lüthi. Über seinen gestrigen dritten Platz freute sich der Schweizer Sportler des Jahres 2005 mehr als über die gleiche Klassierung ein Jahr zuvor.

Bei der WM-Ouvertüre 2014 hatte Lüthi ebenfalls den Sprung aufs Podest geschafft – er hatte den dritten Platz jedoch von Takaaki Nakagami geerbt. Der Japaner war von den Kommissären nachträglich wegen eines unerlaubten Luftfilters disqualifiziert worden.

Gelohnt hat sich der Abstecher an den Wüstenrand auch für die 10820 Zuschauer. Das packende Moto-GP-Rennen war allein das Eintrittsgeld von 55 Franken wert. Der 9-fache Weltmeister Valentino Rossi feierte seinen 109. GP-Sieg.

Berner Zeitung

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