Lüthi und Aegerter vereint und guten Mutes

Tom Lüthi, Dominique Aegerter und Robin Mulhauser enthüllen an der Swiss-Moto in Zürich-Oerlikon ihre neuen Maschinen. Auf der Strecke Gegner, haben die drei Piloten im Fahrerlager Spass.

Tom Lüthi und Dominique Aegerter (rechts) scheinen mit den neuen Kalex-Maschinen zufrieden zu sein.

Tom Lüthi und Dominique Aegerter (rechts) scheinen mit den neuen Kalex-Maschinen zufrieden zu sein.

(Bild: Keystone)

An der Swiss-Moto herrscht ein Riesengedränge. Töfffans wälzen sich mit strahlenden Augen durch das Messegelände in Zürich-Oerlikon. Der grösste Schweizer Treffpunkt der Motorradbranche stellt sozusagen die gemeinsame Aufwärmrunde für die bevorstehende Saison dar. 213 Stände gibt es an der Ausstellung zu bestaunen, Feuershows und auf Hochglanz polierte Motorräder, so weit das Auge reicht. Vor drei verhüllten Boliden verharren die Besucher. Nur ein Schweizer Kreuz ist auf den weissen Tüchern zu sehen. Dann betreten Tom Lüthi, Dominique Aegerter und Robin Mulhauser die Bühne. Nach einer kurzen Präsentation enthüllen die drei GP-Piloten ihre neuen Kalex-Maschinen.

Die Besucher sehen eine Premiere: Die zwei Teams Derendinger-Interwetten (Lüthi) und Technomag-Interwetten (Aegerter/Mulhauser) bilden den stärksten GP-Rennstall in der Geschichte des Schweizer Motorradrennsports. Lüthi, Aegerter und Mulhauser werden in der am 29.März in Katar beginnenden Moto-2-Weltmeisterschaft unter gemeinsamem Dach starten – aber in unterschiedlichen Farben auftreten. Das Blitzlichtgewitter der Fotografen verfolgen Olivier Métraux und Fred Corminboeuf mit sichtlichem Stolz. Métraux ist Kampfjetpilot, Präsident der Swiss Automotive Group und gleichzeitig der grösste Geldgeber des Projekts; Corminboeuf ist Besitzer der beiden Teamstrukturen, er wird als Chef auf dem Rennplatz fungieren. «Ich würde nicht sagen, dass ein Traum in Erfüllung gegangen ist, aber es ist eine Genugtuung, drei Schweizer Topfahrer zu unterstützen», sagt Métraux. Um anzufügen: «Wir haben uns einen Namen geschaffen im Fahrerlager.» Der Waadtländer Industrielle verzichtet auf eine Zielformulierung: «Ich handhabe das seit über zehn Jahren so. Die Ziele setzen sich die Fahrer mit ihren Teams selber.» Métraux kennt das Bestreben seiner Spitzenpiloten Lüthi und Aegerter: In jedem der achtzehn GP-Rennen um das Podest kämpfen. Mulhauser wird sich bemühen, in die Punkteränge (Top 15) zu fahren. Der 23 Jahre alte Freiburger nimmt sein zweites GP-Jahr in Angriff.

Die Einbindung von Tom Lüthi in die neue Strukturhabe gut geklappt, versichert Rennstallchef Corminboeuf. Die Stimmung im Team sei ausgezeichnet, auch der Humor komme nicht zu kurz. «Tom und Dominique tauschen Informationen aus und necken sich immer wieder gegenseitig. Robin fühlt sich sehr wohl zwischen diesen beiden Nummern 1», sagt der 44 Jahre alte Freiburger. «Wir haben viel Spass zusammen», bestätigt Tom Lüthi, der gerade von Testfahrten in Jerez (Sp) zurückgekehrt ist. Der Datenaustausch zwischen den Chefmechanikern funktioniere gut, die Arbeit hinter den Kulissen sei sehr spannend, meint der 28 Jahre alte Oberdiessbacher. Auch wenn die Daten nun offengelegt würden, «ich kann nicht das Set-up von Domi übernehmen und dann meinen, ich sei so schnell wie er». Bei der Reifenwahl hingegen würden beide Piloten voneinander profitieren, sagt der 125er-Weltmeister von 2005. Er gewöhne sich allmählich an die neue, 138 PS starke Kalex-Maschine. Wegen des schlechten Wetters mit Schnee und Regen fehlten aber noch zahlreiche Trainingskilometer. Bis zum ersten Rennen dauere es aber noch einen Monat, es gebe keinen Grund, beunruhigt zu sein, erzählt Lüthi. Bei den Tests in Valencia vor zwei Wochen war er Vierter geworden, in Jerez belegte er den zehnten Platz. «An jedem Testtag haben wir neue Lösungen gefunden und uns gesteigert. Das ist positiv.»

Dominique Aegerter lobt die Zusammenarbeit mit Lüthi: «Wir pushen uns gegenseitig. Dank des Datenaustausches mit Tom kann ich mich doppelt so schnell weiterbewegen als in der vergangenen Saison. Das ist perfekt.» Auch wenn er gegenwärtig 1,2 Sekunden auf den Schnellsten verliere und er eine halbe Sekunde langsamer sei als 2014 auf der Suter-Maschine, sei er nicht nervös, sagt der 24-Jährige aus Rohrbach. Noch nie in seiner ganzen Karriere habe er in drei Tagen so viele Dinge ausprobieren können, stellt Aegerter fest. «Das zeigt auf, wie effizient unsere Arbeitsweise im Moment ist.»

In den Bann zieht die Besucher auch das schnellste Motorrad der Welt. «Formula Top 1» heisst der amerikanische Streamliner. Das raketenartig gebaute, 1000 PS starke Gefährt feiert an der Swiss-Moto in Oerlikon Europa-Premiere. Bei seinem Geschwindigkeitsrekord ist der US-Pilot Rocky Robinson mit 605,7 Stundenkilometern doppelt so schnell wie die Berner Töffstars durch die Gegend gerast – nicht auf der Rennstrecke, sondern in der Salzwüste Utahs. Tom Lüthi, Dominique Aegerter und Robin Mulhauser können also aufatmen.

Berner Zeitung

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