Geld am Steuer

Formel 1 Sauber fährt 2015 wohl nicht mit Fahrern, die am ehesten Erfolg versprechen, sondern am meisten Mitgift.

Hat angeblich zu wenig Geld gebracht: Esteban Gutiérrez' Zeit bei Sauber ist offenbar zu Ende. Foto: Reuters

Hat angeblich zu wenig Geld gebracht: Esteban Gutiérrez' Zeit bei Sauber ist offenbar zu Ende. Foto: Reuters

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Es gab sie schon immer in der Formel 1, die Paydriver. Fahrer, die für ihr Cockpit bezahlen. Gerade die Sportchefs der mächtigen Rennställe werden nicht müde, das zu wiederholen. Es fallen dann Namen wie Niki Lauda, Juan Manuel Fangio, Michael Schumacher, Fernando Alonso oder Damon Hill.

Sie alle haben zu Beginn ihrer Karriere Geld in die Hand genommen, um im Zirkus der Grossen mittun zu können. Mit diesen Beispielen wird versucht, eine Diskussion im Keim zu ersticken, die bitter nötig wäre.

Die Summen werden immer grösser

Denn längst ist es nicht mehr nur ein angenehmer Nebeneffekt für die Teams, wenn ein Fahrer Geld mitbringt – Jordan erhielt von Schumacher für dessen ersten Einsatz 1991 rund 70'000 Franken. Es ist zum überlebenswichtigen Geschäft für viele geworden. Nur Red Bull, Ferrari, Mercedes und McLaren können es sich noch leisten, auf solches Geld zu verzichten.

Und die Summen werden immer grösser. So soll Sergio Pérez für die zwei Jahre bei Sauber (2011 und 2012) rund 40 Millionen Franken bezahlt haben. Ermöglicht hat das Carlos Slim, ebenfalls Mexikaner und reichster Mann der Welt (Vermögen: 70 Milliarden Franken). Dieser wirbt seither mit seinen Unternehmen Telmex und Claro auf den Sauber-Boliden. Als Pérez 2013 zu McLaren wechselte, wurde bei den Schweizern mit Esteban Gutiérrez der nächste Mexikaner installiert. Nun soll dessen Zeit bei Sauber enden.

Plus Zwei Piloten, plus 40 Millionen Franken

Insidern zufolge hat er dem Team in dieser Saison finanziell weit weniger gebracht als erhofft – unter 10 Millionen Franken. Er verliert damit deutlich an Attraktivität, zumal er nicht zu den grössten Talenten seines Sports zählt. Gutiérrez muss wohl Marcus Ericsson weichen, dessen Verpflichtung Sauber am Samstag bekannt gab. Einem 24-jährigen Schweden, der die letzten vier Jahre in der GP2 verbrachte, der Nachwuchsserie der Formel 1, und als bestes Endergebnis den 6. Rang vom Vorjahr vorweisen kann. In seiner Debütsaison für Caterham kam er im Mai in Monaco als Elfter den Punkten immerhin nahe. Ohne seine rund 20 Millionen Franken wäre er aber kaum eine Option für die Hinwiler gewesen.

So aber ist er das. Und ist das auch der Holländer Giedo van der Garde, der vom Test- zum Stammfahrer werden könnte. Er soll ebenfalls rund 20 Millionen zum Überleben des Rennstalls beitragen. 40 Millionen Franken würde Sauber also nur dank der Verpflichtung zweier Piloten einnehmen – die Beiträge allfälliger Testfahrer noch nicht eingerechnet. Mehr, als es für Rang 10 in der Konstrukteurs-WM gibt.

Unverdiente Königspiloten

So würden die 100 Millionen, die es laut Sauber-Chefin Monisha Kaltenborn braucht, um wieder konkurrenzfähig zu sein, schnell erreicht werden. Ein Adrian Sutil, der seine bescheidene Mitgift mit seinem Lohn gleich wieder aufbraucht, hat in einer solchen Rechnung keinen Platz.

Die fehlende Budgetbeschränkung und die steigenden Ausgaben – unter anderem auch wegen des teuren Antriebsstrangs – machen die kleinen Teams abhängig von Bezahlfahrern. So kommen auch Piloten zum Zug, die in der sogenannten Königsklasse des Motorsports nichts verloren haben. Nicht umsonst wetterte Kimi Räikkönen schon 2013: «Ich kann es noch immer nicht fassen, was für Leute in der Formel 1 mitfahren.» Von diesen gibt es unter den aktuellen Rahmenbedingungen sicher nicht weniger. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.11.2014, 23:35 Uhr

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