Fragezeichen um das zweite Cockpit

Kimi Räikkönen bleibt bei Alfa Romeo – doch wer sitzt 2020 im anderen Hinwiler Boliden?

Kimi Räikkönen bleibt, über den zweiten Platz bei Alfa Romeo entscheidet man nicht in Hinwil, sondern in Maranello bei Ferrari.

Kimi Räikkönen bleibt, über den zweiten Platz bei Alfa Romeo entscheidet man nicht in Hinwil, sondern in Maranello bei Ferrari.

(Bild: Keystone)

Die nackten Zahlen sprechen nicht für ihn. Nur gerade vier WM-Punkte holte Antonio Giovinazzi in den bisher 14 Saisonrennen für Alfa Romeo. Kein Vergleich mit den 34 Punkten seines Teamkollegen Kimi Räikkönen. Und schon gar kein Vergleich mit Charles Leclerc, seinem Vorgänger im Hinwiler Team. Dieser wirkte wie ein Wunderkind und ist nun drauf und dran, bei Ferrari Sebastian Vettel den Rang abzulaufen. Giovinazzi hingegen hat noch nicht einmal eine Garantie, dass er in der nächsten Saison noch ein Formel-1-Pilot ist.

3 von 20 Cockpits sind für die nächste Saison offiziell noch nicht vergeben. Eines davon ist jenes, in dem der Italiener derzeit sitzt. Abgeschrieben schien der 25-Jährige in dieser Saison schon mehrfach. Zu wenig konstant fuhr er in den Rennen, zu viele Fehler unterliefen ihm. Das kostete das Team bisweilen WM-Punkte. In Belgien drehte er sich an neunter Stelle liegend in der zweitletzten Runde von der Strecke – ohne jeden Druck der Konkurrenz.

Giovinazzis Fürsprecher

Und doch ist es sehr wahrscheinlich, dass Giovinazzi im nächsten Jahr den zweiten Hinwiler Boliden fahren wird neben Kimi Räikkönen, der über einen weiterlaufenden Vertrag verfügt. Alfa-Teamchef Frédéric Vasseur sagte gestern in Suzuka: «Wir werden uns ziemlich bald entscheiden.» Doch dann spielte der Franzose nicht das übliche Versteckspiel, sondern klang, als sei er Giovinazzis Fürsprecher: Dieser mache einen guten Job, er steigere sich ständig, er sei in den letzten Qualifyings gleich schnell gewesen wie Räikkönen. «Ich bin sehr zuversichtlich für Antonio.» Das klingt bereits nach Vertragsverlängerung.

Doch solange diese nicht offiziell ist, brodelt die Gerüchteküche weiter. Sie bot in den letzten Wochen verschiedene Szenarien. Eine Rückkehr von Nico Hülkenberg etwa, der 2013 für Sauber gefahren war. Oder eine Rückkehr von Marcus Ericsson, wegen seiner Verbindung zu den schwedischen Besitzern des Schweizer Teams. Ericsson hat sich unterdessen aber für eine zweite Indycar-Saison verpflichtet, und Hülkenberg gibt zwar an, mit Vasseur gesprochen zu haben – aber wohl nicht in Form von Vertragsverhandlungen.

Denn der Entscheid über das Cockpit von Giovinazzi fällt nicht in Hinwil, sondern in Maranello bei Ferrari. Die Italiener dürften kein Interesse daran haben, ihren Nachwuchspiloten durch einen 32-Jährigen Deutschen zu ersetzen. Viel eher käme da ein 20-jähriger Deutscher aus den eigenen Reihen infrage. Doch für Mick Schumacher käme der Aufstieg nach nur einer Formel-2-Saison wohl zu früh.

Giovinazzi ist deshalb derzeit die naheliegende Option. Die Formkurve des 25-Jährigen zeigt jedenfalls ungeachtet der Diskussionen um seine Zukunft nach oben. Nach dem Patzer von Spa hielt er in Monza im Heimrennen sowie in Singapur den Erwartungen stand und punktete, während Teamkollege Räikkönen leer ausging.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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