Die Nachtschwärmer Lüthi und Aegerter

Im ersten Training auf dem taghell beleuchteten Losail-Kurs haben sich Tom Lüthi und Dominique Aegerter wieder an einen imaginären Gegner gewöhnen müssen: an den eigenen Schatten.

Für Tom Lüthi (links) und Dominique Aegerter steht der Auftakt zur Motorrad-WM in Katar an.

Für Tom Lüthi (links) und Dominique Aegerter steht der Auftakt zur Motorrad-WM in Katar an.

(Bild: Keystone)

Lucky Luke ist kein Töffpilot. Aber im Nacht-GP von Doha haben die Fahrer bisweilen das Gefühl, dass sie schneller fahren als ihre Schatten. «Gewöhnlich werden wir auf der Rennstrecke von einer Sonne angestrahlt. Auf dem Losail-Kurs in Katar hingegen scheinen ganz viele Sünneli – von hinten, von vorne, von der Seite.

Da kann es vorkommen, dass wir nicht von einem Gegner, sondern vom eigenen Schatten überholt werden», beschreibt Dominique Aegerter in blumiger Sprache die besonderen Lichtverhältnisse während des Wüsten-Grand-Prix. Aber nach ein paar Runden habe er dieses Phänomen jeweils im Griff, meint der 24 Jahre alte Rohrbacher.

Lüthi hat den Durchblick

Unter Flutlicht 20 Runden zu absolvieren, sei Gewöhnungssache, sagt Tom Lüthi. «Ich bin schon viele Jahre in der Nacht gefahren. Nach drei Runden hat man sich daran gewöhnt, dass ab und zu der eigene Schatten vorbeihuscht.» Lüthi will in Katar mit einem entspiegelten Helmvisier den Durchblick behalten. Der 28 Jahre alte Oberdiessbacher erklärt: «Bis ich die Ideallösung gefunden habe, testete ich verschiedene Visiere, auch ein orangefarbenes, wie es Topfavorit Esteve Rabat benutzt. Darin erschien mir das Licht aber zu hell.»

Wie machen es die schnelleren Moto-GP-Piloten? Suzuki-Neuling Maverick Viñales aus Spanien sagt in der Fahrerbox in Doha: «Mit einem bernsteinfarbenen Visier verschwinden die Schatten fast von selbst.» Und der italienische Superstar Valentino Rossi meint an der Pressekonferenz: «Ich fahre mit dem gleichen Visier, das ich bei Regen verwende. Es hat eine dunklere Tönung.»

Erst nach Mitternacht ins Bett

Am GP-Wochenende in Katar müssen sich Fahrer und Crewmitglieder auch an einen anderen Rhythmus gewöhnen. Normalerweise endet ein Arbeitstag für die Piloten um 15 Uhr. Sie haben also genügend Zeit, ihren Adrenalinspiegel herunterzufahren. In Kater ist das anders: Das Training und die Qualifikation sind erst kurz vor 23 Uhr Ortszeit zu Ende. Dann folgen Gespräche mit den Mechanikern, Pressekonferenzen und die Auswertung der Läufe mit den Teammitgliedern. Das alles kann sich bis weit nach Mitternacht hinziehen.

«Mir gefällt der Tagesablauf in Katar sehr gut», sagt Lüthi mit einem Schmunzeln. «Bis am Mittag schlafen und am Abend wach sein – das ist eher mein Lebensrhythmus.» Dann wird der 198-fache GP-Fahrer ernster: «Ich muss meinen Biorhythmus den veränderten Gegebenheiten anpassen. Aber das ist keine Hexerei. Vor den Trainingsläufen esse ich jeweils Teigwaren, um Energie zu laden. Und bevor ich ins Bett gehe, noch etwas Kleines.»

Das Frühstück jedoch, betont Lüthi, falle weg. Das Buffet ist im Hotel um diese Zeit längst abgeräumt. Er beginne den Tag mit einer sportlichen Betätigung, dann erfolge das Mittagessen. Auch Viñales hat mit dem Zeitplan in Katar keine Mühe: «Ich falle nach dem Training jeweils todmüde ins Bett. Mit dem Einschlafen habe ich also keine Probleme.»

Keine Regenreifen dabei

Eine Besonderheit des einzigen Nacht-GP im Rennkalender ist auch die Tatsache, dass die Fahrer ohne Regenreifen ins Emirat am Persischen Golf gereist sind. Sollte es am Sonntag (ab 17.20 Uhr, live auf SRF2) regnen in Katar, fände die 12. Austragung auf dem Losail International Circuit aus Sicherheitsgründen nicht statt.

«Im Regen zu fahren, wäre wegen der Blendung viel zu gefährlich», erläutert Lüthi. Aegerter weist auf eine weitere Eigenart des Wüsten-GP hin: «Wenn ein starker Wind weht, kann es vorkommen, dass Sand auf der Strecke liegt. Wenn du von der Ideallinie abkommst, wird der Asphalt in diesen Passagen extrem rutschig.»

Berner Zeitung

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