Die Angst vor einer Eskalation

Der Krach zwischen Valentino Rossi und Marc Marquez schwelt weiter. Nun nehmen die GP-Bosse die Stars in die Pflicht.

Das rüde Überholmanöver von Marc Marquez gegen Valentino Rossi in Argentinien. (Video: Tamedia/SRF/MotoGP)

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Der wilde Ritt erhitzte die Gemüter. ­Erhitzt sie bis jetzt, mehr als eine Woche danach. Wie Marc Marquez seinen Kontrahenten Valentino Rossi beim GP von Argentinien ins Gras bugsierte und aus den WM-Punkten schubste. Und wie der Italiener dem ungestümen Spanier den Eintritt in seine Box verwehren liess, als der sich nach dem Rennen für seine Tat entschuldigen wollte. Wie die fahrende Legende befand: «Ich habe Angst davor, mit ihm auf der Piste zu sein.»

Ab diesem Donnerstag werden sich die beiden Streithähne erstmals wieder begegnen, wenn in Texas der GP von Amerika ansteht. High Noon. Und die Angst vor Kurzschlusshandlungen ist nicht unbegründet – auf welcher Seite auch immer. Rossi mochte sich auf der Strecke ungerecht behandelt fühlen von Marquez bei dessen Versuch, ein missratenes Rennen irgendwie zu retten. Den Katalanen wiederum schmerzte, was der Italiener hinterher über ihn sagte: dass er ein unehrlicher Fahrer sei und ihm jeder Respekt vor den Gegnern fehle.

Rossi noch immer genervt

Wie viel Kalkül hinter den Aussagen des neunfachen Weltmeisters steckt, lässt sich nur vermuten. Zumindest pflegt Rossi die Opferrolle seit dem unrühmlichen Vorfall in Südamerika. Noch vor drei Tagen lud er ein Foto auf das Netzwerk Instagram hoch, das ihn auf Kurvenfahrt in Argentinien zeigt. «Schwieriges Rennen, zerstört von einem gefährlichen Fahrer», schrieb der «Doktor» als Kommentar.

Doch auch Marquez lässt die Szene keine Ruhe. In einem Interview mit der spanischen Nachrichtenagentur EFE sagte der 25-jährige Katalane: «Rossi ist auf der Strecke einer von vielen. Ich werde weiterhin an mein Limit gehen. Es ist in meiner DNA.»

Dem Moto GP steht in Texas also ein brisantes Rennwochenende bevor – und der Fall beschäftigt die höchsten Instanzen. Carmelo Ezpeleta, Chef der GP-Vermarkterin Dorna, kündigte für Texas ein Sechsaugengespräch an. Auch Vito Ippolito, Präsident des Internationalen ­Motorradverbands (FIM), warnt davor, die Affäre weiter eskalieren zu lassen. In einem Meinungsartikel in der spanischen Sportzeitung «Marca» nimmt der Venezolaner die beiden Starpiloten in die Pflicht: «Sie tragen die Verantwortung dafür, dass sich die Gemüter der Fans nicht übermässig erhitzen.»

Heisse Rückkehr nach Europa

Bei seinem Appell geht es Ippolito nicht nur um das Verhalten von Marquez auf der Strecke, sondern auch darum, dass Rossi nicht weiter Öl ins Feuer giesst und so für unnötig Ärger zwischen den beiden Fanlagern sorgt. «Wir wollen nicht, dass ein Umfeld entsteht, in dem unsere Fans negativ auffallen», schreibt der FIM-Präsident weiter und fordert: «Wir dürfen nicht zulassen, dass das Chaos noch zunimmt. Ich will nicht die gleiche Situation erleben wie 2015.» In jener Saison waren Rossi und Marquez beim Rennen in Sepang aneinandergeraten. Marquez bremste den (sich auf WM-Kurs befindenden) Italiener mehrfach aus, worauf sich dieser mit einem Tritt an die Honda seines Rivalen revanchierte und diesen zu Fall brachte.

Der Tritt von Valentino Rossi im Jahr 2015. Video: MotoGP/Youtube

Dass Ippolito als ranghöchster Töfffahrer das Ziel hat, die Wogen so schnell wie möglich zu glätten, ist verständlich: Nach dem dritten Überseerennen zum Saisonstart in Texas kommt die Motorrad-WM ab Mai erstmals in diesem Jahr nach Europa. Der Reihe nach stehen Jerez, Le Mans und Mugello an. Die Atmosphäre auf diesen traditionellen Strecken ist schon so heiss genug. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.04.2018, 13:57 Uhr

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