«Den nächsten Grand Prix fahre ich mit einem neongelben Töff»

Rohrbach

Nach seinem ersten GP-Sieg ist Dominique Aegerter in Rohrbach gebührend empfangen worden. Er schwebte im Helikopter ein.

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Wie war der Helikopterflug?
Dominique Aegerter: Aufregend! Ich durfte sogar mitsteuern. Der Flug war ein Geschenk meines Konditionstrainers René Schürch zum ersten GP-Sieg. Der Anflug verlief cool. Von oben sah ich, wie «Domi 77» ins Gras gemäht wurde. Und erst die vielen Fans, die auf dem Sportplatz in Rohrbach auf mich gewartet haben. Phänomenal!

Einen Höhenflug erlebten Sie auch am Sachsenring. Wie viel Risiko mussten Sie für Ihren ersten GP-Sieg im 77. Moto-2-Rennen eingehen?
Die Bilder im Fernsehen täuschten vielleicht. Ich hatte beim Angriff in der zweitletzten Kurve genügend Platz, um Mika Kallio zu überholen. Obwohl wir beide Spätbremser sind, bestand kein Risiko. Wir haben uns nicht einmal berührt.

Was ging Ihnen in der Auslaufrunde durch den Kopf?
Alles mögliche. Ich freute mich, dass ich das Glück auf meiner Seite hatte. Es lief in dieser Saison ja nicht alles rund, viermal hatte ich auch Pech gehabt. So beim Saisonstart in Katar, wo ich nach einem Motorenschaden das Rennen aufgeben musste. Auf der Ehrenrunde dachte ich aber auch an mein grossartiges Team, an die Familie und Sponsoren.

Wie bedeutend ist Ihr erster GP-Sieg psychologisch?
Klick hat es bei mir schon längst gemacht, wenn Sie das meinen. Ich stand heuer bereits in Austin (Dritter, die Red.) und in Jerez (Zweiter) auf dem Podest, fuhr in Assen eine schnellste Runde, schaffte am Sachsenring die erste Poleposition in meiner Karriere. Der Sieg in Deutschland zeigt mir, dass ich mit meiner Suter-Maschine gegen die Kalex-Boliden konkurrenzfähig bin (im WM-Zwischenklassement liegt Aegerter auf Platz 4; hinter den Kalex-Fahrern Esteve Rabat, Mika Kallio und Maverick Viñales).

Nach dem Sieg am Sachsenring hatten Sie Ihrem Vater Ferdinand «Fere» den Schnauz abrasiert. Sie lösten damit eine langjährige Wette ein. War das ein emotionaler Moment?
Auf diesen schönen Moment haben wir acht Jahre lang gewartet. Es war lustig. Mein Vater hat sich über meine Rasur gefreut.

Wetten scheinen im Team Aegerter populär zu sein. Auch Ihr Manager Robert Siegrist musste eine Wettschuld begleichen.
Ja. Nach meinem ersten Podestplatz unter seiner Führung liess er sich vor einem Jahr ein Tattoo mit meiner Nummer «77» an der Schulter stechen.

In der Moto-2-Klasse werden die Honda-Einheitsmotoren zugelost. Machten Sie sich auch am Sachsenring Sorgen, mit einem Motorenschaden auszufallen?
Nein. Inzwischen hat die verantwortliche Firma, welche die Motoren wartet, das Schraubenproblem behoben.

Sie werden im nächsten Grand Prix auf einem gelb lackierten Motorrad fahren. Weshalb?
Das war eine Abmachung zwischen Teammanager Fred Corminboeuf und mir, den Töff für ein Rennen in meiner Lieblingsfarbe zu lackieren, sollte ich einmal einen GP gewinnen. Den nächsten Grand Prix am 10.August in Indianapolis fahre ich mit einem neongelben Motorrad.

Nach dem GP in Barcelona vor einem Monat testeten Sie erstmals auf einem Moto-GP-Motorrad. Sie drehten 89 Runden und verloren auf Weltmeister Marc Márquez 4,186 Sekunden. Waren Sie frustriert nach den Tests?
Überhaupt nicht! Ich war einfach nur glücklich, auf einem Moto-GP-Töff sitzen zu dürfen, zu spüren, was abgeht, wenn die Maschine 130 PS stärker ist als der Moto-2-Töff. Ich war überrascht, dass ich auf andere Piloten wie Mike Di Meglio bloss eine halbe Sekunde verloren habe.

Rechnen Sie bald mit einem lukrativen Angebot aus der Moto-GP-Klasse, der Formel 1 im Motorradrennsport? Der Sieg am Sachsenring war ja wie ein Empfehlungsschreiben.
Ich möchte mit guten Leistungen auf mich aufmerksam machen und hoffe natürlich, dass sich das eine oder andere Gespräch mit einem grossen Werksteam ergeben wird. Ich konzentriere mich aber ganz auf die Rennen, um alles andere kümmert sich mein Management.

Berner Zeitung

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