Angriff auf den Nachbarn

Lewis Hamilton fährt im selben Team wie Nico Rosberg, wohnt in Monaco im gleichen Haus – und sieht in ihm seinen ärgsten Konkurrenten. Nach zwei Niederlagen in ihrem Heimrennen sinnt er nun auf Revanche.

Mit neuer Frisur und extravaganten Accessoires: Mercedes-Pilot Lewis Hamilton hat sich für das Rennen in Monte Carlo herausgeputzt. Foto: Max Rossi (Reuters)

Mit neuer Frisur und extravaganten Accessoires: Mercedes-Pilot Lewis Hamilton hat sich für das Rennen in Monte Carlo herausgeputzt. Foto: Max Rossi (Reuters)

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Es gab Zeiten, da trat Lewis Hamilton auch einmal mit ungekämmtem, krausem Haar an die Öffentlichkeit. Natürlich, locker, etwas schüchtern auch. Kurz: unauffällig.

Doch das ist lange her. Der junge Mann, der damals bei McLaren noch am Anfang seiner Karriere als Rennfahrer stand, ist heute längst eine Grösse seines Sports. Und davon, dass er in der «nicht gerade noblen Gegend in Stevenage» (Hamilton) 40 Kilometer nördlich von London aufgewachsen ist, wo er in der Wohnung seines Vaters Anthony auf dem Sofa schlief, ist heute so gar nichts mehr zu sehen.

Für Monaco, den sechsten Grand Prix des Jahres, hat er eine besonders extravagante Frisur gewählt. An den Schläfen ist er fein säuberlich rasiert, die schwarzen Haare darüber hat er zu einem kleinen Türmchen geformt. Er trägt eine Sonnenbrille mit goldigem Rahmen, die Brillanten an seiner Kette glitzern wie die in seinen Ohren. Hamilton ist längst seinem Hang zum Luxus erlegen. Accessoires, Kleider, Frisuren: Sie wechseln so oft wie die Meldungen über seinen Beziehungsstand mit Popsternchen ­Nicole Scherzinger – zurzeit sollen sie wieder einmal ­getrennt sein.

Zu Hamiltons Fuhrpark gehören ­Autos wie ein Pagani Zonda in der Spezialausführung, ein McLaren P1, ein LaFerrari, ein Shelby Mustang GT500 und zwei Shelby Cobra. Gern posiert er vor ihnen und schickt die Bilder um die Welt – die er im Übrigen in seinem roten Privatjet bereist und dabei meist begleitet wird von den kleinen Bulldoggen Roscoe und Coco. Diese wiederum haben ihren eigenen Auftritt auf der Foto- und Videoplattform Instagram.

Das Hollywoodleben

Hamilton lebt das Leben eines Film- oder Popstars. Er ist zu Gast auf roten Teppichen, spielt eine Rolle in einem neuen Hollywoodstreifen mit Ben Stiller, hält sich im Tonstudio auf, wo er seine erste CD aufnehmen will. Er war beim Boxkampf zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao in Las Vegas wie so viele Prominente. Selbstredend besitzt er ein exklusives Appartement. 15 Millionen Franken soll es gekostet haben und steht in Monaco, wo sich die High Society ­besonders gerne tummelt.

Erst recht an diesem Wochenende. Wenn die Formel 1 zum 62. Mal im Fürstentum gastiert und Hamilton wieder einmal das tun soll, was er eigentlich am besten kann: schnell Auto fahren. Doch ausgerechnet hier, auf dem spektakulären Stadtkurs vor seiner Haustür, ist ihm das nur selten gelungen. Den einzigen Sieg fuhr er in seiner ersten Weltmeistersaison 2008 ein. Die letzten zwei Jahre triumphierte er: Nico Rosberg. Für den der Grand Prix noch viel mehr Heimrennen ist als für Hamilton. Für den die Glamourwelt schon immer zum Alltag gehörte. Der Wiesbadner ist hier aufgewachsen, die Rennstrecke war sein Schulweg. «Meine Mutter hat mich ­immer durch den Tunnel zur Schule gefahren», erzählt er.

Noch heute wohnt er in Monaco – im selben Appartementhaus wie Hamilton, sein Freund in Jugendjahren, der mittlerweile aber vielmehr ungeliebter Gegner im Mercedes-Team ist. Gerade das Rennwochenende in Monaco vor einem Jahr hat seinen Teil dazu beigetragen, dass die beiden wohl nie mehr gemeinsam in die Ferien fahren werden, wie sie es früher taten. 2014 verbremste sich Rosberg kurz vor Ende des Qualifyings, löste gelbe Flaggen aus und verhinderte damit die letzte schnelle Runde von ­Hamilton. Dieser unterstellte dem Deutschen Absicht. Rosberg wurde aber nicht bestraft. Im Gegensatz zu Michael Schumacher, der 2006 mit einem ähnlichen Manöver versucht hatte, sich die Poleposition zu sichern, und dann ans Ende des Feldes versetzt wurde.

Im Fürstentum sagte Hamilton jetzt: «Das liegt in der Vergangenheit.» Und er fügte trotz der Niederlagen gegen Rosberg in den letzten beiden Jahren und dem 2. Rang hinter seinem Konkurrenten jüngst in Barcelona strotzend vor Selbstbewusstsein an: «Ich bin grösser als das.»

Der 100-Millionen-Vertrag

Nun, er ist zumindest das: aktueller und zweifacher Weltmeister. Das wollte er auch nochmals festgehalten haben, als er vor die Kameras von RTL trat. Und er schob nach: «Ich weiss deshalb, was ich tue.» Hamilton meinte damit aber nicht seine Kritik an Rosberg im letzten Jahr. Und auch nicht sein Geschick auf der Rennstrecke, sondern vielmehr das­jenige am Verhandlungstisch.

Weil er bei den Gesprächen mit Mercedes auf einen Manager verzichtete, musste sich die Welt der Formel 1 lange gedulden, bis der Rennstall letztlich am Mittwoch verkünden konnte, dass der 30-Jährige bis 2018 bleibt. Und offensichtlich hat der Brite tatsächlich gewusst, was er am Verhandlungstisch tat. Rund 100 Millionen Euro soll er für die drei weiteren Jahre bei den Silberpfeilen erhalten. Weil er ein «aussergewöhnlicher Pilot ist», wie Teamchef Toto Wolff sagte. Und zum anderen eben auch das: «Eine aussergewöhnliche Persönlichkeit.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.05.2015, 23:13 Uhr

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NameTeamZeit
1.Lewis HamiltonMercedes 1:21:27.430
2.Valtteri BottasMercedes +14.063
3.Kimi RaeikkoenenFerrari +36.570
4.Max VerstappenRed Bull +52.125
5.Daniel RicciardoRed Bull +1:05.955
6.Nico HuelkenbergLotus Renault +1:08.109
7.Sebastian VettelFerrari +1:33.989
8.Esteban OconForce India+ 1 Runde
9.Sergio PerezForce India+ 1 Runde
10.Felipe MassaWilliams+ 1 Runde
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Formel 1: WM-Stand Fahrer

NameTeamP
1.Lewis HamiltonMercedes72861
1.Lewis HamiltonMercedes381
3.Sebastian VettelFerrari72871
3.Sebastian VettelFerrari278
4.Kimi RaeikkoenenFerrari72871
4.Kimi RaeikkoenenFerrari150
5.Valtteri BottasMercedes72867
5.Valtteri BottasMercedes136
6.Felipe MassaWilliams72867
6.Felipe MassaWilliams121
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