Aegerter sucht den höheren Gang

Zehn Tage vor dem WM-Start im Wüstenstaat Katar arbeitet der Oberaargauer Moto-2- Pilot Dominique Aegerter in Andalusien an der Feinabstimmung. Mit der neuen Kalex-Maschine verfolgt der Rohrbacher hohe Ziele.

Basislager: Vom beschaulichen Rohrbach zieht Dominique Aegerter in die weite GP-Welt hinaus.

Basislager: Vom beschaulichen Rohrbach zieht Dominique Aegerter in die weite GP-Welt hinaus.

(Bild: Urs Baumann)

Im Fanshop von Dominique Aegerter zu Hause in Rohrbach stapeln sich T-Shirts, Autogrammkarten und Caps. Uhren, iPhone-Hüllen und neongelbe Zahlenaufkleber mit der «77» lagern in Regalen, im Gestell mit den Siegerpokalen sticht eine Trophäe heraus: Der sechsbeinige, Feuer speiende Hund, den Aegerter für seinen GP-Sieg am Sachsenring erhalten hat – im vergangenen Juli feierte der Moto-2-Pilot seinen bisher grössten Erfolg.

Auch ein anderes «Souvenir» fällt auf, eines, das die Fans des Oberaargauer Töffstars nicht erstehen können: eine arg verbeulte Felge. «Eine Erinnerung an meinen Sturz bei Testfahrten in Le Castellet. Die Maschine erlitt Totalschaden, sie schlug mit 120 Stundenkilometern in eine Mauer ein», sagt der 24 Jahre alte Pilot Anfang März, als er sich kurz im Elternhaus aufhält. «Mir ist nichts passiert. Ich rutschte über den Asphalt.» Solche Stürze geschähen, wenn man das Limit suche, meint Aegerter pragmatisch.

Halbe Sekunde langsamer

Zehn Tage vor dem Saisonstart am 29.März in Doha (Katar) nutzt Aegerter Tests in Jerez de la Frontera zur Feinabstimmung seiner neuen Kalex-Maschine. Er müsse sich an eine neue Sitzposition gewöhnen, weil der Sattel etwas breiter sei als beim letztjährigen Suter-Motorrad, erzählt der Berner. Viele hätten ihm nach seinem Wechsel vom Zürcher Konstrukteur Suter zum deutschen Hersteller Kalex vorhergesagt, dass er jetzt pro Runde eine Sekunde schneller sei und Rennen gewinne.

«Noch liege ich eine halbe Sekunde hinter meinen Rundenbestzeiten von 2014», lässt Aegerter aus dem regnerischen Andalusien verlauten. Das beunruhige ihn aber nicht. «Die Suter-Maschine hatte in den vergangenen vier Jahren perfekt zu mir gepasst. Bei Kalex mussten wir fast bei null anfangen.» Es brauche Zeit, das nötige Fahrgefühl für den neuen Töff zu erlangen, damit er ans Limit gehen könne, sagt Aegerter und ergänzt, dass die Vorbereitung witterungsbedingt ohnehin etwas durchzogen verlaufen sei.

«Im Februar weilten wir drei Wochen lang in Spanien, konnten aber nur wenige Kilometer fahren.» Die Kälte machte den GP-Piloten zu schaffen. Auf dem nur drei Grad kalten Asphalt waren die aufgewärmten Reifen (80 bis 90 Grad) sofort abgekühlt und hatten in der Folge keinen Grip mehr gehabt. Die Gewissheit jedoch, wie Landsmann Tom Lüthi nun beim überlegenen Hersteller der Moto-2-Klasse engagiert zu sein, gebe ihm ein gutes Gefühl, meint der Oberaargauer Sportler des Jahres 2014.

Ambitionierte Ziele

«Ich fühle mich in einer guten körperlichen Verfassung», sagt Dominique Aegerter. «Wenn wir jetzt noch das richtige Set-up finden, bin ich zuversichtlich.» Als Saisonziel gibt der Teamleader von Technomag-Interwetten, wo der Freiburger Robin Mulhauser sein zweites GP-Jahr in Angriff nehmen wird, eine Verbesserung des letztjährigen 5.WM-Ranges aus. «Meine Absicht ist es, in jedem Rennen um das Podest zu kämpfen. Wenn mir das gelingt, werde ich Ende Saison unter den ersten drei sein», sagt Aegerter selbstbewusst. In der Rolle des WM-Favoriten sieht er Titelverteidiger Esteve Rabat.

«Wenn er seine Testresultate bestätigen kann, ist er der Mann, den es zu schlagen gilt. Er nahm mir in der Vorbereitung pro Runde 1,1 Sekunden ab.» Talent und ein perfektes Set-up allein würden aber nicht genügen dafür, Weltmeister zu werden, sagt Aegerter. «Ein Champion zeichnet sich durch Konstanz, Anpassungsfähigkeit, Kondition und mentale Stärke aus. Es gibt achtzehn verschiedene WM-Strecken, es gibt verschiedene Wetterverhältnisse, und es gibt verschiedene Zweikämpfe.»

Die Zusammenarbeit mit Tom Lüthi mache ihm nach anfänglichen Bedenken richtig Spass. Der Kennenlernprozess sei abgeschlossen, meint Aegerter. «Wir sind gute Kollegen geworden.»

Berner Zeitung

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