Wasser für alle

Der Jegenstorfer Marco Jaeggi hat das ­Abenteuer Marathon des Sables heil überstanden. Als 24. ­beendete der 41-Jährige den Lauf als bester Schweizer.

Allein in der Wüste: Marco Jaeggi wächst am Marathon des Sables über sich hinaus.

Allein in der Wüste: Marco Jaeggi wächst am Marathon des Sables über sich hinaus.

(Bild: zvg)

Stephan Dietrich

257 Kilometer laufen durch die Wüste. Bei Tag, bei Nacht, meistens allein. Da bleibt eine Menge Zeit, um über das Leben nachzudenken. Oder doch nicht? «Ich versuchte, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren», antwortet Marco Jaeggi. «Ökonomisches Laufen und regelmässige Nahrungsaufnahme.» Vielleicht noch ein bisschen die Landschaft geniessen. Der Ultraläufer blickt auf einen nahezu perfekt verlaufenen Marathon des Sables (MdS) durch die Sahara zurück. «Von Blessuren blieb ich weitgehend verschont», berichtet der Jegenstorfer. Die Magen-Darm-Grippe kam erst nach der Heimreise.

Die Vorbereitung sei dabei die halbe Miete, erzählt der 41-jährige Extremsportler. Der Rucksack, der mit zwischen 6,5 und 15 Kilogramm gepackt sein musste, wog 7 Kilogramm. Besser geht es fast nicht. «Ich habe eben nur das Allernotwendigste mitgenommen.» Zum Beispiel Desinfektionsmittel! Auf Anraten eines früheren MdS-Teilnehmers habe er sich diesen Luxus geleistet, erläuter Marco Jaeggi. Nach jedem Körperkontakt mit anderen Teilnehmern oder Abklatschen mit Zuschauern kam das Fläschchen zum Einsatz.

Zu Recht, «in jedem Jahr müssen einige Teilnehmer wegen Infektionen aufgeben». Auch in diesem Jahre seien Magenverstimmungen vorgekommen. Wenn die Teilnehmer nicht rennen, dann verbringen sie die Zeit in einer grossen Zeltstadt.

Jaeggi war zusammen mit weiteren Schweizer Teilnehmern in einem Zelt untergebracht und er lernte auch die Vorzüge von Magen-Darm-Grippen kennen. «Die Leute, die krank waren, konnten keine Nahrung aufnehmen, und so kam ich zu zusätzlichem Essen. Ihr Pech war mein Glück.» Denn beim Essen hatte Jaeggi im Gepäck gespart.

Auf dem 24. Platz, als bester Schweizer, beendete Marco Jaeggi das Wüstenrennen. Dabei war seine Ambition lediglich, das Ziel zu erreichen. Es lief dann von Beginn weg gut und führte dazu, dass der Berner die mit 84 Kilometern längste Etappe in der Top-50-Gruppe bestreiten durfte. Diese wurde drei Stunden nach dem Hauptfeld auf die Reise geschickt. «Von hinten zu laufen und immer wieder Teilnehmer zu überholen, das gab mir zusätzlichen Schub», erzählt er.

Der Wert einer Cola

Der MdS ist eine Extremveranstaltung, beeindruckt war Jaeggi von der Toporganisation. 1200 Läuferinnen und Läufer waren am Start. «Für die Veranstalter war es logistisch eine riesige Herausforderung.

Und es hat alles tadellos geklappt.» An einem Tag gab es sogar eine kleine Überraschung. Am Rand des Zeltdorfes hielt ein gekühlter Lastwagen, vollgefüllt mit Coca-Cola. «Jeder Teilnehmer hat eine Flasche zur Erfrischung erhalten. Ich habe mich noch nie so auf eine Cola gefreut.»

Wasser ist für die Sandläufer ein Grundnahrungsmittel. Jaeggi absolvierte sein Abenteuer aber nicht nur für sich selber, sondern auch für einen guten Zweck. Er sammelte für das Charityprojekt «Trinkwasser für Kinder in Benin». Der Spendestand bringt den Sammler ins Schwärmen. «Mittlerweile sind fast 12'000 Franken zusammengekommen. Das reicht für einen ganzen Brunnen mit allem Drum und Dran.» Im westafrikanischen Benin sichert Trinkwasser das Überleben.

Die nächsten Ziele

Mehrere Jahre dauerte das Projekt von der Idee bis zur Teilnahme am MdS. Einige bezeichnen den Wettkampf als härtesten Lauf der Welt. Für Marco Jaeggi aber ist es nicht das Ende. «Ich habe weitere Abenteuer im Kopf. Spruchreif sind diese jedoch nicht.» Nach dem Grossevent MdS sehnt sich der Jegenstorfer zunächst nach Wettkämpfen in familiärerem Rahmen. So wie die 100 Meilen von Biel (4-mal rund um den Bielersee) oder der Eiger-Jungfrau-Trail.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...