Von Neuanfang zu Neuanfang

Nach nur zwei Monaten trennte sich Mujinga Kambundji vom holländischen Trainer Kraaijenhof. Die Rekordsprinterin sortiert ihr Umfeld schon wieder neu.

Mujinga Kambundji: Rasant, aber wieder allein unterwegs. Foto: Ulf Schiller (Freshfocus)

Mujinga Kambundji: Rasant, aber wieder allein unterwegs. Foto: Ulf Schiller (Freshfocus)

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7,26 Sekunden im Vorlauf, 7,23 im Final – das sind erstklassige Zeiten für Mujinga Kambundji beim Auftakt zur Hallensaison. Die 25-jährige Bernerin, die sich in den vergangenen Jahren in der europäischen Spitze etablieren konnte, sprintete am Wochenende in Magglingen zu diesen Zeiten – erst zweimal entsprachen die Einstandswerte ziemlich genau diesen aktuellen. Und was damals folgte, waren je zwei ausgezeichnete Indoormonate. Zudem: Dieser Start ist bedeutend besser als jener vor einem Jahr. Die starken Resultate (ihr Schweizer Hallenrekord liegt bei 7,11) liessen nicht vermuten, dass Kambundji turbulente Wochen hinter sich hat. Nach vier Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit trennte sie sich im Herbst von Coach ­Valerij Bauer und dessen deutscher Gruppe in Mannheim – um nochmals einen Schritt vorwärts zu machen. Zu oft waren die beiden nicht mehr gleicher Ansicht, was die Trainingsgestaltung ­betraf. Bauer hatte die Bernerin über 100 Meter um gut 4 und über 200 Meter um gut 8 Zehntel vorwärtsgebracht.

Wieder Gewicht verloren

Doch die Nachfolgelösung war keine auf Dauer: Kambundji hatte eine Individualbetreuung gesucht und sich für den Holländer Henk Kraaijenhof entschieden, der einst auch Merlene Ottey (JAM) betreut hatte. Nach anfänglich positiven Eindrücken und Gefühlen stellten sich immer mehr Fragen, die mündlich ­geklärt, schriftlich aber nicht festgehalten worden waren und schliesslich nach nur zwei Monaten zur Trennung führten. Finden Trainingslager in Amsterdam oder in Bern statt? Wie viele Tage weilt Kraaijenhof in der Schweiz? Wie hoch sind die Kosten tatsächlich? Wie lange weilt man Anfang Jahr zu Trainings­zwecken in Südafrika?

In Magglingen also analysierte sie ihre Leistungen nicht mit Kraaijenhof, sondern mit Jacques Cordey, ihrem ­Jugendcoach bis 2013 in Bern sowie Kraft- und Konditionstrainer Adrian Rothenbühler. Kambundji hat die Verantwortung über ihren Aufbau selber übernommen. «Die Situation ist nicht optimal», sagt sie, dennoch war ihr die Erleichterung nach dem geglückten Einstand sichtlich anzumerken. «Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.» Die Ungewissheit rückte schlagartig in den Hintergrund.

Eine Folge der Trennung von Bauer macht sich bereits bemerkbar: Unter dem Kirgisen lag ein Schwerpunkt auf dem Krafttraining, in den Anfängen in Mannheim legte die Bernerin rund sechs Kilo Muskelmasse zu. Weil sie ihren ­Fokus in der EM-Saison aber mehr auf die 200 Meter richten will, steht nicht mehr die Kraft, sondern das Stehvermögen im Zentrum. Kambundji hat deshalb Gewicht verloren. Sie sagt auch: «Ich lerne noch besser auf meine Gefühle zu achten und muss selber entscheiden.» Trotzdem ist sie auf der Suche nach dem nächsten Trainer und behauptet, die neue Lösung sei nicht mehr fern. Erstmals nimmt die EM-Bronzegewinnerin von 2016 Anfang März an einer Hallen-WM (Birmingham) teil, davor startet sie noch viermal, unter anderem am Freitag am Hallenmeeting in Berlin und am 17./18. Februar an den Meisterschaften in Magglingen. (jgg/mos)

Erstellt: 22.01.2018, 23:02 Uhr

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