Ungestümer Sprint auf Rang 10

Über 100 Meter ist Mujinga Kambundji vom Gegenwind ausgebremst worden, über die doppelte Distanz bleibt die Bernerin im Halbfinal deutlich unter ihren Möglichkeiten.

Mujinga Kambundji schaffte den Finaleinzug knapp nicht.

Mujinga Kambundji schaffte den Finaleinzug knapp nicht.

Sprinterinnen tun sich unmittelbar nach einem Lauf zuweilen schwer, Erklärungen zu finden. Was insbesondere dann der Fall ist, wenn das Resultat nicht den Erwartungen entspricht. Mujinga Kambundji zuckt mit den Schultern, als sie gefragt wird, weshalb sie im WM-Halbfinal über 200 Meter mehr als eine halbe Sekunde über ihrem Bestwert geblieben ist.

Die Bernerin belegte in ihrer Serie in exakt 23 Sekunden den dritten Rang, verpasste den Finaleinzug um 15 Hundertstel, beendet den Wettkampf wie jenen über 100 Meter auf Rang 10. Was im Sprint einem erstklassigen Resultat gleichkommt. Aber sich nicht in jenem Bereich bewegt, der für Kambundji in Reichweite gelegen wäre, wenn sie ihr Potenzial abgerufen hätte.

Nach 100 Metern hatte es danach ausgesehen, als würde die 25-Jährige ihre Serie gewinnen. Ungestüm hatte sie losgelegt, in der Kurve alles aus sich herausgeholt – womöglich alles und noch ein bisschen mehr, lässt sich in der Retrospektive vermuten. Auf der Geraden schien sie von Schritt zu Schritt langsamer zu werden, mit letzter Kraft vermochte sie die heranbrausende Jamaikanerin Simone Facey in Schranken zu halten. Es sieht danach aus, als habe sie zu viel gewollt. Ihr Plan war gewesen, in der Kurve nicht alles auszupacken, um einen Einbruch zu verhindern.

Es sei «ein harter Moment», gesteht Kambundji. «22,85 Sekunden hätte ich längstens draufgehabt. Es wäre wieder nicht schwierig gewesen, in den Final vorzustossen», resümiert die Könizerin sichtlich enttäuscht. Im 100-Meter-Halbfinal lief sie bei leichtem Gegenwind, die Konkurrentinnen in der ersten Serie hingegen hatten von etwas stärkerem Rückenwind profitiert. Über die doppelte Distanz war der Wind kein Faktor. Was sich, aus der Optik Kambundjis, von Rosangela Santos nicht sagen lässt.

Die Brasilianerin hatte einen Fehlstart produziert, was die Bernerin überhaupt nicht mag. Es handelt sich um jene Athletin, welche Kambundji mit ihrem rasanten Start bereits im 100-Meter-Halbfinal irritiert hatte. Was den heute anstehenden Final anbelangt, gebührt die Favoritenrolle der Holländerin Dafne Schippers. Die Titelhalterin und Olympiazweite hinterliess einmal mehr einen extrem starken Eindruck.

mjs

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt