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Um einen Hauch am Ziel vorbei

Im WM-Halbfinal über 100 Meter wird Mujinga Kambundji in 11,11 Sekunden gestoppt. Den Final verpasst die Könizerin um vier Hundertstel.

Micha Jegge; London
Schneller Schritt, angstvoller Blick: Später wird Mujinga Kambundji festhalten, sich in dieser Phase womöglich verkrampft zu haben.
Schneller Schritt, angstvoller Blick: Später wird Mujinga Kambundji festhalten, sich in dieser Phase womöglich verkrampft zu haben.
Keystone

Verbessern sich die Leistungen, steigen die Erwartungen. Das gilt nicht nur für jene der Zuschauer, sondern auch aus der Perspektive der betroffenen Athleten. Wobei sich diesbezüglich längst nicht alle Sportler in die Karten blicken lassen, die öffentlich gemachte Zielsetzung sich in vielen Fällen von der persönlichen unterscheidet.

Mujinga Kambundji hingegen spricht nach ihrem 100-Meter-Halbfinal an der WM in London Klartext. Die Bernerin gesteht, den zweiten Rang angestrebt zu haben, welcher ihr die erste Finalteilnahme auf globaler Ebene beschert hätte. «Die Serie war nicht so gut besetzt, die Chance wäre da gewesen.»

Das Pech mit dem Wind

In 11,11 Sekunden belegte Kambundji hinter Elaine Thompson und Rosangela Santos Rang 3. Die Olympiasiegerin aus Jamaika bewegt sich in einer anderen Liga, die Brasilianerin hingegen hatte bis gestern einen Bestwert von 11,04 Sekunden vorzuweisen. Kambundji liess sich zwar die beste Reaktionszeit notieren, lag nach fünf Metern aber bereits einen oder zwei Schritte hinter der neben ihr laufenden Santos zurück.

Die Könizerin hält fest, Santos sei «krass schnell weg» gewesen und ergänzt, sie habe sich darob vermutlich etwas aus dem Konzept bringen lassen. Für diese These spricht der Fakt, dass sie ihren Körper bereits nach neun Schritten aufrichtete. In der Regel ist dies erst nach elf oder zwölf Schritten der Fall. Kommt dazu, dass sie sich in diesem Sommer mit dem Übergang von der Start- in die Beschleunigungsphase schwerer tut als auch schon.

Unter dem Strich resultiert für die Landesrekordhalterin Platz 10 – so weit vorne ist in der Königsdisziplin an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen noch nie eine Schweizerin klassiert gewesen. Die 25-Jährige kann damit wenig anfangen. Vor zwei Wochen, an der Schweizer Meisterschaft im Letzigrund, legte sie die Gerade bei strömendem Regen in 11,08 und 11,13 Sekunden zurück. Wenige Tage später sprach sie über das Steigerungspotenzial, sagte, sie habe ihre schnellen Rennen in diesem Sommer alle bei suboptimalen Verhältnissen bestritten.

Letzteres gilt auch für den gestrigen Einsatz. Bei Kambundjis Serie wurde ein Gegenwind von 0,2 Metern pro Sekunde ge­messen. Kelly-Ann-Baptiste hingegen, die sich in 11,07 Sekunden als Achte und Letzte für den Final qualifizierte, hatte in der ersten Serie von 0,8 Metern pro Sekunde Rückenwind profitiert. In der dritten Serie blies die Luft ebenfalls von hinten; pro Meter kalkulieren Experten mit einem Zehntel. «Man hat Glück oder Pech», sagt Kambundji achselzuckend, als sie von den unterschiedlichen Voraussetzungen erfährt. Sie hält inne und danach fest, «es schysst mi scho chli a». Weil sie spüre, dass sie schneller laufen könne. Und sie entgegnet, auf mögliche Fehlerquellen angesprochen, sich auf den letzten Metern womöglich verkrampft zu haben.

Heute kann sie die Beine hochlagern, morgen tritt sie in den 200-Meter-Vorläufen an. In Kambundjis Fall ist die zweite Chance oft die bessere. Die Bernerin ist eine Turnierläuferin, wird in der Regel von Runde zu Runde schneller. Die Erwartungen sind hoch – auch jene der Athletin.

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