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Totalschaden für die Leichtathletik

Sportredaktor Micha Jegge zu den mafiösen Zuständen im Leichtathletikverband.

Hat der ehemalige Verbandspräsident Lamine Diack geholfen, Dopingfälle zu vertuschen?
Hat der ehemalige Verbandspräsident Lamine Diack geholfen, Dopingfälle zu vertuschen?
Keystone

Korrupte alte Männer, die ihre Funktionärsämter in erster Linie als Möglichkeit zur persönlichen Bereicherung betrachten, sind seit Jahrzehnten Bestandteil des Spitzensports. Lamine Diack jedoch ist, sofern sich die aus Frankreich eingetroffenen Meldungen erhärten, in eine neue Dimension vorgestossen.

Vordergründig war der Senegalese Präsident einer 214 Mitgliederverbände repräsentierenden Föderation, hinter den Kulissen so etwas wie der Pate einer Cosa Nostra, welche die eigenen Leute erpresst, aus deren Verfehlungen Profit schlägt. So komisch es klingen mag: Im Vergleich mit Diack und seinem Gefolge lassen sich Sepp Blatter und Gefährten, zumindest nach jetzigem Wissensstand, als Waisenknaben bezeichnen.

Für die olympische Kernsportart handelt es sich um einen Totalschaden.Die auf höchster Ebene sowieso schon begrenzte Glaubwürdigkeit strebt mittlerweile gegen null. Mo Farah, um das prominenteste Beispiel zu nennen, steht nach den jüngsten Enthüllungen unter Verdacht, sich von einem positiven Dopingtest freigekauft zu haben. Sein Trainer Alberto Salazar sieht sich seit Juni mit dem Vorwurf konfrontiert, er arbeite mit unerlaubten Substanzen.

Finanziert wird Salazars Laufprojekt von Nike, zu den Beratern des Sportartikelgiganten gehört Sebastian Coe. Der langjährige Vizepräsident der IAAF meinte Ende August nach seiner Wahl zum Nachfolger Diacks, die Leichtathletik sei eine «augenscheinlich saubere Sportart».

Leidtragende der Realität, welche sich hinter der abstrusen Aussage des Briten verbirgt, sind die sauberen Athleten und die Zuschauer. Was die Aussicht auf Besserung anbelangt, verhält es sich ähnlich wie bei der Fifa: Solange Teile des Establishments etwas zu sagen haben, ist der Fall hoffnungslos.

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