Semenya unbeeindruckt

Die Südafrikanerin gewinnt in Doha nach aufwühlender Woche ihr wohl letztes 800-m-Rennen und verlässt das künftige WM-Stadion mit Stolz und Würde.

In Doha beweist die Südafrikanerin Caster Semenya noch einmal ihre Stärke. (Video: SRF)

Und dann, als sie die zwei Bahnrunden in gewohnter Überlegenheit hinter sich gebracht hatte, blickte Caster Semenya ins weite Rund des Khalifa International Stadiums. In 1:54,98 Minuten hatte sie über 800 m ihre viertbeste Zeit je erzielt – im WM-Stadion vom Herbst, das zum Start der Diamond-League-Saison nur zu einem Viertel gefüllt war.

Gefühlsausbrüche waren kaum einmal ihre Sache gewesen, aber nun waren alle Blicke auf die 28-Jährige gerichtet – zu gerne hätte man gewusst, was sie in diesem Moment fühlte. Was hatte sie in den letzten Jahren und speziell in dieser Woche über sich ergehen lassen müssen, ­Kritik, Verhöhnung, Missachtung der Privatsphäre – und nun vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) aus ihrer Sicht gar ­Diskriminierung. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte sie später, es gehe hier um mehr als nur um Sport, «es geht um Menschenwürde und Stolz».

Die Südafrikanerin ist gestern wohl ihr letztes 800-m-Rennen gelaufen, ab Mittwoch müsste die Intersexuelle dafür ihren ­Testosteronlevel wie vor einigen Jahren schon medikamentös senken. Auf Twitter hat sie mitgeteilt, der CAS werde sie nicht stoppen. Was so viel heisst wie: Sie wird ihn nicht senken, sondern auf eine längere Distanz umsteigen, wo die Regel des internationalen Verbandes nicht gilt. Dass ein Wechsel aber eine riesige sportliche Herausforderung darstellt, konnte sie nach ihrem Zieleinlauf beobachten, als Cross-Weltmeisterin Hellen ­Obiri aus Kenia über 3000 m in 8:25,60 gewann.

Dazwischen war auch Sarah Atcho über 200 m im Einsatz ­gewesen. Die Westschweizerin vermochte nicht zu verbergen, dass sie erst seit vier Wochen im Formaufbau ist. In 23,89 verlor Atcho mehr als eine Sekunde auf ihre Bestzeit und mehr als eineinhalb auf die Siegerin, die vierfache Europameisterin Dina ­Asher-Smith (22,26).

Vorboten von McLaughlin

Einen ersten Eindruck vom Niveau in der noch jungen WM-Saison erhielt auch Hürden-Europameisterin Lea Sprunger, die am Donnerstag an die Staffel-WM nach Yokohama abgereist ist und erst Anfang Juni in Rom auf Diamond-League-Stufe antreten wird. Dalilah Muhammad (USA) gewann über 400 m Hürden in 53,61 – 2018 waren nur gerade drei Athletinnen schneller gewesen, Muhammad aber vier Hundertstel langsamer. Auch EM-Silber-Gewinnerin Anna Ryschykowa (UKR), gestern Dritte, scheint mit 54,82 bereits auf beeindruckendem Level. Vielleicht sind diese Leistungen auch damit zu erklären, dass wohl bereits in Shanghai in zwei Wochen ein anderer Wind wehen wird. Dann startet erstmals Sydney McLaughlin in der Diamond League. Die erst 19-jährige Amerikanerin ist ein Ausnahmetalent und hinterliess vor einem Jahr an einem US-Meeting mit 52,75 eine Zeit, die für Rang 9 in der ewigen Bestenliste gut war.

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