Reine Kopfsache

Einmal persönliche Bestzeit, einmal grosse Enttäuschung: Maja Neuenschwanders Saisonauftakt ist durchzogen verlaufen. Doch die Profiläuferin hat dazugelernt.

Heuer will Maja Neuenschwander wieder am GP laufen.

Heuer will Maja Neuenschwander wieder am GP laufen. Bild: Erik van Leeuwen (swiss-running)

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Im Prinzip sind es nur ein paar Zahlen. Doch in der Leichtathletik entscheiden diese Ziffern – eine Zeit oder ein Wert – über Hochgefühl oder tiefste Enttäuschung. Und manchmal können sich diese Gemütslagen äusserst rasch verändern. Maja Neuenschwander kann diesbezüglich ein Liedchen singen.

Am 11. März absolvierte sie den ersten Wettkampf des Jahres, ­reüssierte am Halbmarathon in Den Haag und stellte mit 1:10:46 erst noch eine neue persönliche Bestzeit auf.

Entsprechend motiviert und mit viel Zuversicht reiste die Bernerin am vergangenen Wochenende nach Berlin; mit der Absicht, die 21,1 km noch etwas schneller zu absolvieren. «Schliesslich hätte ich mir in Den Haag zwar eine gute Zeit, aber nicht die Bestzeit zugetraut», hält sie fest. Hinzu kam, dass die Vorbereitung auf den Berlin-Halbmarathon optimal verlaufen war, sie sich sehr gut fühlte. Das würde kaum vermuten, wer ihre Zeit betrachtet.

Über fünf Minuten blieb die STB-Athletin in der deutschen Hauptstadt über ihrem Bestwert. «Ich lief offensiv an, weil ich meine Bestzeit verbessern wollte, aber dann merkte ich rasch, dass ich dafür zu viel Aufwand betreiben musste», sagt sie. «Ab Kilometer 13 wurde es für mich gerade mental schwierig.»

«Das muss ich akzeptieren»

Und so befindet sich die 38-Jährige nach dem Saisonauftakt ein wenig im Niemandsland. Weshalb ihr in Berlin die Kraft fehlte, kann sie sich nicht erklären. Also gilt es, dieses Resultat abzuhaken. Was ihr nicht ganz leicht ­fallen dürfte.

Das Jahr 2017 hat bei ihr schliesslich Spuren hinterlassen: 20 Marathons de suite hatte sie davor beendet, ehe sie sowohl in London als auch in Berlin mit Rücken- respektive muskulären Beschwerden aufgeben musste. Die gesundheitlichen Probleme hat Neuenschwander mittlerweile im Griff.

Die zweite Komponente – die mentale Verarbeitung – benötigte etwas mehr Zeit. «Ich bin jemand, der lange hadert, wenn etwas nicht gut läuft», sagt Neuenschwander. Hinzu kommt, dass sie seit dem letzten Jahr Profiläuferin ist, sich deswegen unter Druck setzte. «Ich hatte mir und den Veranstaltern gegenüber zu viele Erwartungen», sagt sie.

In diesem Kontext lässt sich ihre letztjährige Teilnahme am GP von Bern, knapp drei Wochen nach der Aufgabe in London, erklären. Neuenschwander wollte im Heimrennen positive Emotionen sammeln, stattdessen häufte sie noch mehr Frust an, weil sie rund sechs Minuten auf die Siegerin verlor.

Nach Berlin überlegte sie sich kurzzeitig, noch einen Marathon ins Programm aufzunehmen, obwohl sie das nicht muss, ihre Zeit von Den Haag dem Verband als Leistungsnachweis für die EM-Teilnahme im August in Berlin genügt.

Deshalb rief ihr Coach Beat Aeschbacher nochmals die Bilder vom letztjährigen GP in Erinnerung. Neuenschwander lächelt und meint dann, «man kann selten etwas mit der Brechstange erzwingen, und man kann nicht immer auf seinem höchsten Niveau laufen, das muss ich akzeptieren.»

Heuer wird Neuenschwander wieder am GP laufen, unmittelbar vorher mit ihrer Vorbereitung auf den EM-Marathon beginnen. Die Planung ist durchdacht, die Athletin hat dazu­gelernt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.04.2018, 11:21 Uhr

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