Der verhängnisvolle Fehltritt von Noemi Zbären

Für Noemi Zbären ist die Olympiasaison vorbei, ehe sie beginnen wird. Die Hürdensprinterin aus Langnau zog sich beim Basketballspielen einen Kreuzbandriss zu. Es handelt sich um den ersten Rückschlag in ihrer aussergewöhnlichen Karriere.

Olympia-Hoffnung Noemi Zbären muss die Saison mit Kreuzbandriss beenden.

Olympia-Hoffnung Noemi Zbären muss die Saison mit Kreuzbandriss beenden.

(Bild: Keystone)

Neue Erfahrungen können ungemein schmerzhaft sein – nicht zuletzt in mentaler Hinsicht, wie das Beispiel von Noemi Zbären offenbart. Die Hürdensprinterin sieht sich mit einer Diagnose konfrontiert, die sie nur vom Hörensagen kennt: Riss des vorderen Kreuzbandes im linken Knie, am Montag folgt die Operation: Für die 22-Jährige aus Langnau ist die Saison 2016 schon vor Beginn zu Ende. An der EM von Anfang Juli in Amsterdam hätte die WM-Sechste in guter Verfassung zum Kreis der Medaillenanwärterinnen gehört, an den Olympischen Spielen vom August in Rio de Janeiro wäre mit einer Darbietung im obersten Bereich ihres letztjährigen Leistungsvermögens ein Finalplatz in Reichweite gewesen.

Steiler Aufstieg

Noch scheint Zbären nicht in der Lage zu sein, über das Missgeschick respektive dessen Folgen zu sprechen, das Mobiltelefon ist ausgeschaltet. Was insofern wenig erstaunt, als es sich um den ersten Rückschlag handelt – und dies in einer Karriere, in welcher es ebenso konstant wie steil nach oben gegangen ist, in welcher bei jeder Teilnahme an einem Nachwuchs-Grossanlass ein Medaillengewinn resultiert hat. «Sechs Jahre lang ging jeder Plan auf», sagt Trainerin Gabi Schwarz. Und ergänzt, was auf der Hand liegt: «Noemi ist extrem enttäuscht.»

Der Fehltritt, er ist im engeren Sinn zu verstehen, unterlief Zbären am Montag. Sie trainiert im Sportklub Langnau, das Aufwärmen und die Basiseinheiten absolviert sie in einer Gruppe; die Spanne der Athleten reicht tief in den Breitensport hinein. Während des lockeren Basketballspiels hörte es Zbären im Knie knacken, sie dürfte unmittelbar davor den Fuss oder das Bein einer Kollegin touchiert haben. Schwarz war die Dimension der Verletzung rasch bewusst, die einstige Leichtathletin hat selbst drei Kreuzbandrisse erlitten.

Eiserner Wille

Später sei im Betreuerstab über das Aufwärmen diskutiert worden, sagt die 45-Jährige. «Wir stellten uns die Frage, ob wir einen Fehler gemacht hatten, ob wir das Programm umstellen sollten.» Die Antwort ist negativ, auch aus neutraler Optik. Seit Zbären als 14-Jährige von der Jugendriege zum Sportklub gestossen ist, wird auf der Anlage am Höheweg Basketball gespielt; nie zuvor hatte sich jemand ernsthaft verletzt. «Pech gehört leider auch zum Sport», hält Schwarz nüchtern fest.

Rehabilitation statt Training, Wettkämpfe aus der Sofa-Perspektive statt auf der Tartanbahn: Noemi Zbären, das Multitalent, welches mit 21 den Bachelor-Titel in Biochemie erwarb, steht vor einer neuen Herausforderung. Gabi Schwarz betont «den eisernen Willen» sowie «die pflichtbewusste Art» der Athletin, sagt, diese werde alles daran setzen, in alter Stärke zurückzukommen. Ohne jegliche Eile, wie Schwarz versichert. «Unser Wintertraining beginnt erst im November, wie immer.» Neue Erfahrungen braucht in Langnau gerade niemand mehr. Und es gibt auch keinen Grund, an der Planung etwas zu ändern, wie der Blick auf Zbärens Palmarès zeigt.

Berner Zeitung

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