Mit schönen Erinnerungen, aber ohne Erwartungen

Vor einem Jahr triumphierte Fabienne Schlumpf am Frauenlauf mit einer Parforceleistung. Am Sonntag tritt die 27-jährige Zürcherin erneut in Bern an – allerdings unter ganz ­anderen Vorzeichen.

Fabienne Schlumpf gibt am Frauenlauf ihr Comeback.<p class='credit'>(Bild: Michael Trost)</p>

Fabienne Schlumpf gibt am Frauenlauf ihr Comeback.

(Bild: Michael Trost)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Es war eine Entscheidung «con­tre-cœur». Am Donnerstag hätte Fabienne Schlumpf am Diamond-League-Meeting in Oslo antreten wollen. Dort also, wo sie vor Jahresfrist in ihrer Spezialdisziplin 3000 Meter Steeple einen neuen Landesrekord aufgestellt und Rang 3 belegt hatte.

Doch weil sie wegen einer Sehnenentzündung im rechten Fuss das Lauftraining nach fast einem ­Monat Pause erst vor zweieinhalb Wochen wiederaufnehmen konnte, entschied sich Schlumpf, auf Oslo zu verzichten. «Ich wäre sehr gerne gegangen», sagt sie, «aber ich habe auf meinen Bauch gehört, und ich denke, das war die richtige Entscheidung.»

Dafür tritt die 27-Jährige morgen am 32. Frauenlauf in Bern an. Es handelt sich um ihr erstes Rennen seit der Halbmarathon-WM Ende März – und vor allem um den ersten Wettkampf seit ihrer Verletzungspause. «Das macht die ganze Sache noch etwas spezieller», meint Schlumpf.

Der Frauenlauf ist für sie ohnehin eine Herzensangelegenheit. «Ich nehme nun zum vierten Mal teil, fühle mich einfach wohl, nicht zuletzt wegen der Stimmung.» Und natürlich verbindet Schlumpf mit Bern ebenso schöne Erinnerungen wie mit Oslo: Vor Jahresfrist triumphierte sie in der Bundesstadt als erst vierte Schweizerin überhaupt.

Der deutliche Vorsprung

Rückblickend lässt sich aus Schlumpfs Optik von einer Traumwoche schreiben. Innerhalb von sechs Tagen verbesserte sie den Landesrekord über 3000 Meter Steeple zweimal und siegte dazwischen in Bern mit einem Vorsprung von fast einer halben Minute auf die Äthiopierin Helen Bekele Tola, welche 2016 den Frauenlauf für sich entschieden hatte.

«Nach einem langen Trainingsblock in St. Moritz war ich richtig heiss auf einen Wettkampf, und dann lief es irgendwie fast von selbst», sagt sie. Natürlich liessen diese Auftritte die Erwartungen hinsichtlich der WM im August 2017 markant ansteigen. Doch es sollte anders kommen: Ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt lief es Schlumpf nicht rund, sie verpasste den Finaleinzug in ihrer Paradedisziplin. Zum Verhängnis wurde ihr eine Erkältung, die sie sich im Vorfeld der WM zugezogen hatte.

Hohe Ziele in Berlin

Die Enttäuschung darüber ist mittlerweile verflogen. Weil es abgesehen von der WM ihre mit Abstand erfolgreichste Saison war – und weil mit der EM in Berlin im Sommer bereits wieder ein Highlight bevorsteht. Um im August auf der Höhe zu sein, wird Schlumpf nach einem Wettkampfblock Mitte Juli wieder ins Höhentrainingslager nach St. Moritz gehen.

Denn das Ziel ist klar: Im Berliner Olympiastadion will Schlumpf nicht bloss zusehen, wenn die Medaillen vergeben werden. Vorerst aber ist sie morgen in Bern gefordert. «Der Grundlagenbereich stimmt, was nun noch fehlt, sind die Schnelligkeit und die Spritzigkeit, weil ich weder Sprints noch Sprünge machen konnte», sagt Schlumpf, angesprochen auf ihre Form. Deshalb nimmt sie den Frauenlauf bewusst ohne Erwartungen in Angriff. «Ich freue mich einfach, mal wieder ein Rennen laufen zu dürfen.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt