Kür erreicht, Pflicht erfüllt

Langhürdlerin Léa Sprunger beschert Swiss Athletics an der WM in London den dritten Finalplatz. Mujinga Kambundji qualifiziert sich über 200 Meter ­problemlos für die Halbfinals.

Glücksmoment: Léa Sprunger behält nach zwei verpatzten Grossanlässen die Nerven und läuft souverän in den Final.

Glücksmoment: Léa Sprunger behält nach zwei verpatzten Grossanlässen die Nerven und läuft souverän in den Final.

(Bild: Keystone)

Léa Sprunger lacht, strahlt und sagt: «Ich freue mich mega auf diesen Final.» Das Potenzial der Romande ist unbestritten, das Bild trotzdem ungewohnt. An ihren letzten zwei Grossanlässen, den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro und der Hallen-EM in Belgrad, scheiterte die 1,83 Meter grosse Modellathletin an ihren Nerven und lief am selbst definierten Ziel vorbei.

In London belegte die 27-Jährige in ihrer Halbfinalserie über 400 Meter Hürden den zweiten Rang, was ihr die Finalteilnahme beschert. Sprunger wurde in 54,82 Sekunden gestoppt, nur zwei Gegnerinnen liefen schneller. Die Aussagekraft der Zeiten ist begrenzt, weil sich nicht alle Konkurrentinnen am Limit bewegt haben dürften.

Der Wert der Leistung, welche die EM-Dritte von Amsterdam erbracht hat, lässt sich mit dem Blick auf die Ausgeschiedenen erkennen. Sara Slott Petersen – die Dänin hatte 2016 in Holland triumphiert – wird morgen ebenso wenig am Start stehen wie Shamier Little, welche die Runde mit den zehn Hindernissen an den US-Trials in 52,75 Sekunden zurücklegte.

Petra Fontanive war drei Hundertstel langsamer als Little, wobei die Zürcherin bei der letzten Hürde einen nicht eingeplanten Schritt gemacht hatte, darob aus dem Rhythmus geraten war. «Das ärgert mich unglaublich», gesteht die 28-Jährige, die als wohl einzige Weltklasseathletin im 60-Prozent-Pensum arbeitet. Hätte Fontanive durchziehen können, wäre der Final in Reichweite gewesen.

Kambundji auf Kurs

Pflicht erfüllt, lässt sich aus der Perspektive von Mujinga Kambundji bilanzieren. Die Bernerin absolvierte den 200-Meter-Vorlauf bei leichtem Gegenwind in 22,86 Sekunden, belegte in ihrer Serie den zweiten Platz und qualifizierte sich souverän für die Halbfinals. Ihre Darbietung sei nicht ganz so flüssig gewesen wie jene an der Schweizer Meisterschaft, hält sie fest.

Vor zweieinhalb Wochen hatte sie ihren Bestwert im Letzigrund über die halbe Bahnrunde um 22 Hundertstel auf 22,42 Sekunden gesenkt. Was die Zeiten betreffe, könnten die beiden Rennen «wegen der Kälte» nicht wirklich verglichen werden, meint die 25-jährige Könizerin. In London zeigte das Thermometer gestern 15 Grad an. «An Meisterschaften geht es um Ränge, nicht um Zeiten.»

Wobei die Zeiten sehr wohl aussagekräftig sind. Kambundji realisierte die sechstbeste Marke aller Athletinnen, Sarah Atcho erreichte die Halbfinals in 23,09 ­Sekunden ebenfalls auf direktem Weg. 100-Meter-Weltmeisterin Tori Bowie verzichtete wegen der Folgen ihres Zielsturzes vom Sonntag auf die Teilnahme, die Amerikanerin will sich auf die Staffel vom Samstag konzentrieren. Was die sowieso schon guten Aussichten Kambundjis verbessert. Bewegt sich die 25-Jährige an der oberen Grenze ihrer Möglichkeiten, wird sie morgen womöglich ähnlich lachen und strahlen wie gestern Léa Sprunger.

Berner Zeitung

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