Kambundji stark, Büchel noch stärker

Mujinga Kambundji läuft über 100 Meter die zweitschnellste Zeit ihrer Karriere, ordet dennoch Luft nach oben. Derweil triumphiert Selina Büchel über 800 Meter bereits zum elften Mal in diesem Jahr.

Mujinga Kambundji verpasste gestern in Luzern das Podest knapp. Die Bernerin ist zuversichtlich, noch schneller laufen zu können.

Mujinga Kambundji verpasste gestern in Luzern das Podest knapp. Die Bernerin ist zuversichtlich, noch schneller laufen zu können.

(Bild: Keystone)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Zeiten ändern sich. Natürlich könne sie schneller laufen, meinte Mujinga Kambundji nach ihrem 100-m-Lauf. Mit 11,26 s hatte die Bernerin das Podest um lediglich sieben Hundertstel verpasst. «Ich war zu Beginn ein wenig verkrampft», erklärte sie. Gewiss ist dies Kritik auf hohem Niveau, lieferte die Bernerin doch ihre Saisonbestleistung ab. Betrachtet man die Vorgeschichte zum Meeting in Luzern, ist das Gezeigte noch beachtlicher.

Anfang Juni war Kambundji in Genf trotz Rückenproblemen an den Start gegangen, erzielte dennoch die drittbeste Zeit ihrer Karriere (11,31 s). In der Folge konnte sie während zweieinhalb Wochen nur reduziert und ohne Nagelschuhe trainieren. Bei ihrem Comeback letzte Woche in Lausanne war die Muskelverhärtung im Lendenwirbelbereich zwar ausgeheilt, trotzdem brach sie nach gutem Start über 200 m auf der Zielgeraden ein.

In Luzern gelang Kambundji nun die zweitschnellste Zeit ihrer Karriere. Das Potenzial scheint noch längst nicht ausgeschöpft – was auf den Saisonhöhepunkt, die WM im August in Peking, hoffen lässt. Sie benötige nun noch ein paar Rennen, bis es optimal laufe, betonte die Bernerin, «jetzt geht es erst los».

Keine Pause für Zbären

Nur wenige Minuten nach Kambundji machte sich Noemi Zbären auf den Weg in die Startblöcke. Die Langnauerin ist in diesen Tagen eine weitere Attraktion der hiesigen Szene; am Samstag gewann sie an der U-23-EM in Tallinn (Est) mit einer neuen Bestzeit (12,71 s) Gold über 100 m Hürden, tags darauf führte sie die Staffel nach einem starken Schlussspurt zur Bronzemedaille. Eine Pause hätte nach diesem Programm gewiss nicht geschadet. Doch Terry McHugh, der Athletenmanager in Luzern, habe sie früh angefragt, erklärte die 21-Jährige, «da konnte ich nicht Nein sagen». Natürlich ist Zbären seit ihrer Rückkehr aus Estland nicht zu viel Schlaf gekommen, ausserdem kratzte gestern der Hals – eine leichte Erkältung. Diese konnte die Langnauerin freilich nicht aus dem Konzept bringen, zwar blieb sie mit 12,90 knapp zwei Zehntel über ihrer in Tallinn erzielten Bestzeit – trotzdem war es bereits das achte Mal in diesem Jahr, dass Zbären unter 13 Sekunden lief. «Das Rennen war gut, gegen Ende war ich fast zu schnell, touchierte einige Hürden, was ein gutes Zeichen ist», meinte sie.

Bevor sie sich nun mit neuen Zielen befasst – beispielsweise der WM – nimmt sich die Biochemie-Studentin eine Auszeit. Am Samstag verreist sie mit dem SKLangnau für zwei Wochen ins Trainingslager nach St. Moritz. Aus helvetischer Optik für den Höhepunkt in Luzern sorgt allerdings keine Bernerin, sondern die Toggenburgerin Selina Büchel. Sie siegte über 800 Meter und lief mit 1:59,21 zum zweiten Mal innert zwei Wochen unter zwei Minuten. Auf den letzten Metern hatte sie sich einen packenden Zweikampf mit der US-Amerikanerin Chanelle Price geliefert, weshalb Büchel auch Minuten später immer noch völlig ausgepumpt war. Nach 550 Metern hatte die 23-Jährige einen Angriff lanciert, «und Price hielt dagegen, weshalb ich mit dem Oberkörper immer weiter nach vorne gekommen bin». Letztlich ging der Plan um drei Hundertstel auf, die Toggenburgerin reüssierte damit in diesem Jahr bereits zum elften Mal im zwölften Rennen.

Büchler bedingt zufrieden

Um das derzeit verhältnismässig hohe Niveau der Schweizer Leichtathletinnen zu demonstrieren, genügte gestern ein Blick auf die Stabhochsprunganlage. Nicole Büchler klassierte sich in einem gut besetzten Feld auf dem 2. Platz. Mit 4,60 m egalisierte sie ihre Saisonbestleistung bereits zum zweiten Mal innert weniger Tage, doch zufrieden war die Bielerin damit nur bedingt. Denn beim dritten Versuch über 4,71 m war sie äusserst knapp gescheitert, weshalb sie eine neue Bestleistung knapp verpasste. «Eigentlich war es ein guter Wettkampf», meinte Büchler, «aber im Moment nervt es mich einfach». Vor einem Jahr wäre Ihre Gemütslage nach einem Sprung über 4,60 m weitaus besser gewesen – Zeiten ändern sich eben.

Berner Zeitung

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