In London hält die Achterbahn in der Mitte

Caroline Agnou zeigt an der WM den drittbesten Siebenkampf in ihrer Karriere. Die Seeländerin spricht über den Unterschied zur U-23-EM und braucht einen neuen Trainer.

Kann zufrieden sein mit ihrem Ergebnis: Caroline Agnou.

Kann zufrieden sein mit ihrem Ergebnis: Caroline Agnou.

(Bild: Keystone)

Frisch ist anders. Caroline Agnou versucht, das Gähnen zu unterdrücken; es fällt ihr schwer, ihre Gedanken in Worte zu fassen. Gut zwölf Stunden sind vergangen, seit die 21-Jährige aus Leubringen den Siebenkampf im Olympiastadion beendet hat; nicht nur ihre Knochen sind müde. 6001 Punkte reichten für Platz 21, das Ergebnis sei «plus/minus in Ordnung», hält sie fest.

Und sie verweist auf den Fakt, wonach die WM-Teilnahme «ein Bonus» gewesen sei, sie im Frühling die U-23-EM in Polen als Saisonhöhepunkt definiert habe. Zwischen den Wettkämpfen seien nur drei Wochen gelegen, in dieser Zeitspanne habe sie regenerieren und sich vorbereiten müssen. «Andere kriegen das hin, mir fehlt dafür wohl noch die Erfahrung.»

Zweimal EM, zweimal Gold

Die Karriere der Seeländerin gleicht einer Achterbahnfahrt. 2015 gewann sie an der U-20-EM in Schweden Gold. Sie totalisierte 6123 Punkte, übertraf die Erwartungen deutlich. 2016 lässt sich als verlorenes Jahr bezeichnen. Agnou zog wegen eines Praktikums nach Deutschland, verletzte sich am rechten Oberschenkel.

Im Frühling 2017 erlitt sie exakt die gleiche Blessur und ging davon aus, das Niveau des Jahres 2015 wiederum nicht zu erreichen. Nach verhaltenem Saisonstart kam sie jedoch in die Gänge, und an erwähnter U-23-EM in Polen wuchs sie über sich hinaus.

6330 Punkte bescherten ­Agnou an ihrem zweiten internationalen Titelkampf den zweiten Goldgewinn – inklusive Landesrekord. Die Marke Géraldine Ruckstuhls – die Luzernerin hatte Ende Mai Corinne Schneiders Wert aus dem Jahr 1985 ausgelöscht – übertraf sie um 39 Zähler. Wie sie das hingekriegt habe, wisse sie noch heute nicht genau, gesteht sie lächelnd. Aber es sei ihr bewusst geworden, was sie ­erreichen könne, wenn sie sich über längere Zeit gezielt auf einen Wettkampf vorbereite.

Ein Duo auf WM-Niveau

Rekordhalterin durfte sie sich lediglich eine Woche lang nennen. Ruckstuhl, das 19-jährige Riesentalent, totalisierte an der U-20-EM in Italien 6357 Punkte, was paradoxerweise «nur» für Silber reichte. Agnou sagt, es sei faszinierend, Ruckstuhl zu beobachten. «Sie ist fähig, alles auszublenden.» In London erreichte Ruckstuhl 6230 Zähler und Rang 11. Es sei cool, habe die kleine Schweiz zwei junge Siebenkämpferinnen auf WM-Niveau, sagt Agnou. «Wir pushen uns, können voneinander profitieren.»

Ehe es wieder so weit sein wird, steht Agnou vor einer Herausforderung anderer Art. Adrian Ro­thenbühler und ihr aus dem westafrikanischen Benin stammender Vater Ousman Agnou, welche sich die Trainerarbeit geteilt haben, finden keinen gemeinsamen Nenner mehr. Für den Berner Rothenbühler, auf dessen Wissen die körperliche Entwicklung der Vielseitigen beruht, muss Agnou einen Ersatz suchen. Nachdem sie richtig ausgeschlafen ist.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt