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Im strategischen Dilemma

Adrian ­Lehmann kann derzeit wegen einer Entzündung am Schambein keine Lauftrainings absolvieren. Für den Marathonspezialisten wird die Zeit bis zur EM in Berlin knapp.

Muss pausieren: Marathonspezialist Adrian Lehmann.
Muss pausieren: Marathonspezialist Adrian Lehmann.
Raphael Moser

10. April im Trainingslager in Tenero im Tessin: Adrian Lehmann spürt beim Dauerlauf ein leichtes Ziehen im Gesäss. Einen Tag später ist dieses schon stärker. Der im Liebefeld wohnhafte Oberaargauer bricht das Training ab, lässt sich vom Physiotherapeuten behandeln und sucht einen Arzt auf. Dieser stellt eine Entzündung am Schambein fest. Es handelt sich um eine Stressreaktion. Bei weiterer Belastung droht ein Ermüdungsbruch.

Wieder eine Verletzung in diesem Körperbereich; wegen ähnlicher Blessuren hat der 28-Jährige schon früher pausieren müssen. Vorsicht ist also geboten, die Entzündung muss gänzlich abgeklungen sein, ehe wieder an ein normales Lauftraining zu denken ist.

Lehmann absolviert aktuell Ausdauereinheiten auf dem Rad und im Schwimmbad, mehr ist für den Marathonspezialisten nicht möglich. «Ich spüre die Entzündung noch leicht», sagt er. «Ich hoffe, dass ich in Kürze wieder mit dem Laufen beginnen kann.» Es wären die ersten Kilometer in seiner angestammten Sportart seit mehr als einem ­Monat.

Ist Berlin sinnvoll?

Lehmann steht vor einem wichtigen strategischen Entscheid. Anfang August findet die EM in Berlin statt. In Topform ist er hinter Tadesse Abraham der zweitbeste Schweizer Marathonläufer und für das sechsköpfige Team gesetzt. «Berlin wird ein Riesenevent, das sollte man sich eigentlich nicht entgehen lassen», sagt Lehmann.

In Topform wird er bis zur EM sicher nicht mehr kommen. Lehmanns Bestzeit beträgt 2:15:08, er traut sich eine Zeit um etwa 2:18 zu. Diese würde wohl kaum ins Teamergebnis einfliessen. Die drei besten Läufer zählen, Christian Kreienbühl und Patrick Wägeli dürften schneller sein.

Demgegenüber wäre Lehmann wohl immer noch eher im Ziel als Geronimo von Wartburg, der als Ersatzmann nachrücken würde. Ergibt es Sinn, bei dieser Ausgangslage nach Berlin zu fahren? Diese Frage wird Lehmann im Laufe des Monats Juni beantworten müssen.

Denn es lockt auch noch ein langfristiges Ziel. Er strebt die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio an. Die Limite für eine Teilnahme ist noch nicht festgelegt. Sie dürfte sich bei 2:13:30 oder 2:14:00 befinden; der Langenthaler müsste also 2019 oder in den ersten Monaten des Jahres 2020 eine klare persönliche Bestzeit aufstellen.

Es könnte daher sinnvoll sein, Berlin sausen zu lassen, stattdessen ein gezieltes Aufbautraining zu absolvieren und im Frühling 2019 einen schnellen Stadtmarathon zu bestreiten. Mit dem Ziel, dort die für eine Olympiateilnahme erforderliche Leistung zu erbringen.

Gezieltes Training

Unabhängig von diesem Entscheid wird Lehmann ein gezieltes Aufbautraining absolvieren, damit Entzündungen wie die gegenwärtige nicht mehr auftreten. «Das Ziel ist, die Muskulatur im Rumpf- und Beckenbereich zu stärken, damit diese die Belastungen abfedern kann», sagt Lehmann.

Er wird daher spezifische Übungen absolvieren und auch ab und zu einen Kraftraum aufsuchen. Natürlich nicht zu oft; ein Langstreckenläufer sollte möglichst leichtfüssig unterwegs sein und nicht zu viel Muskelmasse mit sich herumschleppen. «Meine Schwester ist Personal Trainerin, sie wird mich darin unterstützen», sagt Lehmann.

Denn er will noch lange als Marathonspezialist auf den Strassen der Welt unterwegs sein. Die freie Zeit, die er im Moment vermehrt hat, nutzt Lehmann unter anderem zur Pflege der Beziehungen zu den Sponsoren. Bald, sehr bald, so hofft er aber, wieder die Laufschuhe anziehen zu können.

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