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«Ich will nicht 08/15 sein»

Er kennt die Jungfrauregion bestens, primär mit Blick Richtung Lauterbrunnental. Am Samstag meisterte Ex-Skifahrer Marco Büchel zum zweiten Mal den Jungfrau-Marathon. Ein Stück Ehrgeiz ist geblieben.

Geschafft: Marco Büchel ist im Ziel angekommen.
Geschafft: Marco Büchel ist im Ziel angekommen.
Walter Dietrich

«Du weisst gar nicht, wie es mir wirklich geht», sagt Marco Büchel mit einem breiten Grinsen. Er sieht unmittelbar nach seinem Zieleinlauf noch frisch aus, nicht so abgekämpft, wie die Mehrheit der Läuferinnen und Läufer, die gleichzeitig mit ihm die Kleine Scheidegg erreichen. Der Liechtensteiner relativiert aber: «Die letzte Rampe war brutal hart.»

Der ehemalige alpine Skifahrer präsentiert sich wie damals: pu­blikumsnah, aufgestellt, sympathisch – und bestimmt um keinen Spruch verlegen. Als ihm ein Helfer im Zielgelände alkoholfreies Bier entgegenstreckt, scherzt Büchel: «Wie bitte, alkoholfrei? Das ist ein Fluchwort!»

«Büxi» scheint Spass zu haben am Laufsport, auch wenn die Witterungsverhältnisse mit 6 Grad und Regen alles andere als an­genehm sind. In 5:14 Stunden hat er seine Zeit aus dem Jahr 2014 um eine Viertelstunde verbessert. Büchel mag den Berg, den er so gut kennt, auch aus der entgegengesetzten Perspektive.

Nur noch gegen sich selbst

Im Winter 2009/2010 bestritt der Speedspezialist seine letzten Weltcuprennen. Vor seiner Derniere in Garmisch-Partenkirchen meisterte «Büxi» nochmals die Lauberhorn-Strecke; ein klein wenig habe er da taktiert, erinnert er sich. Über Langentrejen, wo die Jungfrau-Marathon-Strecke die Weltcuppiste quert, sei er die Hocke etwas aufrechter gefahren. Die gesparte Energie reichte für Rang 3 – der letzte Podestplatz in Büchels Karriere. Ein langersehnter Wunsch ging damit in Erfüllung.

Der Fokus auf Resultate ist für den Gewinner von vier Weltcuprennen (zwei Abfahrten, zwei Super-Gs) Geschichte. «Den Ehrgeiz des Wettkampfs habe ich abgelegt», hält der Liechten­steiner, der auch den Schweizer Pass besitzt, fest. «Ich möchte nur noch gegen mich selbst antreten.»

Die Suche nach den Grenzen des eigenen Leistungsver­mögens hat es «Büxi» angetan. War er als Skirennfahrer während zweier – im Fall von der Lauberhornabfahrt zweieinhalb – Minuten maximal gefordert, teilt Büchel seine Kräfte heute auf mehrere Stunden auf. Ehemalige Kollegen lachen, wenn sie hören, er sei jetzt Hobbybergläufer. «Früher war ich der Faulste von allen!»

Das Erlebnis von New York

Sein Trauzeuge, selbst ein pas­sionierter Ausdauerläufer, überredete den 45-Jährigen schliesslich zu einer Teilnahme am New York Marathon. «Danach konnte ich mich fünf Tage lang kaum bewegen.» Da war Büchel 40 und sagte sich: «Das mache ich nie mehr.» Die Erfahrung schien dennoch ihren Wert zu haben.

Büchel dachte sich, nach einem Berglauf seien die Beschwerden bestimmt kleiner. Und meldete sich prompt für einen entsprechenden Lauf in Liechtenstein an. Büchel strahlt, als er erklärt: «Ich bin ein Bergkind. Kein Wunder, gefällt mir die Topografie des Jungfrau-Marathons.» Inzwischen hat er fünf vergleich­bare Wettkämpfe bestritten.

Im Winter ist Büchel wie viele ehemalige Kollegen noch immer im Skizirkus anzutreffen. Für Sponsorenauftritte oder als Experte fürs ZDF. Dennoch sagt er: «Ich möchte nicht tun, was alle anderen tun, nicht 08/15 sein.» So sind Bergläufe nicht sein aussergewöhnlichstes Hobby. Zwei Tage vor dem Jungfrau-Marathon war er in Deutschland – beim Tontaubenschiessen.

Knauss und Girardelli

Im Nebel unterhalb des Eigers ist Büchel froh, oben angekommen zu sein. Als er vor dem letzten Steilstück glaubte, es sei noch eine Zeit unter fünf Stunden möglich, packte ihn das Fieber. «Ich hätte mich beinahe übernommen», sagt er lachend.

Im warmen Restaurant auf der Kleinen Scheidegg erfährt «Büxi» dann, dass er eine bessere Zeit als seine früheren Konkurrenten Hans Knauss (Österreich) und Marc Girardelli (Luxemburg) gelaufen ist. Das freut ihn dann doch ziemlich – ein gutes Stück Ehrgeiz ist geblieben.

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