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Delia Sclabas hat zum zweiten Mal den Altstadt-GP gewonnen. Die erst 16-Jährige ist ein wahres Multisporttalent.

Abkühlung nach grossem Auftritt: Delia Sclabas hat soeben bei schwül-warmen Verhältnissen den Altstadt-Grand-Prix gewonnen.

Abkühlung nach grossem Auftritt: Delia Sclabas hat soeben bei schwül-warmen Verhältnissen den Altstadt-Grand-Prix gewonnen.

(Bild: Andreas Blatter)

Aussergewöhnliche Athleten schreiben aussergewöhnliche Geschichten. Wenn auch nicht immer nur freiwillig, wie sich am Wochenende offenbarte. Am Samstag liess sich Delia Sclabas bei kräfteraubenden Verhältnissen zum zweiten Mal in Folge als Siegerin des Altstadt-GP feiern. Aussergewöhnlich ist dabei das Alter der Protagonistin: Die Gymnasiastin ist 16-jährig.

Sclabas jedoch ist nicht nur GP-Siegerin, sondern zweifache U-18-Europameisterin in der Leichtathletik sowie passionierte Triathletin. Und hat Eltern, die bereit wie in der Lage sind, sie in aussergewöhnlichem Mass zu unterstützen. Am Sonntag bestritt sie in Forst nördlich von Karlsruhe einen Triathlon. Um 4 Uhr morgens war sie zu Hause losgefahren, um 7.15 Uhr hatten sich die Teilnehmerinnen im Startgelände einzufinden. Wer sich nun fragt, was diese Übung soll, ist kaum allein.

Die Jugend-EM-Medaillengewinnerin des Vorjahres hatte sich zum Ziel gesetzt, an der Junioren-EM im Triathlon teilzunehmen. Swiss Triathlon wiederum deklarierte das Rennen in Forst notabene später als einzigen EM-Selektionswettkampf. Worauf Sclabas nach kurzer Nacht und langer Fahrt antrat, den Wettkampf als drittbeste Schweizerin auf Rang 11 beendete.

Drittbeste Schweizerin und Rang 10 hätten die EM-Teilnahme bedeutet. Die Selektionsrichtlinien von Swiss Triathlon sind – vorsichtig formuliert – fragwürdig, gelten doch auf Juniorenebene Richtdistanzen. In Forst war die Laufstrecke etwa 4,5 Kilometern lang, der Richtwert liegt bei 5 Kilometern. Wäre das Teilstück 200 Meter länger gewesen, hätte es die Ausnahmeläuferin locker unter die besten 10 geschafft.

Kommt dazu, dass im Triathlon 16- und 17-Jährige mit begrenzter Übersetzung radfahren müssen, die 18- und 19-Jährigen hingegen mit offener Übersetzung pedalen dürfen. Der Wettkampf in Forst war ein U-20-Rennen.

Ob Sclabas trotzdem selektioniert wird, entscheidet Swiss Triathlon. Argumente dafür gibt es viele, beispielsweise die ungleichen Voraussetzungen, übernachteten doch die Konkurrentinnen vor Ort. Andere Sportler würden ob solcher Geschichten zerbrechen, bei der Kirchbergerin gehören Kollisionen und Konflikte auch wegen der starren Grenzen zwischen den Schweizer Fachverbänden zum Alltag.

Wer nun der Ansicht ist, Delia Sclabas sollte sich aufs Laufen konzentrieren, ist kaum allein. Aber liegt nicht zwingend richtig. Es gibt vergleichbare Fälle, in denen die Spezialisierung zu früh erfolgte, der Spass am Sport verloren ging. Die Namen der Betroffenen sind daher gar nicht erst bekannt geworden.

Berner Zeitung

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