«Gerade für den Kopf war der Wechsel anstrengend»

Unter Valerij Bauer hat sich Mujinga Kambundji als europäische Spitzensprinterin etabliert. Im Herbst kam es zum Bruch, seither wird die 25-Jährige von Henk ­Kraaijenhof betreut.

Mujinga Kambundji: «Genau das habe ich gesucht.»

Mujinga Kambundji: «Genau das habe ich gesucht.» Bild: Christian Pfander

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit November arbeiten Sie mit Henk Kraaijenhof zusammen. Wie fällt Ihr erstes Fazit aus?
Mujinga Kambundji: Positiv. Henk hatte aus finanziellen Gründen mit dem Coaching aufgehört, seit dreizehn Jahren niemanden mehr trainiert. Nun hat er wieder damit begonnen, was ihm Freude bereitet. Allerdings müssen wir noch einige Dinge klären, beispielsweise, ob die Trainingslager in Bern oder Amsterdam stattfinden werden.

Wie oft sind Sie bisher nach Amsterdam gereist?
Ganz am Anfang für zweieinhalb Tage, damit wir uns kennen lernen konnten. Insgesamt haben wir fünfmal zusammen trainiert.

Wie sind Sie eigentlich auf Henk Kraaijenhof gestossen?
Mein Manager Patrick Magyar kennt Henk bereits seit längerem. Als ich mit der Zusammenarbeit mit Valerij Bauer (Kambundjis Trainer in den letzten vier Jahren, die Red.) nicht mehr zufrieden war, bat er Henk um seine Meinung. Dann gingen wir nach Amsterdam, ganz unverbindlich.

Und wie hat er Sie überzeugt?
Mit seiner Haltung. Er ist kein Wundertrainer, macht nichts Magisches (lacht). Das Wichtigste ist, dass er Sorge zu seinen Athleten trägt. Er macht DNA-Analysen und eine Muskelbiopsie, um ein genaues Bild von mir zu erhalten. Anhand dieser Daten erstellt er den Trainingsplan.

In den letzten vier Jahren arbeiteten Sie in einer Gruppe, nun werden Sie individuell betreut...
... genau das habe ich gesucht. Henk ist sehr offen. Es hat nach dem ersten Training gepasst.

Warum fühlten Sie sich bei Valerij Bauer in Mannheim nicht mehr wohl?
Ich wollte bereits vor einem Jahr ein paar Dinge anpassen. Das machten wir zwar, aber die Veränderungen waren nicht so gross, wie ich es erhofft hatte. Ende Saison sass ich nun nochmals mit Valerij und Alexandra Burghardt, die ebenfalls in unserer Gruppe trainierte, zusammen. Er kam für das Treffen sogar nach Magglingen. Ich spürte, dass er versucht, sich zu verändern. Doch ich merkte auch, dass er sich zu sehr verändern müsste, um unseren Wünschen nachzukommen.

Was heisst das konkret?
Ich hatte das Gefühl, dass er gegen seine Überzeugung handelte. Er hat seinen Masterplan, den er für verschiedene Athleten anwendet. Sein System funktioniert in vielen Bereichen anders als bei anderen Trainern. Er hätte davon abkommen müssen, was für ihn schwierig gewesen wäre. Letztlich ergibt es keinen Sinn, so weiterzumachen, weil es ihn und uns verunsichert hätte.

Fakt ist: Unter Bauer haben Sie Ihre 100-Meter-Bestzeit um 43, den Bestwert über 200 Meter um 82 Hundertstel gesenkt. Können Sie etwas von seiner Trainingslehre mitnehmen?
Als ich vor vier Jahren von Jacques Cordey (Kambundjis Jugendtrainer, die Red.) zu Valerij wechselte, wollte ich auch etwas von dessen Trainings mitnehmen. Aber dann sah ich rasch ein, dass das nicht funktionieren würde, weil Valerij ein komplett anders System hat. Nun habe ich ein ähnliches Gefühl.

Also müssen Sie sich wieder für etwas komplett Neues öffnen.
Ich finde das sehr gut, es macht Spass. Das soll nicht negativ gemeint sein, aber ich habe in den letzten vier Jahren immer dasselbe gemacht, da kommst du irgendwann in einen Trott. Gerade für den Kopf war der Wechsel anstrengend, diese zweieinhalb Tage in Amsterdam haben mich extrem geschlaucht. Aber ich denke, es sind genau diese neuen Reize, die ich nun brauche.

Werden Sie die Hallensaison bestreiten?
Ja. Schliesslich bin ich noch nie an einer Hallen-WM gestartet (lacht). Das wird ein guter Test, um zu schauen, was funktioniert und woran ich noch arbeiten muss. Als ich damals zu Valerij ging, war das jedenfalls so. Er konnte damals sehen, wie ich in einem Wettkampf reagiere. Dasselbe wird nun auch für die Zusammenarbeit mit Henk wichtig sein. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.12.2017, 16:54 Uhr

Artikel zum Thema

Kambundji geht aufs Ganze

Mujinga Kambundji wechselt den Trainer. Nach vier Jahren bei Valerij Bauer in Mannheim wird die Könizerin künftig vom Holländer Henk Kraaijenhof betreut. Mehr...

«Das Aussehen ist wie ein Glücksbringer»

In dieser Saison hat Mujinga Kambundji ihren 200-Meter-Bestwert gesenkt, die WM-Finals aber verpasst. Die 25-jährige Könizerin spricht über ihre Rückkehr in die Staffel und die hohe Relevanz der optischen Komponente. Mehr...

Schnelle Frauen

Léa Sprunger und Mujinga Kambundji bestätigen bei Weltklasse Zürich ihre Fortschritte, Petra Fontanive setzt einen schönen Schlusspunkt. Mehr...

Wettbewerb

Gratis nach Singapur fliegen

Seit Anfang August fliegt Singapore Airlines auch ab Zürich mit einem neu ausgestatteten Airbus A380. Gewinnen Sie zwei Flugtickets.

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss Die Schönheit zum Schlucken boomt

Beruf + Berufung «9 to 9» statt «9 to 5»

Die Welt in Bildern

Kultur für Kleine: In Dresden öffnet die erste Kinderbiennale in Europa. Anders als sonst im Museum, kann und darf hier selbst gestaltet und mitgemacht werden. (21. September 2018)
(Bild: Sebastian Kahnert/dpa) Mehr...