Gemeinsam geht es einfacher

Als Solisten sind die besten Schweizer 400-Meter-Läufer relativ weit von der Spitze entfernt. In der Staffel strebt das Team, dem vier Berner angehören, die Finalteilnahme an der EM 2018 an.

Vier Berner für die Schweiz: Luca Flück, Joel Burgunder, Silvan Lutz und Vincent Notz (von links, hier an der Team-EM) haben ein hohes Ziel.

Vier Berner für die Schweiz: Luca Flück, Joel Burgunder, Silvan Lutz und Vincent Notz (von links, hier an der Team-EM) haben ein hohes Ziel.

(Bild: Daniel Byskata/zvg)

In der Schweizer Leichtathletik wird das Niveau immer höher. Es benötigt Leistungen, die vor fünf Jahren als aussergewöhnlich bezeichnet worden wären, wer auf sich aufmerksam machen will. In diesem Kontext sehen sich die besten 400-Meter-Läufer mit einem Problem konfrontiert: Noch verfügt keiner über die Fähigkeiten, sich für eine Teilnahme an der WM in London aufzudrängen; die bei 45,50 Sekunden liegende Norm ist schlicht zu hoch.

Spannen sie zusammen, sind die Aussichten besser. Flavio Zberg, als Trainer des Zürich-Europameisters Kariem Hussein bekannt geworden, leitet das Staffelprojekt. Ziel sei, an der EM 2018 in Berlin den Final zu erreichen. «Das ist ambitiös, aber umsetzbar – davon bin ich überzeugt», hält der Nidwaldner fest.

Die Reise nach Afrika

Im engeren Kreis der Gruppe finden sich sieben Athleten, wobei die Priorität bei Hussein und Dany Brand auf der Hürdenstrecke liegt. Bleibt ein Quintett, welches aus dem Tessiner Daniele Angelella sowie vier Bernern besteht. Joel Burgunder, Luca Flück, Silvan Lutz und Vincent Notz traten für Swiss Athletics an der Team-EM in Vaasa über 4-mal 400 Meter an, vermochten die Erwartungen im kühlen Finnland aber nicht ganz zu erfüllen. «Vaasa war durchschnittlich, das müssen wir korrigieren», sagt Lutz.

Die nächste Chance bietet sich am Donnerstag an den Frankofonie-Spielen in Abidjan. Allein die Tatsache, dass eine Delegation an einen Event von bescheidener Relevanz in die Elfenbeinküste reist, offenbart die Bedeutung des Projekts. «Es gibt nicht so ­viele Startgelegenheiten; wir müssen jede nutzen», lässt der 26-Jährige vom TV Länggasse verlauten. Für die EM qualifizieren sich die besten 16 Nationen; zur Erstellung der entsprechenden Rangliste werden die je zwei tiefsten Zeiten aus den Jahren 2017 und 2018 herangezogen.

Mittelfristig führe der Weg zum gemeinsamen Ziel über die individuellen Fortschritte, sagt Burgunder. «Jeder von uns muss schneller werden, eine tiefe 46er-Zeit laufen können.» Der Oberaargauer hat diesen Bereich bereits erreicht, seinen Bestwert am Samstag an der Schweizer Meisterschaft im Letzigrund um elf Hundertstel auf exakt 46 Sekunden gesenkt. Wichtig sei, den Glauben an sich selbst nicht zu verlieren, auch wenn der angestrebte Wert unerreichbar scheine, sagt der 26-Jährige aus Heimenhausen.

Er spricht über seinen Trainingskollegen Brand, der sich markant gesteigert, an der U-23-EM gar die Hürden-Limite für die WM in London unterboten hat. «Dany hat bewiesen, dass Bestzeiten purzeln können. Das ist für alle inspirierend.»

Das Beispiel der Frauen

Derweil sich Lutz und Burgunder dem Zenit ihrer Karrieren nähern, befinden sich Flück und Notz erst in der Anfangsphase. Flück ist 21, Notz ein Jahr jünger; gemeinsam trainieren sie beim ehemaligen 400-Meter-Hürden-Spezialisten Daniel Ritter in Kirchberg. Flück, 2016 in Amsterdam überraschend EM-Teilnehmer, ist in diesem Sommer «noch nicht gross auf Touren gekommen»; er hat dafür eine Erklärung: «Wenn du um 18 Uhr von der Arbeit nach Hause kommst und um 18.30 Uhr ins Training gehst, darfst du nicht allzu viel ­erwarten.» Künftig wird er eine Fachhochschule absolvieren, die Regeneration höher gewichten.

Notz hat sich in dieser Saison markant gesteigert, an der Schweizer Meisterschaft jedoch schien ihm die Luft auszugehen. Es sei «super», eine solche Leistungsdichte zu haben; er könne sich bei den Kollegen einiges abschauen, hält er fest. Beispielsweise im gemeinsamen Frühlingstrainingslager an der Wärme. Trainer Zberg hofft, dass künftig alle dabei sein können, was bei Amateuren nicht selbstverständlich ist.

Was ein solches Projekt bewirken kann, lässt sich am Beispiel der Frauensprintstaffel aufzeigen. Als das Ensemble erstmals formiert wurde, bewegten sich die Athletinnen auf bescheidenem Level. In diesem Jahr haben weltweit lediglich drei Nationen eine bessere Zeit vorzuweisen als die helvetische Equipe.

Berner Zeitung

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