Frauenlauf: S wie Sommer und Schlumpf

Fabienne Schlumpf feiert im 5-km-Rennen des Schweizer Frauenlaufs einen überzeugenden Sieg. Martina Strähl verpasst bei hohen Temperaturen das Podest nur knapp.

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Zwei Läuferinnen geniessen auf dem Bundesplatz für sie unerwartet grossen Applaus. Sie beenden das 10-km-Rennen unmittelbar vor der Ankunft der besten Athletin auf der halb so langen Distanz und beglückwünschen sich nach der Ziellinie dafür, die Strecke in der Berner Sommerhitze bewältigt zu haben. Wenig später ist dies eine Randnotiz. Die überragende Läuferin des Tages überquert die Ziellinie.

Fabienne Schlumpf erlebt erstmals im Jahr 2017 in der Schweiz einen Sommertag im Flachland. Die 26-jährige Zürcherin hat sich zuletzt zu Trainingszwecken in der Höhe von St. Moritz auf­gehalten. In Bern schliesst Schlumpf eine für sie perfekte Woche ab. Am Freitag ist sie aus der Höhe ins französische Belfort gereist und hat dort ihren Schweizer Rekord über 3000 m Steeple um mehr als dreieinhalb Sekunden auf 9:26,86 verbessert.

Am Frauenlauf drückt sie dem 5-km-Rennen ihren Stempel auf. Der ehemalige Spitzenläufer Markus Ryffel, der für die Verpflichtung der Topathletinnen zuständig ist, adelt ihr taktisches Verhalten mit dem Stichwort «Weltklasse». Schlumpf tritt auf dem vierten Kilometer an und distanziert schliesslich die Vorjahressiegerin Helen Tola Bekele (ETH). 29 Sekunden beträgt im Ziel ihr Vorsprung.

Risiko sei immer dabei, wenn man ein Rennen derart offensiv bestreite, sagt Schlumpf an der Medienkonferenz. «Ich fühlte mich gut, und wenn ich angreife, dann will ich auch durchziehen», sagt sie. Die Zürcherin hat als Steepleläuferin längst auch international auf sich aufmerksam gemacht.

2016 erreichte sie bei den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro den Final. Sie zählt auf, welches ihre nächsten Rennen sind. Es handelt sich unter anderem um die Diamond-League-Meetings von Oslo (am nächsten Donnerstag) und Paris, wo ein Grossteil der Weltspitze am Start ist.

Fabienne Schlumpf ist nicht die einzige Protagonistin am Frauenlauf, deren Nachname mit S beginnt. Im Spurt um Platz 3 unterliegt Martina Strähl knapp der in Zürich lebenden Französin Aude Salord und ärgert sich über einen taktischen Fehler. «Ich war klar vor ihr und war mir zu sicher, dass ich sie bezwingen würde», meint die Solothurnerin, die für den LV Langenthal startet.

Positiver ist sie für der Tag zuvor ­verlaufen, als sie am Jugitag an ihrem Wohnort Horriwil das Aufwärmen leitete und Rede und Antwort stand. «Das hat sehr viel Spass gemacht», sagt Strähl. «Für die Kinder war es speziell, sich mit einer Berglauf-Weltmeisterin zu unterhalten.»

Bei Delia Sclabas ist der Freitag der beste Tag der Woche gewesen. Die 16-jährige Kirchbergerin ist wie Schlumpf in Belfort gestartet und hat dort den Schweizer U-20-Rekord über 800 m auf 2:04,30 verbessert. In Bern läuft sie mit der Gruppe um Salord und Strähl mit. Erst im Sprint verliert Sclabas an Boden und wird Sechste. Umgehend kühlt sie den Körper mit Wasser und verlässt nach kurzer Zeit den Zielraum.

Eine weitere Protagonistin mit einem S zu Beginn des Nachnamens ist die beste U-23-Läuferin und gewinnt so 1000 Franken. Die 21-jährige Toggenburgerin Chiara Scherrer ist eine Klubkollegin von Fabienne Schlumpf. «Sie hat grosses Potenzial», sagt die Siegerin, während Scherrer sagt: «Das wichtigere Rennen war jenes in Genf, wo ich meine Bestleistung über 3000 m Steeple klar verbessert habe.»

Die Organisatoren des Frauenlaufs haben vor einem Jahr entschieden, für den Schweizer Nachwuchs einen speziellen Prämientopf zu schaffen. «Das Geld war ein grosser Ansporn, hier zu starten», sagt Scherrer. «Damit kann ich Laufschuhe kaufen und Reisen an Wettkämpfe finanzieren.»

Ein weiteres S namens Sanität muss hingegen trotz der Hitze keine grosse Rolle einnehmen. «Frauen sind vernünftig und können mit der Hitze umgehen», sagt Markus Ryffel. Auch auf jene zwei zu Beginn erwähnten Läuferinnen trifft dies zu. Angestrengt wirken sie nicht.

Berner Zeitung

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