Der Mann mit dem kleinen Rucksack

Pacemaker helfen bei Volksläufen den Teilnehmern, die angestrebte Zeit zu erreichen. Ohne Ueli Kobel wäre Koen de Graaf in Kehrsatz wohl eine halbe Minute langsamer gewesen.

Pacemaker  Ueli Kobel mit seiner Tafel  «51 Minuten».

Pacemaker Ueli Kobel mit seiner Tafel «51 Minuten». Bild: Manuel Zingg

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45 Minuten sind es noch bis zum Start des Chäsitzerlouf. An einem Tisch der Organisatoren im Start- und Zielgelände versammeln sich einige Athleten, um die letzten Absprachen zu treffen.

Sie sind nicht bestrebt, eine möglichst schnelle Zeit zu laufen. Sie wollen anderen Teilnehmern dabei helfen, ihre angestrebte Leistung zu erbringen. «Ich bin nicht mehr darauf erpicht, persönliche Bestwerte zu erzielen», sagt Ueli Kobel. «Als erfahrener Läufer unterstütze ich die anderen gerne.»

Der 48-jährige Verkaufsleiter ist einer der Pacemaker beim «Chäsitzer». Kobel wäre immer noch in der Lage, in die ersten fünfzig zu laufen. Er übernimmt daher den Part, die 12 km in 51 Minuten zurückzulegen, mit einem Schnitt von 4:15 Minuten pro Kilometer, und ist somit der zweitschnellste Pacemaker.

«In dieser Rolle ist es ideal, wenn man etwa mit 80 Prozent seines Leistungsvermögens läuft», sagt Kobel. «So kann ich die Strecke kontrolliert zurücklegen und gerate nicht in Schwierigkeiten, die erwünschte Zeit zu erreichen.»

Vor 10 Jahren

Pacemaker sind mittlerweile an vielen Volksläufen im Einsatz. Vor etwa 10 Jahren kamen die ersten Veranstalter auf die Idee, die Breitensportler auf diese Weise zu unterstützen. Im Raum Bern steht ein Pool von etwa 50 Pacemakern zur Verfügung. Kobel nimmt unter ihnen eine wichtige Rolle ein, er koordiniert unter anderem die Einsätze am Grand Prix von Bern, der in diesem Jahr am 19. Mai stattfindet.

Im Starterfeld des Chäsitzerlouf sind Kobel und seine Kollegen – Frauen sind in der klaren Minderheit – leicht erkennbar. Sie tragen einen kleinen Rucksack, aus dem eine Tafel mit der angestrebten Zeit herausragt. «Ich habe meine Wertsachen darin deponiert», sagt Kobel. «Ansonsten ist er leer.

Das Gewicht beträgt nur 300 bis 400 Gramm, behindert werde ich dadurch nicht.» Früher führten die Pacemaker statt des Rucksacks einen Ballon mit, auf den die angestrebte Zeit gemalt war. Bei Wind flatterte dieser jedoch und sorgte für einen Bremseffekt.

Da die Strecke am Chäsitzerlouf teilweise hügelig ist, kann Kobel nicht immer gleich schnell laufen. «In der Fläche lege ich mir ein Polster zu, von dem ich in den Hügeln zehren kann.» Sein Plan geht perfekt auf. Nach 51:00,6 Minuten erreicht er das Ziel.

Grosse Hilfe

«Es war härter als erwartet», sagt er am Ziel. «Die Wärme hat mir etwas zugesetzt.» Nach einigen kalten Tagen stiegen die Temperaturen in den Stunden vor dem Lauf deutlich an. Wenige Sekunden nach Kobel kommt Koen de Graaf in 51:09,8 ins Ziel.

Der 51-Jährige aus Mattstetten bedankt sich beim Pacemaker für dessen Hilfe. «Ohne ihn hätte ich wohl austrudeln lassen», sagt de Graaf. Er wollte eine 50er-Zeit laufen, setzte sich daher erst von Kobel ab, ehe er Probleme bekundete und froh war, dass er sich am Mann mit dem kleinen Rucksack orientieren konnte.

In zwei Wochen wird Kobel auch am GP von Bern im Einsatz stehen und als Orientierung für alle Läufer dienen, die eine Zeit von 1:10 Stunden über die 10 Meilen laufen wollen. Sein Team hat er mittlerweile beisammen.

Am schwierigsten sei es gewesen, einen Pacemaker zu finden, der die Strecke in einer Stunde zurücklegt. Athleten, die dies können, sind ambitioniert und verfolgen in der Regel ihre eigenen Ziele. Der Orientierungsläufer Remo Ruch übernimmt nun diesen Part und wird 10 Minuten vor Kobel im Ziel eintreffen.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 08.05.2018, 09:57 Uhr

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