Bern baggert und turnt

In einem Jahr wird der Kanton Bern zum europäischen Zentrum für Beachvolleyball und Kunstturnen. Während zweier Wochen messen sich in Biel und in Bern die besten Athleten an den kontinentalen Titelkämpfen.

Plötzlich ist sie da: Giulia Steingruber, Repräsentantin der Kunstturn-EM 2016 in Bern, meldet sich während der Medienkonferenz via Skype.

Plötzlich ist sie da: Giulia Steingruber, Repräsentantin der Kunstturn-EM 2016 in Bern, meldet sich während der Medienkonferenz via Skype.

(Bild: Andreas Blatter)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Das Aushängeschild fehlt. Giulia Steingruber hätte an der Medienkonferenz im Berner Rathaus als Repräsentantin der Kunstturn-Europameisterschaft auftreten sollen – doch ihr Stuhl bleibt unbesetzt. Weil die vierfache Medaillengewinnerin eben erst von den Europaspielen aus Aserbeidschan zurückgekehrt ist, wird verkündet, sie benötige Ruhe. Dennoch wird Steingruber noch zu einem Auftritt kommen – doch mehr dazu später.

In rund einem Jahr tritt der Kanton Bern wieder einmal als Gastgeber von zwei Sportgrossanlässen auf. Seit der Euro 2008 wurden hier nacheinander die Eishockey-WM 2009, die Eiskunstlauf-WM 2011 und die Mountainbike-EM 2013 durchgeführt. Vom 25.Mai bis zum 5.Juni 2016 werden in der Postfinance-Arena in Bern nun die besten Kunstturner um EM-Gold kämpfen, derweil vom 1. bis zum 5.Juni die Beachvolleyballer auf dem Bieler Strandboden den Europameister ermitteln.

«Damit müssen wir leben»

Gewiss kann moniert werden, dass sich die beiden Veranstalter konkurrieren, da sich die Europameisterschaften zeitlich überschneiden. Doch ihnen blieb keine Wahl, der Termin für die EM wurde von den jeweiligen europäischen Verbänden vorgegeben. «Damit müssen wir leben», hält Sascha Heyer, Turnierdirektor der Beachvolleyball-EM in Biel, fest. Der ehemalige Spitzenspieler betont aber, dass die beiden Sportarten nicht dasselbe Publikum anziehen würden. Und generell versuchten sich die beiden Organisationskomitees bei der Arbeit zu unterstützen, beispielsweise in den Bereichen Unterkünfte und Transporte.

Heyer hofft, während des Turniers der besten 32 Frauen- und Männerteams Europas 30'000 Besucher um und 15'000 in der für den Center-Court errichteten Arena zu empfangen. Im Gegensatz zu den Organisatoren der Kunstturn-EM kann sich Heyer mit zwei Hauptproben auf den Grossanlass vorbereiten. Bereits letztes Jahr führten er und sein Team ein Turnier der europäischen CEV Masters Serie durch, diesen August steht ein weiteres auf dem Programm. Allerdings sind diese Hauptproben mit Vorsicht zu geniessen, dürfte doch der Stellenwert der EM 2016 deutlich grösser sein. Denn: Wahrscheinlich wird sich den Teams in Biel die letzte Gelegenheit bieten, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren.

Steingruber freut sich «mega»

Wegen Olympia wird auch die Kunstturn-EM eine grössere Beachtung als üblicherweise geniessen. Die Veranstalter um OK-Präsident Heinz Müller erwarten während der zwei Wochen im Mai und Juni 2016 in Bern 550 Aktive sowie 650 Betreuerinnen und Betreuer aus 40 Nationen. Und weil über zwei Drittel der weltbesten Turner aus Europa stammen, verspricht sich Müller hochstehende Wettkämpfe in der Postfinance-Arena. In der Heimstätte des SCB werden die Veranstalter die Sitzplätze – rund 5000 – nutzen, hinzu kommen VIP-Plätze. Am 25.Mai, genau ein Jahr vor Beginn der Titelkämpfe, startete der Vorverkauf; bis gestern sind 1430 Tickets abgesetzt worden. Das OK hofft, an den beiden Finalwochenenden über 20'000 Zuschauer in der Arena empfangen zu können.

Einen Einfluss auf den Publikumsaufmarsch – und damit wären wir wieder beim Anfang – wird zweifellos Giulia Steingruber haben. Noch nie verfügte die Schweiz über eine solch erfolgreiche Kunstturnerin; die Chancen, dass sie vor Heimpublikum reüssiert, sind gross. Und plötzlich – der modernen Technik sei Dank – ist das Aushängeschild doch noch an der Medienkonferenz präsent. Via Skype verkündet die Mehrkampf-Europameisterin, sie freue sich «mega» auf diese Heim-EM.

Berner Zeitung

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