Leiden im Zimmer

Leichtathletik Adrian Lehmann will am Sonntag in Berlin seine Marathonbestzeit verbessern. Die Probleme, welche ihn im letzten Jahr plagten, hat der 27-jährige Berner überwunden.

Mit viel Selbstvertrauen: Adrian Lehmann fühlt sich fit.

Mit viel Selbstvertrauen: Adrian Lehmann fühlt sich fit.

(Bild: Raphael Moser)

Spitzensportler zu sein heisst auch, Opfer zu bringen. Im August, in den letzten warmen Spätsommertagen, hielt sich Adrian Lehmann oft in seinem Zimmer in Liebefeld auf. Mithilfe eines Generators reduzierte er nicht zum ersten Mal während vier Wochen den Sauerstoffgehalt im Raum und erreichte so den Effekt eines Höhentrainings, ohne zu verreisen. «An einem Sonntag hielt ich es dann aber nicht mehr aus und ging mit einem Kollegen Basketball spielen», sagt der 27-jährige Marathonspezialist.

Das Leiden lohnte sich. Lehmann beendete den Halbmarathon von Sarnen in 1:06:22 Stunden als Zweiter und war damit eine Minute schneller als bei seiner letzten Teilnahme. Nachwirkungen des Ermüdungsbruchs, den er im Herbst 2016 erlitten hatte, verspürt Lehmann nicht mehr.

Selbstvertrauen getankt

Lehmann will am Wochenende beim Berlin-Marathon seine persönliche Bestzeit von 2:15:08 Stunden unterbieten. «Für mich ist es das Rennen des Jahres», sagt er. «Welche Bilanz ich nach dieser Saison ziehen werde, hängt stark davon ab.» Der 27-Jährige ist nicht der einzige Schweizer, der in der deutschen Hauptstadt antritt. Christian Kreienbühl (TV Oerlikon), Andreas Kempf (TSV Düdingen) und Marcel Berni (TV Länggasse) starten ebenfalls und wollen die Norm für die Teilnahme an der EM 2018 in Berlin (2:19:30) erfüllen. Für Lehmann selbst sollte dies kein Problem darstellen. Er ortet bei zwölf Schweizern das Potenzial, sich für die EM zu empfehlen, sechs Startplätze stehen zur Verfügung.

In der Schweiz setzen derzeit viele Läufer auf die Marathondistanz. «Auf dieser Strecke können sie etwas erreichen», sagt Lehmann. «Über 5000 oder 10 000 Meter hätte selbst ein Tadesse Abraham im internationalen Vergleich keine Chance.» Abraham ist der Leader eines Teams, das auf europäischer Ebene Erfolge feierte: 2014 in Zürich gewannen die Schweizer im Halbmarathon Bronze, 2016 in Amsterdam im Halbmarathon gar Gold. «Dadurch habe auch ich Selbstvertrauen getankt», sagt Lehmann. «Ich realisierte, dass wir in der Schweiz nicht niemand sind.»

Und dass es sich lohnen kann, warme Sommertage drinnen zu verbringen.

Berner Zeitung

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