Im Sauseschritt zum zweiten Streich

Fabienne Schlumpf entscheidet den Frauenlauf in Bern zum zweiten Mal de suite für sich. Die Zürcherin lief ihrer ärgsten Konkurrentin – Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig – rund einen Kilometer vor dem Ziel davon.

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Marco Oppliger@BernerZeitung

Achtung, fertig, los! Locker anlaufen liegt nicht drin bei diesem 32. Frauenlauf. Kaum ertönt das Startsignal für die Eliteläuferinnen, jagt Nicola Spirig aus dem Startblock. Und wie sie das tut – der Lenker im vorausfahrenden Speaker-auto muss gehörig beschleunigen, um ihr aus dem Weg zu gehen.

Nur Fabienne Schlumpf und Krisztina Papp können der Triathlon-Olympiasiegerin von 2012 und Olympiazweiten von 2016 folgen. Bei Ersterer handelt es sich um die Landesrekord­halterin über 3000 m Steeple und Vorjahressiegerin in Bern, bei Letzterer um eine für den TV Oerlikon startende Ungarin, die sich kurzfristig angemeldet hat.

Während über drei von fünf ­Kilometern laufen die drei Ath­letinnen dem Feld voraus, ehe aus dem Dreikampf eine One-Woman-Show wird. Zuerst muss Papp abreissen lassen; dann, bei Kilometer 3,8, verschärft Schlumpf das Tempo nochmals und setzt sich auch von Spirig ab.

16:43 Minuten steht auf der Anzeigetafel geschrieben, als die Zürcherin das Ziel auf dem Bundesplatz erreicht; 20 respektive 22 Sekunden vor Spirig und Papp. Das ist eine bravouröse Leistung von einer Athletin, die im Vorfeld gegenüber dieser Zeitung sagte, sie reise bewusst ohne Erwartungen nach Bern.

Seit März hatte Schlumpf wegen einer Sehnenentzündung im rechten Fuss keinen Wettkampf mehr bestritten. Doch diese mühsame Phase mit Alternativtraining ist an diesem sonnigen Sonntagmittag weit weg. «Der Fuss schmerzte nicht, es hat mega Spass gemacht, so zu laufen», hält Schlumpf lächelnd fest. Wer die 27-Jährige bei ihrem leichtfüssigen Lauf durch Bern beobachtete, konnte durchaus den Eindruck gewinnen, dass sie jederzeit noch einen Zacken zulegen kann.

Sie habe sich gut gefühlt, sagt Schlumpf, «und deshalb entschied ich spontan, mich abzusetzen». Erst einmal konnte eine Schweizerin am Frauenlauf zweimal nacheinander reüssieren: Cornelia Bürki bei der Premiere 1987 und 1988. Der ge­lungene Belastungstest gibt Schlumpf gewiss Auftrieb für den weiteren Verlauf der Saison, die im August in Berlin mit einer EM-Medaille über 3000 m Steeple ihren Höhepunkt finden soll.

Selbiges hat im Triathlon auch Nicola Spirig vor. Die Olympiasiegerin wird dannzumal aber darum besorgt sein, sich weniger turbulent auf den Wettkampf vorzubereiten. «Vom Programm her war es am Limit», hält Spirig fest, als sie auf diese Woche angesprochen wird.

Am Donnerstag trat sie mit der Mixed-Staffel in Nottingham an, es handelte sich um den ersten Qualifikationswettkampf hinsichtlich der Olympischen Spiele 2020. Die Erholung vom Wettkampf sei kein Problem gewesen, meint sie, «problematisch war die Reise».

Erst verpasste das Team den Flug, worauf es den ganzen Freitag am Flughafen in Manchester verbringen musste. Am Samstag half Spirig schliesslich ihrem Mann bei der Organisation eines Kindertriathlons in Balsthal aus. Nun, von alldem liess sie sich am Sonntag bei ihrer Premiere am Frauenlauf bekanntlich nichts anmerken. Nur einmal geriet Spirig kurz ins Grübeln, als sich Schlumpf abgesetzt hatte und sie nicht wusste, wie lange das Rennen noch dauern würde.

Und prompt wurde sie von Papp nach der Kirchenfeldbrücke überholt. «Also dachte ich mir: Weit ist es nicht mehr bis ins Ziel, ich kann jetzt nicht einfach aufgeben.» Die Entscheidung im Schlussspurt war allerdings selbst für Spirig hart. Das freilich hinderte sie nicht daran, am Abend und nach der Rennanalyse mit Coach Brett Sutton eine Trainingseinheit zu absolvieren.

13'102 Frauen und Mädchen liefen am Sonntag durch Bern, nur 36 kamen nicht im Ziel an. Das ist eine bemerkenswert hohe Finisher-Quote, bedenkt man, dass die hohen Temperaturen den Athletinnen zusetzten. Gar nicht erst an den Start ging übri­gens Maja Neuenschwander.

Die Marathon-Landesrekordhalterin gab nach dem Einlaufen Forfait, weil sie im Oberschenkel ein Ziehen verspürte. Sie habe sich nicht verletzt, hält Neuenschwander fest, «aber ich will hinsichtlich der EM nichts riskieren».

Und weil mit der U-20-Europameisterin Delia Sclabas ein weiteres regionales Aushängeschild fehlte, war wie im Vorjahr Valérie Lehmann für die Berner Ehrenmeldung besorgt. Sie tat es Schlumpf gleich und klassierte sich – wie im Vorjahr – auf Rang 5.

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