Er schiebt keine ruhige Kugel

So weit wie Edy Hubacher hat die Kugel im Zehnkampf kein anderer gestossen. Er hat im Sommer und im Winter an Olympischen Spielen teilgenommen. Wenn der «Rätselonkel der Nation» in Moosseedorf zum Grillfest lädt, lauscht auch die zweifache Kugelstoss-Olympiasiegerin Valerie Adams seinen Geschichten.

Wortakrobat: Edy Hubacher erstellt Kreuzworträtsel.

Wortakrobat: Edy Hubacher erstellt Kreuzworträtsel.

(Bild: Andreas Blatter)

«Sie wird mich überleben», sagt Edy Hubacher und lacht herzhaft. Immer wieder wird der ehemalige Leichtathlet auf seine heute noch gültige Weltbestleistung angesprochen. Im Rahmen eines Zehnkampfs stiess keiner die Kugel so weit wie der Berner. Nach 19,17 Metern schlug Hubachers Geschoss anlässlich des gewonnenen Länderkampfs gegen Deutschland und Frankreich im Wankdorf anno 1969 in der Sandgrube ein.

Nach dem Stoss in die Geschichtsbücher machte der 2,03 Meter grosse Wurfspezialist des TV Länggasse abermals auf sich aufmerksam. Als einer von nur drei Schweizer Sportlern bestritt Hubacher sowohl Olympische Sommer- als auch Winterspiele: 1968 in Mexiko hatte er im Kugelstossen den 14. und im Diskuswerfen den 17. Platz belegt, 1972 kehrte er aus Sapporo mit einer Goldmedaille (Viererbob) und einer bronzenen Auszeichnung (Zweierbob) zurück.

Grillparty mit Valerie Adams

Kugelstossen hat Edy Hubacher bis heute nicht mehr losgelassen. Mit dem einstigen Rivalen Jean-Pierre Egger pflegt er eine tiefe Freundschaft. Auch die zweifache Olympiasiegerin Valerie Adams aus Neuseeland besuchte schon mehrmals das schmucke Haus in Moosseedorf, wo Edys Frau und Grillmeisterin Annekäti an lauen Sommerabenden jeweils Köstlichkeiten brutzelt. Anfang August beginnt der sechs Monate dauernde Umbau zum Dreigenerationenhaus. «In dieser Zeit möchte ich mir mit einer Weltreise einen Traum erfüllen», sagt der vierfache Familienvater. Hubacher beabsichtigt, Freunde in Neuseeland, Peru und Vancouver zu besuchen und natürlich die jüngste Tochter mit Ehemann und zwei Mädchen in Australien.

Er habe sich vorgenommen, während der Bauzeit loszulassen. «Ich muss aufräumen», sagt der pensionierte Lehrer, der sich auch als «Rätselonkel der Nation» einen Namen geschaffen hat. «Die Rätselwerkstatt werfe ich aber nicht fort», sagt der Wortakrobat mit einem Schmunzeln.

Es gehe ihm gesundheitlich gut, sagt der Olympionike. Er wolle nicht klagen. Mit dem ihm eigenen Schalk fügt er hinzu: «Ich laufe zwar wie ein einarmiger Bandit durch die Gegend.» Vier zusammengewachsene Nackenwirbel führten dazu, dass er seinen rechten Arm nicht mehr heben kann. «Auf mein Hobby Golf muss ich aber nicht verzichten», sagt der frühere Athletiktrainer von Schwingerkönig Ruedi Hunsperger und der Schweizer Bobfahrer.

Engagiert beim FC Thun

Hubacher will sich in Zukunft auch Zeit nehmen, mehr Bücher zu lesen und «am eigenen Buch zu schreiben», wie er lachend ergänzt. Er arbeitet auch im Projekt «FC Thun macht Schule» mit, in dem den kleinen und grösseren Kickern – darunter sind Kinder mit einer geistigen Behinderung – eine ganzheitliche Ausbildung mit Fairplayerziehung und sozialem Engagement vermittelt wird. «Unterstützt werden wir dabei auch von den Trainern und Spielern des momentan NLA-Dritten!», erzählt der Pädagoge stolz. Edy Hubacher schiebt wahrlich keine ruhige Kugel. Am Mittwoch feiert er seinen 75. Geburtstag.

Berner Zeitung

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