Die andere Erstbesteigung am Matterhorn

Martina Strähl ist noch nie in Zermatt gewesen. Für die stärkste Läuferin der LV Langenthal wird der Marathon am Samstag auf den Riffelberg ihre ganz persönliche Erstbesteigung sein. Strähl führt das Schweizer Frauenquintett an.

Die Form stimmt: Martina Strähl reist als amtierende Berglauf-Schweizer-Meisterin an die Weltmeisterschaft nach Zermatt.

Die Form stimmt: Martina Strähl reist als amtierende Berglauf-Schweizer-Meisterin an die Weltmeisterschaft nach Zermatt.

(Bild: Marcel Bieri)

Aus Anlass der 150-Jahr-Feier der Erstbesteigung des Matterhorns wird ab dem 9.Juli das Freilichttheater «The Matterhorn Story» aufgeführt. Bereits heute könnte Martina Strähl am Fuss des berühmtesten Schweizer Bergs Sportgeschichte schreiben.

Ihr gebührt an der ersten offiziellen Langdistanz-Berglauf-Weltmeisterschaft in Zermatt die Hauptrolle im Schweizer Team. Die stärkste Läuferin der LV Langenthal sagt vor der 42,195 Kilometer langen Ausdauerprüfung: «Ein Top-10-Platz ist mein Primärziel, eine Top-5-Rangierung wäre schön, ein Medaillengewinn wunderbar.»

Das WM-Rennen von St.Niklaus (1116 m ü.M.) auf den Riffelberg (2585 m ü.M.) wird im Rahmen des 14.Gornergrat-Zermatt-Marathons durchgeführt. Pro Nation konnten 5 Läuferinnen und 5 Läufer gemeldet werden. 114 Berglauf-Cracks aus 23 Ländern werden um Medaillen im Einzel- und im Teamwettbewerb kämpfen. Für die Nationenwertung zählen die drei schnellsten Zeiten pro Geschlecht.

Sturz im Kindergarten

Strähl erlebte vor fünf Wochen einen kleinen Schreckmoment. Die 28 Jahre alte Berglauf-Spezialistin aus Oekingen bei Solothurn rutschte während der Arbeit im Kindergarten auf einem Grashügel aus. Bei ihrem Sturz zog sie sich eine Prellung des Steissbeins zu. «Eine MRT-Untersuchung hat ergeben, dass das Steissbein angebrochen ist», sagt die angehende Heilpädagogin.

Drei Wochen lang konnte die Berglauf-Europameisterin von 2009 und 2011 kein Lauftraining betreiben. Sie musste alternativ trainieren. Für Strähl war es eine emotionale Achterbahnfahrt. «Oft hätte ich einfach losheulen können. Seit fast neun Monaten trainiere ich für die WM, freue mich unglaublich darauf, und dann passiert so etwas», schreibt die 47 Kilogramm leichte Athletin auf ihrer Homepage. Allmählich besserte sich Strähls Gesundheitszustand.

Risiko hat sich gelohnt

An der Berglauf-SM in Grenchen vor einer Woche unterzog sich Strähl einem Belastungstest. Als sie an der Startlinie stand, wusste sie, dass sie seit Pfingstmontag gerade mal eine halbe Stunde lang gejoggt hatte. «Ich nahm das Risiko einer neuerlichen Verletzung in Kauf. Glücklicherweise hat mein Bewegungsapparat mitgemacht. Ich blieb schmerzfrei», sagt Strähl erleichtert.

Am Grenchenberg lief sie einsam zum siebten Schweizer-Meister-Titel. 3:33 Minuten nahm die Solothurnerin der zweitplatzierten Emmentalerin Daniela Aeschbacher ab, die an der Langdistanz-Berglauf-WM als Ersatzläuferin nominiert ist. Den eigenen Streckenrekord unterbot Strähl dabei um mehr als zwei Minuten.

Die Form von Martina Strähl stimmt, die Moral ebenfalls. Auch wenn sie festhält: «Im Vergleich zum letzten Jahr bin ich sechs Kilo leichter. Ich habe stressbedingt abgenommen und dadurch etwas Substanz verloren.» Sie führt dies auf ihr 50-Prozent-Pensum im Kindergarten Oberdorf zurück, wo sie verhaltensauffällige Kinder betreut.

In Zermatt wird Strähl ihren vierten Marathonlauf bestreiten, den zweiten bergauf. Die Premiere am Berg hatte sie vor zwei Jahren erlebt – am Jungfraumarathon, wo sie in 3:25:23 Stunden Dritte und beste Schweizerin wurde. «Ich freue mich sehr auf das WM-Rennen in dieser Bergwelt. Das Matterhorn wird mich inspirieren», meint die zweifache Schweizer Meisterin über 5000 Meter (2010 und 2012). Für Martina Strähl wird der Lauf auf den Riffelberg ihre ganz persönliche Erstbesteigung sein. Sie war noch nie in Zermatt.

Berner Zeitung

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