Die Karriereleiter hochgesprungen

Der ukrainische Ex-Stabhochspringer Sergei Bubka drängt an die Spitze des Leichtathletikweltverbands.

Sechsfacher Weltmeister und Olympiasieger: Stabhochsprunglegende Sergei Bubka. Foto: Keystone

Sechsfacher Weltmeister und Olympiasieger: Stabhochsprunglegende Sergei Bubka. Foto: Keystone

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Er weiss, wie wichtig Kleider sein können. Seit seinem Aufstieg zu einem führenden Sportfunktionär hat Sergei Bubka sich darum die Garderobe eines Geschäftsmanns zugelegt: Anzug, Krawatte, Derby-Schuhe. Sie bilden die Uniform des Ukrainers, egal, wo er auftritt. Und der sechsfache Weltmeister und Olympiasieger im Stabhochsprung tritt oft auf, seit er vor 14 Jahren vom Spitzensport zurückgetreten ist, sammelt er Ämter im Weltsport: Bubka ist Exekutivmitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOK). Bubka ist Präsident des nationalen Olympischen Komitees. Bubka ist Vizepräsident des Weltleichtathletikverbandes.

Und nun will Bubka, der sich 2013 vergeblich um das höchste IOK-Amt bemühte, den Chefposten in der Leichtathletik. Der 51-Jährige tritt dabei gegen ein anderes Schwergewicht seines Sports an – Lord Sebastian Coe, die britische Ex-Mittelstreckengrösse. Im August wird gewählt. Coe machte seine Ambitionen früh öffentlich. Dass Bubka bis jetzt zuwartete, hat Gründe: Er prüfte seine Wahlchancen erst. Seine Kandidatur macht klar, dass sie gut sein müssen.

Begnadeter Netzwerker

Bubka verfügt wie Coe über wichtige Eigenschaften für den Prestigejob: Er ist ein begnadeter Netzwerker und wendig genug, seine Ansichten im Ungefähren zu halten. Die jüngsten Verwerfungen in seiner Heimat hat er darum schadlos überstanden – obschon er in der Separatistenhochburg Donezk lebt und als Vertrauter von Rinat Achmetow gilt, dem reichsten Oligarchen des Landes.

Bubkas grösste Krise gründet gerade in seinen politischen Verflechtungen. Er wurde vom früheren ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch gefördert und sass für dessen Partei im Parlament. Von Janukowitsch übernahm Bubka den Chefposten im olympischen Verband, so lässt sich dem ausführlichen Lebenslauf auf seiner Website entnehmen. Was darin nicht steht, ist mindestens so interessant: 2004 avancierte Bubka, der zwar Doktor der Pädagogik ist, aber keine speziellen Wirtschaftskenntnisse besitzt, zum Präsidenten der Privatbank Rodovid. Die Finanzkrise von 2008 erfasste auch sie. Weil die Bank für die Ukraine systemrelevant war, musste der Staat sie übernehmen: mit 4,5 Milliarden Franken Schulden.

Es gab eine Strafuntersuchung, weil Millionen im Vorfeld abgeflossen sein sollen. Bubka wurde nie dazu befragt. Er konnte die Aktienmehrheit, die er mit Partnern hielt, für einen drei­stelligen Millionenbetrag an den Staat verkaufen, wie die «Frankfurter Allgemeine» berichtete. Heute besitzt er mit seinem Bruder Bäckereien, Tankstellen, Immobilien landesweit.

Juan Antonio Samaranch als Vorbild

Den Dienst am Sport, wie er es nennt, leistet er darum gratis. Seine öffentlichen Liebeserklärungen an den Sport aber wirken einstudiert. Das mag damit zusammenhängen, dass Bubka kein eloquenter Redner ist und distanziert wirkt. Es kann aber auch sein Drang zur Macht sein, der irritiert.

Den wohl berüchtigtsten Strippen­zieher des globalen Sports, den verstorbenen IOK-Präsidenten Juan Antonio Samaranch, bezeichnet Bubka als sein Vorbild. Das passt. Der Spanier war einst Sportminister von Francos Gnaden und gelangte dank zweifel­hafter Verbindungen an die IOK-Spitze. Diese Parallelen zu seinem eigenen Werdegang erwähnt Sergei Bubka bei seinen Samaranch-Elogen nie.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.01.2015, 20:59 Uhr

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